StandPunkt
Открыть в Telegram
Unterstützen Sie StandPunkt Unabhängiger Journalismus ohne Paywall braucht Ihre Unterstützung. Ihre Spende ermöglicht freie, kritische und unabhängige Berichterstattung. Spendenkonto – Verein Förderung der offenen Meinung IBAN: CH83 0900 0000 1636 5976 8
Больше4 863
Подписчики
Нет данных24 часа
-117 дней
+330 дней
Загружаем данные
Похожие каналы
Облако тегов
Входящие и исходящие упоминания
---
---
---
---
---
---
Привлечение подписчиков
октябрь '26окт. '26
октябрь '26
+55
в 15 каналах
сентябрь '26
+97
в 23 каналах
Get PRO
август '26
+126
в 22 каналах
Get PRO
июль '26
+122
в 15 каналах
Get PRO
июнь '26
+171
в 13 каналах
Get PRO
май '26
+266
в 31 каналах
Get PRO
апрель '26
+155
в 10 каналах
Get PRO
март '26
+580
в 34 каналах
Get PRO
февраль '26
+140
в 24 каналах
Get PRO
январь '26
+241
в 34 каналах
Get PRO
декабрь '25
+217
в 25 каналах
Get PRO
ноябрь '25
+107
в 40 каналах
Get PRO
октябрь '25
+73
в 23 каналах
Get PRO
сентябрь '25
+85
в 21 каналах
Get PRO
август '25
+111
в 18 каналах
Get PRO
июль '25
+246
в 21 каналах
Get PRO
июнь '25
+94
в 29 каналах
Get PRO
май '25
+187
в 32 каналах
Get PRO
апрель '25
+101
в 31 каналах
Get PRO
март '25
+88
в 28 каналах
Get PRO
февраль '25
+89
в 28 каналах
Get PRO
январь '25
+119
в 38 каналах
Get PRO
декабрь '24
+76
в 17 каналах
Get PRO
ноябрь '24
+107
в 31 каналах
Get PRO
октябрь '24
+132
в 25 каналах
Get PRO
сентябрь '24
+115
в 25 каналах
Get PRO
август '24
+208
в 45 каналах
Get PRO
июль '24
+213
в 52 каналах
Get PRO
июнь '24
+137
в 24 каналах
Get PRO
май '24
+149
в 32 каналах
Get PRO
апрель '24
+170
в 37 каналах
Get PRO
март '24
+163
в 40 каналах
Get PRO
февраль '24
+203
в 23 каналах
Get PRO
январь '24
+348
в 43 каналах
Get PRO
декабрь '23
+242
в 31 каналах
Get PRO
ноябрь '23
+78
в 33 каналах
Get PRO
октябрь '23
+92
в 30 каналах
Get PRO
сентябрь '23
+104
в 0 каналах
Get PRO
август '23
+93
в 0 каналах
Get PRO
июль '23
+153
в 0 каналах
Get PRO
июнь '23
+110
в 0 каналах
Get PRO
май '23
+83
в 0 каналах
Get PRO
апрель '23
+65
в 0 каналах
Get PRO
март '23
+86
в 0 каналах
Get PRO
февраль '23
+80
в 0 каналах
Get PRO
январь '23
+67
в 0 каналах
Get PRO
декабрь '22
+79
в 0 каналах
Get PRO
ноябрь '22
+95
в 0 каналах
Get PRO
октябрь '22
+87
в 0 каналах
Get PRO
сентябрь '22
+35
в 0 каналах
Get PRO
август '22
+44
в 0 каналах
Get PRO
июль '22
+88
в 0 каналах
Get PRO
июнь '22
+132
в 0 каналах
Get PRO
май '22
+105
в 0 каналах
Get PRO
апрель '22
+55
в 0 каналах
Get PRO
март '22
+194
в 0 каналах
Get PRO
февраль '22
+160
в 0 каналах
Get PRO
январь '22
+70
в 0 каналах
Get PRO
декабрь '21
+181
в 0 каналах
Get PRO
ноябрь '21
+146
в 0 каналах
Get PRO
октябрь '21
+230
в 0 каналах
Get PRO
сентябрь '21
+557
в 0 каналах
Get PRO
август '21
+161
в 0 каналах
Get PRO
июль '21
+141
в 0 каналах
Get PRO
июнь '21
+130
в 0 каналах
Get PRO
май '21
+411
в 0 каналах
Get PRO
апрель '21
+222
в 0 каналах
Get PRO
март '21
+159
в 0 каналах
Get PRO
февраль '21
+90
в 0 каналах
Get PRO
январь '21
+632
в 0 каналах
| Дата | Привлечение подписчиков | Упоминания | Каналы | |
| 17 октября | +2 | |||
| 16 октября | +3 | |||
| 15 октября | +1 | |||
| 14 октября | +3 | |||
| 13 октября | +10 | |||
| 12 октября | 0 | |||
| 11 октября | +4 | |||
| 10 октября | 0 | |||
| 09 октября | +4 | |||
| 08 октября | +14 | |||
| 07 октября | 0 | |||
| 06 октября | +4 | |||
| 05 октября | 0 | |||
| 04 октября | +2 | |||
| 03 октября | +3 | |||
| 02 октября | +3 | |||
| 01 октября | +2 |
Посты канала
Verbotene Liebe stürzt Bundesgericht ins Chaos
Reihenweise Ausstände und interne Querelen offenbaren das Versagen zweier Bundesrichter – und die gefährdete Unabhängigkeit des höchsten Gerichts.
Die Affäre bricht auf.
Im Frühling 2026 machte die «Weltwoche» die Liebesbeziehung zwischen den Bundesrichtern Yves Donzallaz und Béatrice van de Graaf publik. Die beiden hatten über rund ein Jahr eine Beziehung geführt, die sie verheimlichten. Das Bundesgerichtsgesetz verbietet in Artikel 8 ausdrücklich, dass Mitglieder des Gerichts in einer dauernden Lebensgemeinschaft leben. Auch die internen Gepflogenheiten der Richterinnen und Richter schliessen Liebesbeziehungen grundsätzlich aus. Der Grund liegt auf der Hand: Die richterliche Unabhängigkeit darf nicht durch private Bindungen gefährdet werden, die Einflussnahme oder den Anschein von Befangenheit ermöglichen. Donzallaz und van de Graaf hätten die Beziehung umgehend der Gerichtsleitung offenlegen oder – besser noch – die Konsequenzen ziehen und zurücktreten müssen. Stattdessen blieben sie im Amt und kandidieren weiterhin für die Wiederwahl.
Chaos durch reihenweise Ausstände
Die Affäre hat das Bundesgericht in eine tiefe Krise gestürzt. Zahlreiche Revisionsgesuche liegen vor, darunter prominente Fälle. Die gesamte zweite strafrechtliche Abteilung trat bei diesen Verfahren in den Ausstand. Präsident François Chaix wies sie der zweiten zivilrechtlichen Abteilung zu. Auch dort kam es zu weiteren Ausständen. Das Gericht geriet ins Stocken. Am 6. Oktober eskalierte die Lage erneut: Donzallaz suchte den vorsitzenden Richter Grégory Bovey in dessen Büro auf, nachdem dieser einen internen Meinungsaustausch zur Frage der dauernden Lebensgemeinschaft angeregt und die beiden Beteiligten ausgeschlossen hatte. Donzallaz warf Bovey vor, die Kontrolle verloren und die gebotene Besonnenheit vermissen lassen zu haben. Er verlangte dessen Ausstand. Das Gericht wies das Gesuch als offensichtlich unbegründet ab. Es stellte sich klar heraus, dass Donzallaz als Verfahrensbeteiligter nicht beim Vorsitzenden vorsprechen durfte. Die internen Querelen belasten das Gericht weiter. Die Kostenfrage des Zwischenverfahrens bleibt offen.
Scharfe Kritik und fehlende Konsequenzen
Kritische Stimmen verurteilen das Verhalten der beiden Richter scharf. Der frühere Bundesgerichtspräsident Ulrich Meyer erklärte, die beiden hätten das Gericht sehenden Auges in eine institutionelle Krise schlittern lassen. Er forderte ihren sofortigen Rücktritt oder zumindest den Verzicht auf die Wiederwahl. Richter seien dazu da, Urteile zu fällen, und nicht, sich zu lieben. Auch innerhalb des Gerichts wurden Rücktrittsforderungen laut. Interne Richter kritisierten die Verletzung der Gepflogenheiten und das mangelnde Krisenmanagement der Leitung. Die SVP und andere Beobachter monierten die Verheimlichung und die fortgesetzte Amtsausübung. Donzallaz selbst bezeichnete die Beziehung rückblickend als unangemessen, hielt sie aber für nicht illegal und sah sich als Opfer einer politischen Instrumentalisierung. Diese Einschätzung überzeugt nicht. Eine dauernde Lebensgemeinschaft oder auch nur eine intensive private Bindung unter Bundesrichtern ist mit dem Status des Magistraten unvereinbar. Wer sich in eine Kollegin oder einen Kollegen verliebt, muss die Institution schützen – durch Offenlegung, Ausstand oder Rücktritt. Stattdessen folgten Geheimhaltung, Ausstandsgesuche gegen Kollegen und ein Schaden für das Ansehen des Gerichts. Die Wahlen wurden vorsorglich in die Wintersession verschoben. Chaix wurde nicht zur Wiederwahl als Präsident vorgeschlagen; Thomas Müller soll ihn ersetzen. Das Bundesgericht wird demnächst entscheiden, ob die Beziehung im Sinne des Gesetzes unzulässig war. Ein Ja würde bedeuten, dass zahlreiche Urteile neu geprüft werden müssen. Das Vertrauen in die höchste Instanz steht auf dem Spiel.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB |
| 2 | Hacker knacken «Republik»: Warnungen statt Kontrolle
Verpasstes Update legt Kundendaten des linken Leitmediums offen – und offenbart die Illusion digitaler Sicherheit
Der Einbruch und das verpasste Update
Das Onlinemagazin «Republik» ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Unbekannte nutzten zwischen August und Anfang Oktober eine bekannte Sicherheitslücke im Analysetool Metabase, um Zugriff auf eine Kopie der Kundendatenbank zu erlangen. Die Schwachstelle im Passwort-Vergessen-Formular verschaffte Angreifern ohne Passwort Administratorrechte. Der Hersteller hatte bereits am 6. August ein Sicherheitsupdate bereitgestellt, doch die Redaktion versäumte es, die Warnung zu verfolgen und das Update einzuspielen. Bemerkt wurde der Einbruch erst am 14. Oktober, nicht durch ein Sicherheitssystem, sondern weil eine Fehlermeldung das Tool blockierte. Die «Republik» räumte offen ein: «Die Sicherheitslücke war seit dem 6. August bekannt, aber wir haben es versäumt, rechtzeitig die nötigen Gegenmassnahmen zu treffen. Das ist unser Fehler. Es tut uns leid.«
Die entwendeten Daten und die Phishing-Warnung
Die Angreifer riefen systematisch die Benutzerdaten aller aktiven und ehemaligen Abonnenten, Genossenschafter sowie Newsletterempfänger ab. Entwendet wurden Namen, E-Mail-Adressen sowie, falls hinterlegt, Telefonnummern, Geburtsjahre, Geschlecht und Postadressen. Stichprobenweise luden sie zudem Daten zu Abos, Zahlungsvermerken, Umfragen und Genossenschaftsabstimmungen herunter. Besonders brisant: Bei rund 2300 anonym verfassten Forenkommentaren hatten sie Zugriff auf die Verknüpfung zwischen Text und Nutzerkonto. Die Anonymität dieser Beiträge ist damit potenziell aufgehoben. Kreditkartendaten und Passwörter blieben unberührt, da Zahlungen über Stripe laufen und Logins passwortlos per E-Mail-Bestätigung erfolgen. Die «Republik» meldete den Vorfall dem EDÖB, schaltete das Tool ab und warnte Abonnenten vor Phishingattacken. Solche Worte klingen vertraut: «Alles unter Kontrolle», «Vorsicht bei gefälschten Mails» und «Man gebe sich in Zukunft mehr Mühe».
Eine Welle von Datenlecks und kritische Stimmen
Eigentlich darf es niemanden wundern, dass wieder ein Hackerangriff bekannt wird. In den vergangenen Wochen traf es unter anderem den Onlinehändler Offerz mit rund 115 000 Kundendatensätzen, die Pensionskasse der Stadt Zürich sowie weitere Vorsorgeeinrichtungen und die Energy Gruppe Schweiz. Hunderte von Meldungen an das Bundesamt für Cybersicherheit zeigen ein sich verdichtendes Bild. Matthias Stürmer, Professor an der Berner Fachhochschule, warnt vor den Folgen der Digitalisierungseuphorie. Cyberkriminelle setzen zunehmend KI ein, um Lücken zu finden und Angriffe zu beschleunigen. Das Risiko, dass auch Plattformen der öffentlichen Verwaltung oder private Portale gehackt und sensible Daten veröffentlicht würden, sei realistisch. Schweizerinnen und Schweizer könnten wenig tun, um ihre hinterlegten Daten zu schützen. Andere Kritiker wie Monica Amgwerd verweisen auf grobfahrlässige Zentralisierung von Datenbanken.
Daten weg, Kontrolle illusorisch
Wie StandPunkt und andere kritische Stimmen seit geraumer Zeit aufzeigen, haben die meisten Betreiber ihre Plattformen nicht unter Kontrolle. Zu Tausenden fliessen Kundendaten ab, und niemand weiss genau, was mit ihnen geschieht und an wen sie weiterverkauft werden. Ausser einem feuchtwarmen Sorry und dem Versprechen, man werde sich künftig mehr Mühe geben, geschieht in der Regel nichts. Die Daten sind weg und kursieren irgendwo im Darknet. Die «Republik», die sich als Rebellion gegen die Medienkonzerne und Verteidigerin der Demokratie versteht, reiht sich damit in eine lange Liste ein. Der Vorfall zeigt einmal mehr, dass der digitale Datenhype eine Illusion von Kontrolle erzeugt, die bei der ersten bekannten Lücke zusammenbricht. Wer sensible Informationen zentral speichert und Updates verschläft, liefert sie freiwillig ab.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 225 |
| 3 | Am 18. Oktober in Boswil:
Ralph Bosshard – ehemaliger Oberstleutnant im Generalstab und militärischer OSZE-Berater mit Ukraine-Erfahrung. (Neutralitätsrat)
Patrik Baab – langjähriger NDR-Journalist, Investigativjournalist und Autor mit Schwerpunkt Geopolitik. (ndr.de)
Claudio Zanetti – Jurist, langjähriger Zürcher SVP-Politiker und ehemaliger Nationalrat. (SVP Schweiz)
Und meine Wenigkeit.
Reden, Interviews, Diskussionen – und natürlich Gelegenheit, interessante Leute kennenzulernen und sich zu vernetzen.
Kurz: Arsch an die frische Luft und wieder mal unter die Leute. 😎
Drei intellektuelle Hochkaräter (und mich) gibt’s für 29 Franken:
www.stricker.tv/strickershop | 268 |
| 4 | 🇨🇭 Präsenz für die Eidgenossenschaft zeigen 🇨🇭
Souveränität auf Abruf – die Schweiz als Vasall Brüssels
Die Schweiz gilt noch immer als souveräner Staat. In Wahrheit hängt diese Souveränität an einem dünnen Faden: Sie gilt nur, solange sich das Land nach den Gesetzen der Europäischen Union richtet. Weicht es ab, drohen nicht Verhandlungen auf Augenhöhe, sondern Druck, Isolierung und Sanktionen gegen Land und Bewohner.
Der Bundesrat biedert sich an, das Parlament dient
Dieser Zustand entsteht nicht von selbst. Der gesamte Bundesrat biedert sich der EU an. Er spricht von Partnerschaft und Stabilität, meint aber Unterordnung. Statt die Interessen der Eidgenossenschaft hart zu vertreten, sucht er das Wohlwollen Brüssels. Das Parlament folgt ihm darin. Es dient dem Bundesrat, statt ihn zu kontrollieren. So entsteht eine geschlossene Kette: Brüssel gibt die Richtung vor, der Bundesrat übernimmt sie, das Parlament legitimiert sie. Das Volk darf noch abstimmen – solange das Ergebnis passt.
Nur gehorsam bleibt die Schweiz «frei»
Solange Bern die dynamische Rechtsübernahme akzeptiert, solange es EU-Normen übernimmt, bevor das eigene Volk überhaupt abgestimmt hat, bleibt der Schein der Unabhängigkeit gewahrt. Die Botschaft aus Brüssel ist unmissverständlich: Ihr dürft eure eigene Verfassung, eure Volksrechte und eure direkten Abstimmungen behalten – aber nur, solange das Ergebnis EU-konform ausfällt. Stimmt das Volk anders, gilt das nicht als demokratische Entscheidung, sondern als Vertragsbruch. Dann folgen Gegenmassnahmen. Nicht gegen einzelne Politiker, sondern gegen die Schweiz als Ganzes und gegen ihre Bürger.
Fremde Richter statt eidgenössischer Gerichte
Noch deutlicher wird der Verlust dort, wo es um Recht und Urteil geht. Nicht mehr die eigenen Richter sprechen in letzter Instanz. Es werden fremde Richter sein, die in der Schweiz Urteile fällen. Streitigkeiten aus den bilateralen Verträgen und dem institutionellen Rahmen landen nicht vor dem Bundesgericht in Lausanne, sondern vor Instanzen, die der Logik der Union folgen. Der «fremde Richter», vor dem sich die Eidgenossen seit vielen Jahrhunderten hüten, sitzt dann nicht mehr in Wien oder Paris, sondern im institutionellen Geflecht der EU. Das ist keine theoretische Gefahr. Es ist die logische Folge eines Abkommens, das die letzte Entscheidungsgewalt aus der Schweiz herausverlagert – mit einem Bundesrat, der das hinnimmt, und einem Parlament, das ihm dabei dient.
Sanktionen statt Partnerschaft
Wer glaubt, das bleibe folgenlos, täuscht sich. Ein Land, das sich weigert, EU-Recht dynamisch zu übernehmen oder Volksentscheide nachträglich «anzupassen», wird nicht als gleichberechtigter Partner behandelt. Es wird als Störenfried behandelt. Wirtschaftlicher Druck, erschwerter Marktzugang, politische Isolierung – das sind die Instrumente. Nicht gegen eine Regierung allein, sondern gegen das ganze Land und seine Bewohner. Die Botschaft lautet: Entweder ihr stimmt so ab, wie es Brüssel erwartet, oder ihr tragt die Konsequenzen.
Die Schweiz steht damit vor einer einfachen, aber harten Wahrheit. Entweder sie behauptet ihre Souveränität auch dann, wenn das Ergebnis den Partnern in der Union nicht passt. Oder sie akzeptiert, dass sie nur noch so lange souverän heisst, wie sie gehorcht – geführt von einem Bundesrat, der sich anbiedert, und einem Parlament, das ihm dient. Dazwischen gibt es keinen ehrlichen Mittelweg.
Druck auf der Strasse ist kein Beiwerk
Gerade deshalb muss der Druck auf die Strasse. Wenn Bundesrat und Parlament bereits in dieselbe Richtung gehen, bleibt der öffentliche Raum einer der letzten Orte, an dem sichtbar wird, dass die Eidgenossenschaft nicht kampflos aufgegeben wird. Präsenz auf der Strasse zwingt das Thema aus den Amtsstuben heraus. Sie zeigt, dass Souveränität kein Aktenvermerk ist, sondern eine Haltung, die man sehen, hören und nicht einfach übergehen kann. Wer schweigt, bestätigt die Unterordnung. Wer erscheint, hält fest, dass das Volk noch da ist.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 211 |
| 5 | Klitschko fragt nach den Milliarden – und stellt Selenskij öffentlich in Frage
Nach der Kritik von Nena Brockhaus geht der Kiewer Bürgermeister in die Offensive, während russische Angriffe die Energieversorgung treffen und die Frage nach dem Verbleib westlicher Gelder offen bleibt
Der Angriff auf die Energieanlagen und die fehlende Warnung
In der Nacht auf den 14. Oktober haben russische Streitkräfte erneut Ziele in Kiew, Charkiw und Chmelnyzkyj getroffen. Betroffen waren Einrichtungen der Energie- und Kommunikationsinfrastruktur, darunter Heizkraftwerke und Anlagen des Netzbetreibers Ukrenergo. In mehreren Bezirken der Hauptstadt kam es zu Stromausfällen, der Nahverkehr wurde teilweise eingestellt. Kiew beklagte erneut das Ausbleiben westlicher Frühwarndaten vor dem Start ballistischer Raketen. Selenskij und Berater bestätigten, dass über die bisherigen Kanäle keine Warnung eingegangen sei. Der Vorfall verschärft die Debatte darüber, wie gut die westliche Unterstützung in der Praxis noch greift.
Klitschkos Rede in der Rada: Wo ist die Luftverteidigung, wo sind die Milliarden?
Am selben Tag trat Vitali Klitschko vor der Werchowna Rada auf. Der Bürgermeister von Kiew warf der Regierung unter Selenskij gravierende Versäumnisse in der Haushaltspolitik und bei der inneren Sicherheit vor. Er fragte ausdrücklich, wo die Luftverteidigung für die Hauptstadt sei und warum die Anlagen von Ukrenergo landesweit ungeschützt blieben. Angesichts der Hunderte Milliarden Euro und US-Dollar, die die Ukraine seit Februar 2022 aus dem Westen erhalten hat, stellte er die direkte Frage: «Wo sind die Milliarden, die dafür bereitgestellt wurden?» Die Rede verschärft den bereits schwelenden Konflikt mit dem Präsidenten. Selenskij hatte die Stadtverwaltung zuvor für mangelhafte Wintervorbereitungen verantwortlich gemacht. Klitschko wies das zurück und verwies auf eingefrorene Zahlungen der Zentralregierung.
Der Kontext der Kritik und die Rolle von Nena Brockhaus
Nur wenige Tage zuvor hatte die WELT-Moderatorin Nena Brockhaus Klitschko öffentlich zurechtgewiesen. Sie wies darauf hin, dass er und andere Mächtige selbst nicht an der Front stünden, während der Westen alles für die Ukraine gebe. Sie forderte, dass diejenigen, die über den Krieg reden, auch persönlich die Konsequenzen tragen sollten. Vor diesem Hintergrund wirkt Klitschkos Auftritt in der Rada wie eine Reaktion: Nachdem er selbst in die Kritik geraten war, richtet er den Blick nun auf die Zentralregierung und deren Umgang mit den westlichen Mitteln.
Machtkampf und die offene Frage nach dem Verbleib der Gelder
Seit längerer Zeit konkurrieren Selenskij und Klitschko um Einfluss in Kiew. In Klitschkos Rede klingt der Verdacht an, dass die für den Schutz der Hauptstadt und der Energieinfrastruktur vorgesehenen Mittel nicht dort angekommen sind, wo sie gebraucht werden. Er spricht von Milliarden und fragt nach ihrem Verbleib. Während russische Angriffe die Infrastruktur treffen und die Bevölkerung unter den Folgen leidet, bleibt die Frage, ob die bereitgestellten Mittel tatsächlich dem Schutz der Zivilbevölkerung zugeflossen sind oder ob ein erheblicher Teil anderweitig verwendet wurde. Klitschko war lange Teil des Systems, das den Krieg mitträgt. Seine Offensive lässt sich als Ausdruck wachsender Spannungen lesen. Die Kombination aus fehlender Luftverteidigung, wiederholten Angriffen auf das Stromnetz und der offenen Frage nach den Milliarden erzeugt den Eindruck, dass die Zentralregierung unter Selenskij nicht in der Lage oder nicht willens ist, die Mittel effizient einzusetzen. Ob daraus mehr wird als ein Machtkampf, bleibt offen. Dass die Frage nach dem Verbleib der Milliarden nun von einem der bekanntesten ukrainischen Politiker gestellt wird, verändert jedoch die innenpolitische Lage.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 316 |
| 6 | Erneut ein Cyberangriff bekannt geworden und es wird bestimmt nicht der letzte sein
Cyberangriffe im Stundentakt, Floskeln der Verantwortlichen und der Endverbraucher, der immer zahlt
Die neueste Beruhigung aus Zürich
Helga Portmann, Geschäftsführerin der Pensionskasse der Stadt Zürich, antwortete der NZZ mit dem Satz, der zum Standard geworden ist: «Nach neuesten Erkenntnissen ist es möglich, dass auch Daten von uns betroffen sind.» Die Kasse mit rund 41’000 Versicherten und 21’000 Pensionsberechtigten steckt im Wechsel zur Software von PK Softech – dem Lieferanten, bei dem Ende September ein Angriff Daten der Bundespensionskasse Publica erfasst haben dürfte. Für Systemtests setzte sie echte Versichertendaten ein. Welche Datensätze und wie viele Personen betroffen sein könnten, bleibt offen. Die Kasse spricht von engem Austausch und davon, dass die Aktivierung des neuen Systems Anfang 2027 vorgesehen war. Ob die Testdaten tatsächlich abgeflossen sind, ist noch unklar. Klar ist nur, dass man die Frage nicht abschliessend beantworten kann.
Beinahe stündlich, und kaum jemand stört sich daran
Der Vorfall ist keiner von vielen, sondern einer in einer Kette, die sich verdichtet. Bei Publica können Namen, Adressen, AHV-Nummern, Löhne, Vorsorgeguthaben und Angaben zu Partnern betroffen sein. Weitere Kassen prüfen ebenfalls. Parallel dazu melden Medienplattformen, die SRG, Ricardo und der Weltraumkonzern Beyond Gravity eigene Zwischenfälle. Global verzeichnete Check Point im September 2026 durchschnittlich 2803 Angriffe pro Organisation und Woche, ein Plus von 48 Prozent. In der Schweiz lagen die bekannten Fälle bis Oktober bereits über dem gesamten Vorjahr; das Bundesamt für Cybersicherheit registrierte in einer Woche 1587 Meldungen. Bei grossen Zielen sind Angriffe und Abwehrversuche längst Dauerzustand – beinahe stündlich. Wer glaubt, solche Vorfälle seien Ausnahmen, hat die Lage nicht verstanden. Die Frequenz ist industriell, die öffentliche Reaktion bleibt rhetorisch.
Die Betroffenen reagieren mit dem bekannten Repertoire. Die Analyse dauere an, Spezialisten seien beigezogen, das Guthaben sei sicher, es gebe keine Hinweise auf Veröffentlichung im Darknet. Die eigentlichen Risiken – gezieltes Phishing, Identitätsdiebstahl, Missbrauch von Adressen, Löhnen und Partnerdaten – werden auf die Versicherten abgeschoben. Niemand fragt ernsthaft, warum echte Personendaten bei einem externen Lieferanten lagen oder warum dieselben Versicherungen nach jedem Vorfall erneuert werden. Die Institutionen verwalten den Vorfall, sie klären ihn nicht auf. Es interessiert sie offenbar kaum, solange die eigene Kommunikationslinie hält und die Floskeln sitzen. Ausreden ersetzen Verantwortung. Das Muster wiederholt sich mit einer Zuverlässigkeit, die man fast bewundern könnte, wenn sie nicht so teuer wäre.
Keine Software ist sicher – der Endverbraucher zahlt
Es gibt keine belastbare Evidenz, dass irgendeine Software dauerhaft vor professionellen Angriffen geschützt ist. Hohe Standards, Tests und Abschottung werden regelmässig durchbrochen – durch Schadsoftware, Lieferantenlücken oder einfache Fehlkonfigurationen. Der Endverbraucher steht am Ende der Kette: Seine Daten sind draussen, das Risiko von Betrug und Belästigung steigt, und die einzige konkrete Empfehlung lautet, selbst aufzupassen. Die Kosten für Abklärungen und Folgeschäden tragen Versicherte und Steuerzahler. StandPunkt weist auf X seit geraumer Zeit auf genau dieses Muster hin – vom Publica-Vorfall über frühere Lieferantenpannen bis zu den Risiken zentraler digitaler Systeme. Die aktuelle Mitteilung bestätigt nur, was dort bereits festgehalten wurde: Sicherheit wird behauptet, bis der nächste Abfluss gemeldet wird. Dann heisst es wieder, es sei möglich, dass auch Daten von uns betroffen sind – und der Endverbraucher möge bitte vorsichtig sein.
Wer das für Zufall hält, glaubt immer noch an den Storch, Samichlaus oder an den Osterhasen.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 297 |
| 7 | Swisscom nimmt Kundengespräche auf
Pilotprojekt mit KI-Mikrofonen in Filialen wirft Datenschutzfragen auf, doch Kritik verhallt folgenlos
Was Swisscom verspricht
Seit Anfang Juli 2026 testet Swisscom in ausgewählten Filialen in Bern (Spitalgasse), Aarau und Lausanne das System KIRA. Bewegungssensoren an der Decke erfassen, wohin Kundinnen und Kunden gehen, vor welchen Produkten sie stehenbleiben und wie lange sie warten müssen. Mikrofone zeichnen Verkaufsgespräche auf, die eine KI sofort in anonymisierten Text umwandelt. Die Original-Audiodateien werden laut Unternehmen umgehend gelöscht. Nur Schlüsselwörter und anonymisierte Transkripte bleiben kurzzeitig lokal und wandern danach in eine Schweizer Cloud. Zweck sei es, Kundenanliegen besser zu verstehen, Wartezeiten zu optimieren und erfolgreiche Beratungsgespräche zu analysieren. Michel Siegenthaler, Leiter der Swisscom-Shops, betont, Aufzeichnungen erfolgten nur mit ausdrücklicher Zustimmung. Wer ablehne, werde in einen nicht überwachten Bereich geführt. Rückschlüsse auf einzelne Personen seien ausgeschlossen. Eine Datenschutzexpertin hält das Vorgehen unter diesen Bedingungen grundsätzlich für verhältnismässig, sofern die technische Umsetzung stimmt und keine menschlichen Zugriffe möglich sind.
Was die Praxis zeigt
Genau an dieser Stelle setzt die Kritik an. Der K-Tipp hat im Oktober 2026 in der Berner Filiale an der Spitalgasse nachgeprüft, was Swisscom öffentlich verspricht. Weder an der Tür noch im Laden gab es einen erkennbaren Hinweis auf laufende Aufnahmen. Die Mitarbeitenden informierten die Redaktorin nicht über die Mikrofone. Erst auf gezielte Nachfrage wurden die Aufnahmezonen gezeigt. Sichtbar war lediglich ein kleines Schild mit QR-Code. Die Aufnahmegeräte selbst sind für Kundinnen und Kunden kaum erkennbar. Damit wird die zentrale Voraussetzung für die Rechtmässigkeit – die transparente Information und ausdrückliche Einwilligung – in der Praxis nicht eingehalten. Ohne Einwilligung sind Gesprächsaufzeichnungen in der Schweiz rechtswidrig. Was Swisscom als freiwilliges Opt-in darstellt, erweist sich in der Stichprobe als faktisch heimliche Erfassung.
Kritische Stimmen bleiben folgenlos.
Schon bei der Ankündigung des Pilotprojekts äusserten Fachleute Bedenken. AlgorithmWatch hinterfragte die Verhältnismässigkeit und die tatsächliche Löschung der Transkripte. Eine Rechtsanwältin wies darauf hin, dass die Einwilligung im Verkaufsgespräch strukturell belastet sei, weil Kundinnen und Kunden in einer Abhängigkeitsbeziehung stehen. Auch die mögliche Überwachung von Mitarbeitenden durch Analyse ihrer Verkaufsgespräche stösst auf rechtliche Vorbehalte. In Kommentarspalten und Foren äusserten Kunden Unbehagen über Stimmenaufnahmen, mögliche Missbrauchsrisiken und die Undurchsichtigkeit des Systems. Frühere Vorwürfe gegen Swisscom – etwa bei Callcenter-Mitschnitten zur Mitarbeiterkontrolle oder bei Datenlecks – zeigen ein wiederkehrendes Muster. Dennoch bleibt die Reaktion aus. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte hat sich mit dem System bisher nicht eingehend befasst. Es gibt keine Anzeichen für Untersuchungen, Verfügungen oder Bussgelder.
Was zu erwarten ist
Die Erfahrung mit vergleichbaren Fällen lässt wenig Zweifel zu. Selbst wenn die fehlende Einwilligung in der Praxis bestätigt wird, dürften die Konsequenzen ausbleiben. Im besten Fall stellt Swisscom die Aufnahmen vorübergehend ein oder verbessert die Hinweise. Eine nachhaltige Korrektur, ein Verzicht auf die Technologie oder gar Sanktionen sind nicht zu erwarten. Trotz wiederholter Kritik an Datenpraktiken des Konzerns bleiben die allermeisten Verträge bestehen. Das halbstaatliche Unternehmen kann sich auf seine Marktmacht und die geringe Wechselbereitschaft verlassen. Was als Datenschutzvorfall beginnt, endet erfahrungsgemäss als interne Anpassung ohne weitergehende Folgen. Etwas differenzieren wäre gut, bevor man in die Tasten haut!
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 336 |
| 8 | Swisscom nimmt Kundengespräche auf
Pilotprojekt mit KI-Mikrofonen in Filialen wirft Datenschutzfragen auf, doch Kritik verhallt folgenlos
Was Swisscom verspricht
Seit Anfang Juli 2026 testet Swisscom in ausgewählten Filialen in Bern (Spitalgasse), Aarau und Lausanne das System KIRA. Bewegungssensoren an der Decke erfassen, wohin Kundinnen und Kunden gehen, vor welchen Produkten sie stehenbleiben und wie lange sie warten müssen. Mikrofone zeichnen Verkaufsgespräche auf, die eine KI sofort in anonymisierten Text umwandelt. Die Original-Audiodateien werden laut Unternehmen umgehend gelöscht. Nur Schlüsselwörter und anonymisierte Transkripte bleiben kurzzeitig lokal und wandern danach in eine Schweizer Cloud. Zweck sei es, Kundenanliegen besser zu verstehen, Wartezeiten zu optimieren und erfolgreiche Beratungsgespräche zu analysieren. Michel Siegenthaler, Leiter der Swisscom-Shops, betont, Aufzeichnungen erfolgten nur mit ausdrücklicher Zustimmung. Wer ablehne, werde in einen nicht überwachten Bereich geführt. Rückschlüsse auf einzelne Personen seien ausgeschlossen. Eine Datenschutzexpertin hält das Vorgehen unter diesen Bedingungen grundsätzlich für verhältnismässig, sofern die technische Umsetzung stimmt und keine menschlichen Zugriffe möglich sind.
Was die Praxis zeigt
Genau an dieser Stelle setzt die Kritik an. Der K-Tipp hat im Oktober 2026 in der Berner Filiale an der Spitalgasse nachgeprüft, was Swisscom öffentlich verspricht. Weder an der Tür noch im Laden gab es einen erkennbaren Hinweis auf laufende Aufnahmen. Die Mitarbeitenden informierten die Redaktorin nicht über die Mikrofone. Erst auf gezielte Nachfrage wurden die Aufnahmezonen gezeigt. Sichtbar war lediglich ein kleines Schild mit QR-Code. Die Aufnahmegeräte selbst sind für Kundinnen und Kunden kaum erkennbar. Damit wird die zentrale Voraussetzung für die Rechtmässigkeit – die transparente Information und ausdrückliche Einwilligung – in der Praxis nicht eingehalten. Ohne Einwilligung sind Gesprächsaufzeichnungen in der Schweiz rechtswidrig. Was Swisscom als freiwilliges Opt-in darstellt, erweist sich in der Stichprobe als faktisch heimliche Erfassung.
Kritische Stimmen bleiben folgenlos.
Schon bei der Ankündigung des Pilotprojekts äusserten Fachleute Bedenken. AlgorithmWatch hinterfragte die Verhältnismässigkeit und die tatsächliche Löschung der Transkripte. Eine Rechtsanwältin wies darauf hin, dass die Einwilligung im Verkaufsgespräch strukturell belastet sei, weil Kundinnen und Kunden in einer Abhängigkeitsbeziehung stehen. Auch die mögliche Überwachung von Mitarbeitenden durch Analyse ihrer Verkaufsgespräche stösst auf rechtliche Vorbehalte. In Kommentarspalten und Foren äusserten Kunden Unbehagen über Stimmenaufnahmen, mögliche Missbrauchsrisiken und die Undurchsichtigkeit des Systems. Frühere Vorwürfe gegen Swisscom – etwa bei Callcenter-Mitschnitten zur Mitarbeiterkontrolle oder bei Datenlecks – zeigen ein wiederkehrendes Muster. Dennoch bleibt die Reaktion aus. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte hat sich mit dem System bisher nicht eingehend befasst. Es gibt keine Anzeichen für Untersuchungen, Verfügungen oder Bussgelder.
Was zu erwarten ist
Die Erfahrung mit vergleichbaren Fällen lässt wenig Zweifel zu. Selbst wenn die fehlende Einwilligung in der Praxis bestätigt wird, dürften die Konsequenzen ausbleiben. Im besten Fall stellt Swisscom die Aufnahmen vorübergehend ein oder verbessert die Hinweise. Eine nachhaltige Korrektur, ein Verzicht auf die Technologie oder gar Sanktionen sind nicht zu erwarten. Trotz wiederholter Kritik an Datenpraktiken des Konzerns bleiben die allermeisten Verträge bestehen. Das halbstaatliche Unternehmen kann sich auf seine Marktmacht und die geringe Wechselbereitschaft verlassen. Was als Datenschutzvorfall beginnt, endet erfahrungsgemäss als interne Anpassung ohne weitergehende Folgen. Etwas differenzieren wäre gut, bevor man in die Tasten haut!
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 1 |
| 9 | Zürichs 26-Millionen-Software als weiteres Kapitel im endlosen IT-Debakel der öffentlichen Hand
Ombudsmann zerreisst Citysoftnet – während Bund und Kantone weiter teure, nutzlose Programme produzieren und weder die Kontrolle noch das Ende der Pannen in Sicht sind
Ein Auto ohne Rückwärtsgang für die Sozialhilfe
Zürich zahlte 26,4 Millionen Franken für Citysoftnet, seit Anfang 2025 bei den Sozialen Diensten im Einsatz. Ombudsmann Pierre Heusser sprach mit über zwanzig Mitarbeitenden und stellte Mängel: fehlende Prozesse, manuelle Rechnungen sowie falsche oder doppelte Überweisungen. Heusser verglich das System mit einem Auto ohne Rückwärtsgang. Citysoftnet entstand 2014 als Gemeinschaftsprojekt von Zürich, Bern und Basel. In Bern führte die Einführung 2023 zu Chaos, Kündigungen und Burnouts. Die Stadt sprach den siebten Nachtragskredit; Zusatzkosten betragen über elf bis zwölf Millionen Franken, die Betriebskosten verdoppelten sich seit 2018 nahezu. Mitarbeitende beklagen, dass Sozialarbeit zu kurz kommt. Intern heisst es, die Software «kann keine Sozialhilfe».
Bund und Kantone ohne Griff auf die IT
Insieme, das Projekt zur Vereinheitlichung der Steuersysteme, wurde 2012 nach zwölf Jahren gestoppt: Aus rund 70 wurden 116 Millionen Franken; hinzu kamen Verstösse gegen das Beschaffungsrecht und Korruptionsvorwürfe. Bei Zemis stiegen die Kosten von 66 auf 193 Millionen, die Fertigstellung verschiebt sich von 2027 auf 2032; Einsparungen gelten als unrealistisch. Asal 2.0 kostete nach rund zehn Jahren Entwicklung etwa 200 Millionen und ging Anfang 2026 in Betrieb. Tausende warteten auf Taggelder, Zahlungen verzögerten sich, das System war langsamer und instabiler als der Vorgänger aus den 1980er-Jahren; rund 200 zusätzliche Stellen wurden nötig. Auch im Oktober 2026 bestehen Verzögerungen.
Das Parlament bewilligte 2020 240 Millionen Franken für «ERP Systeme V/ar». Ein Teil wurde 2023 wegen internationaler Cloud-Abhängigkeit abgebrochen; eine Alternative braucht weitere zehn Jahre. C2Air (290 bis 300 Millionen) verzögert sich wegen Anpassungen und Integrationsproblemen auf 2029 oder später. Nevo/Rialto im Kanton Bern scheiterte: Die Kosten stiegen von 13,5 auf rund 23 Millionen, etwa zehn Millionen flossen zurück; ein Nachfolgesystem kostet rund 17 Millionen. Ein SAP-Projekt des Kantons über 130 Millionen brachte wegen höherer Supportkosten keine Einsparungen. Die Finanzkontrolle fand fehlende Gesamtplanung, unklare Nutzenversprechen und schlechte Steuerung. Bund und Kantone haben die IT nicht im Griff: Teure, nutzlose oder halbfunktionierende Programme behindern den Betrieb; Cyberangriffe und Pannen reissen nicht ab.
Die Rechnung für die Steuerzahler
Die Projekte kosten Hunderte Millionen: Citysoftnet 26,4 Millionen in Zürich plus über elf bis zwölf Millionen in Bern; Insieme 116 Millionen; Asal 2.0 rund 200 Millionen; Zemis 193 statt 66 Millionen; Armee-Logistik 240 Millionen trotz Teilabbruchs; C2Air rund 290 Millionen und mehr; Nevo/Rialto netto rund 13 Millionen plus Nachfolgeprojekt. Hinzu kommen Personalaufwand, Verzögerungen, Effizienzverluste und Schäden für Sozialhilfebezüger und Arbeitslose, die auf Geld warten. Betriebskosten werden laut Finanzkontrolle oft unterschätzt, Nutzen selten nachgewiesen. Milliarden fliessen in Projekte mit denselben Steuerungsmängeln: Digitale Lösungen versprechen Fortschritt, liefern analoges Chaos.
Kein Ende in Sicht
Ein Ende der Softwarepannen ist nicht absehbar. Bund und Kantone wiederholen dieselben Fehler: Kompetenzmangel, überladene Projekte, Beschönigung und fehlende Verantwortung. Citysoftnet zeigt erneut, dass die öffentliche Hand ihre digitale Infrastruktur nicht kontrolliert. Finanzkontrolle und Ombudsmann bestätigen den Befund, während die nächste Millioneninvestition beschlossen wird. Steuerzahler bezahlen, Mitarbeitende tragen die Last, Betroffene warten auf Leistungen.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 380 |
| 10 | Wie Medien und Lohnschreiber uns in Kriege treiben
Ein Abend mit dem investigativen Journalisten Patrik Baab
Medienmacht und geopolitische Narrative
Patrik Baab, langjähriger Chefredakteur beim Norddeutschen Rundfunk, hat als investigativer Journalist zu Geheimdiensten, politischen Morden, dem Ukraine-Krieg, Russland und grossen geopolitischen Zusammenhängen recherchiert. In seinem Vortrag zeigt er, wie Public Relations, wirtschaftlicher Druck, Besitzverhältnisse, politische Netzwerke und journalistische Abhängigkeiten die Berichterstattung formen. Seine zentrale These: Bei geopolitischen Konflikten blenden Medien oft entscheidende Zusammenhänge aus, schenken Friedensbemühungen zu wenig Beachtung und erzeugen durch gezieltes Framing ein einseitiges Bild.
Was Sie mitnehmen
Sie erfahren, wie mediale Deutungsrahmen entstehen, warum wichtige Informationen systematisch unerwähnt bleiben und welche Strukturen hinter der Berichterstattung wirken. Und Sie erhalten Handwerkszeug, um Nachrichten künftig kritischer einzuordnen.
Veranstaltung
Mittwoch, 21. Oktober 2026
Raum 1, Zeughausareal, Berchtoldstrasse 10, Uster
Türöffnung 19:00 Uhr
Vortrag 19:30 bis ca. 21:00 Uhr
Organisation: Ludwigs’ Events
Eintritt 40 Franken (Abendkasse)
Tickets: https://eventfrog.ch/baab2026 (Vorverkauf)
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 441 |
| 11 | 🇨🇭 Präsenz für die Eidgenossenschaft zeigen 🇨🇭
Souveränität auf Abruf – die Schweiz als Vasall Brüssels
Die Schweiz gilt noch immer als souveräner Staat. In Wahrheit hängt diese Souveränität an einem dünnen Faden: Sie gilt nur, solange sich das Land nach den Gesetzen der Europäischen Union richtet. Weicht es ab, drohen nicht Verhandlungen auf Augenhöhe, sondern Druck, Isolierung und Sanktionen gegen Land und Bewohner.
Der Bundesrat biedert sich an, das Parlament dient
Dieser Zustand entsteht nicht von selbst. Der gesamte Bundesrat biedert sich der EU an. Er spricht von Partnerschaft und Stabilität, meint aber Unterordnung. Statt die Interessen der Eidgenossenschaft hart zu vertreten, sucht er das Wohlwollen Brüssels. Das Parlament folgt ihm darin. Es dient dem Bundesrat, statt ihn zu kontrollieren. So entsteht eine geschlossene Kette: Brüssel gibt die Richtung vor, der Bundesrat übernimmt sie, das Parlament legitimiert sie. Das Volk darf noch abstimmen – solange das Ergebnis passt.
Nur gehorsam bleibt die Schweiz «frei»
Solange Bern die dynamische Rechtsübernahme akzeptiert, solange es EU-Normen übernimmt, bevor das eigene Volk überhaupt abgestimmt hat, bleibt der Schein der Unabhängigkeit gewahrt. Die Botschaft aus Brüssel ist unmissverständlich: Ihr dürft eure eigene Verfassung, eure Volksrechte und eure direkten Abstimmungen behalten – aber nur, solange das Ergebnis EU-konform ausfällt. Stimmt das Volk anders, gilt das nicht als demokratische Entscheidung, sondern als Vertragsbruch. Dann folgen Gegenmassnahmen. Nicht gegen einzelne Politiker, sondern gegen die Schweiz als Ganzes und gegen ihre Bürger.
Fremde Richter statt eidgenössischer Gerichte
Noch deutlicher wird der Verlust dort, wo es um Recht und Urteil geht. Nicht mehr die eigenen Richter sprechen in letzter Instanz. Es werden fremde Richter sein, die in der Schweiz Urteile fällen. Streitigkeiten aus den bilateralen Verträgen und dem institutionellen Rahmen landen nicht vor dem Bundesgericht in Lausanne, sondern vor Instanzen, die der Logik der Union folgen. Der «fremde Richter», vor dem sich die Eidgenossen seit vielen Jahrhunderten hüten, sitzt dann nicht mehr in Wien oder Paris, sondern im institutionellen Geflecht der EU. Das ist keine theoretische Gefahr. Es ist die logische Folge eines Abkommens, das die letzte Entscheidungsgewalt aus der Schweiz herausverlagert – mit einem Bundesrat, der das hinnimmt, und einem Parlament, das ihm dabei dient.
Sanktionen statt Partnerschaft
Wer glaubt, das bleibe folgenlos, täuscht sich. Ein Land, das sich weigert, EU-Recht dynamisch zu übernehmen oder Volksentscheide nachträglich «anzupassen», wird nicht als gleichberechtigter Partner behandelt. Es wird als Störenfried behandelt. Wirtschaftlicher Druck, erschwerter Marktzugang, politische Isolierung – das sind die Instrumente. Nicht gegen eine Regierung allein, sondern gegen das ganze Land und seine Bewohner. Die Botschaft lautet: Entweder ihr stimmt so ab, wie es Brüssel erwartet, oder ihr tragt die Konsequenzen.
Die Schweiz steht damit vor einer einfachen, aber harten Wahrheit. Entweder sie behauptet ihre Souveränität auch dann, wenn das Ergebnis den Partnern in der Union nicht passt. Oder sie akzeptiert, dass sie nur noch so lange souverän heisst, wie sie gehorcht – geführt von einem Bundesrat, der sich anbiedert, und einem Parlament, das ihm dient. Dazwischen gibt es keinen ehrlichen Mittelweg.
Druck auf der Strasse ist kein Beiwerk
Gerade deshalb muss der Druck auf die Strasse. Wenn Bundesrat und Parlament bereits in dieselbe Richtung gehen, bleibt der öffentliche Raum einer der letzten Orte, an dem sichtbar wird, dass die Eidgenossenschaft nicht kampflos aufgegeben wird. Präsenz auf der Strasse zwingt das Thema aus den Amtsstuben heraus. Sie zeigt, dass Souveränität kein Aktenvermerk ist, sondern eine Haltung, die man sehen, hören und nicht einfach übergehen kann. Wer schweigt, bestätigt die Unterordnung. Wer erscheint, hält fest, dass das Volk noch da ist.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | 440 |
| 12 | Нет текста... | 1 862 |
| 13 | Die stille Rückkehr ins Licht (3/3)
Was den Weitergehenden bleibt
Wer einen oder mehrere Schritte weiter ist, trägt keine Last der Belehrung. Er trägt die Aufgabe, die eigene Harmonie zu bewahren und dem anderen mit jener Güte zu begegnen, die Pythagoras als Harmonie, Sokrates als Frage, Platon als Rückkehr und der Logos als einladendes Licht beschrieben haben. Man spricht, wenn es angebracht ist, und schweigt, wenn das Schweigen mehr Raum lässt. Man stellt Fragen, die der andere selbst beantworten kann, und verzichtet darauf, Antworten vorzugeben. Man bleibt neben ihm stehen und verzichtet darauf, ihn zu verurteilen.
Die Erkenntnis, die weiter reicht als die blosse Kenntnis des Materiellen, zeigt sich darin, dass sie den anderen nicht überwältigt, sondern ihn in seiner eigenen Zeit lässt. Wer das göttliche Licht wahrgenommen hat, muss es dem anderen nicht erklären. Es genügt, selbst so zu bleiben, dass dieses Licht in der eigenen Haltung sichtbar wird. So wird der Umgang mit Andersdenkenden zu einem Zeugnis dafür, dass das Licht nicht erobert, sondern einlädt.
Güte im Alltag
Wer der Güte lebt, setzt das Beschriebene um, indem er im Gespräch zuerst zuhört und erst dann antwortet. Er fragt nach, wenn etwas unklar bleibt, statt sofort zu widersprechen. In der Familie zeigt sich das darin, dass man den anderen nicht für seine Sichtweise tadelt, sondern ihm den Raum lässt, selbst zu merken, wo seine Worte nicht zusammenpassen. Am Arbeitsplatz oder unter Freunden bleibt man ruhig, wenn die Stimmen lauter werden, und verzichtet darauf, den anderen in die Enge zu treiben. Man spricht die eigene Überzeugung klar aus, ohne sie als Forderung an den anderen zu richten.
Diese Haltung verlangt keine grossen Gesten. Sie zeigt sich im kleinen Verzicht darauf, recht haben zu müssen, und in der Bereitschaft, den anderen dort stehen zu lassen, wo er gerade steht. Wer so begegnet, zwingt niemanden, schneller zu gehen, als er gehen kann. Er bleibt selbst im Einklang und lässt dem anderen die Freiheit, näher zu treten oder Abstand zu halten. Die Güte wirkt hier nicht als Lehre, sondern als stille Gegenwart, die den anderen nicht überfordert. Im alltäglichen Miteinander genügt es oft, eine Pause zu lassen, bevor man antwortet, oder eine Frage zu stellen, die dem anderen erlaubt, seine eigene Aussage noch einmal zu prüfen. Man muss nicht jeden Widerspruch aufgreifen. Manchmal reicht es, bei dem zu bleiben, was man selbst erkannt hat, ohne daraus eine Anweisung abzuleiten.
Das stille Vorbild
Wer auf dem Weg zum Licht ist, wird anderen zum Vorbild, nicht weil er sie belehrt, sondern weil seine Art des Umgangs eine Frage weckt. Seine Zurückhaltung, seine Geduld und sein Verzicht auf Überlegenheit lassen den anderen spüren, dass Harmonie möglich ist, ohne dass man sie erzwingen müsste. Im Alltag zeigt sich das dort, wo jemand neben dem anderen bleibt, auch wenn dieser noch fest in seiner eigenen Sicht steht. Er urteilt nicht, er gibt nicht auf, und er erklärt nicht, was der andere noch nicht sehen kann.
Diese Haltung regt an, ohne zu fordern. Sie zeigt dem Gegenüber, dass man selbst einmal in derselben Lage war und dennoch weitergehen konnte. Der, der weiter sieht, muss nicht davon sprechen, was er erkannt hat. Es genügt, dass er so bleibt, dass das Licht in seiner Art des Sprechens und Schweigens sichtbar wird. So lädt er ein, ihm gleichzutun, nicht durch Worte, sondern durch das, was er lebt. Die Einladung bleibt offen, und der andere darf in seiner eigenen Zeit entscheiden, ob er einen Schritt näher tritt. Wer so lebt, macht deutlich, dass der Weg nicht in der Überwindung des anderen besteht, sondern in der eigenen Treue zu dem, was man gesehen hat. Die Güte, die daraus folgt, wirkt still und bleibt dennoch spürbar und einladend für den anderen, der selbst frei entscheiden darf, ob er folgt oder nicht.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 228 |
| 14 | Die stille Rückkehr ins Licht (2/3)
Rückkehr und Mitleid
Platon lässt denjenigen, der das Licht gesehen hat, in die Höhle zurückkehren. Die Rückkehr ist beschwerlich. Die Augen, die sich an das Licht gewöhnt haben, sehen in der Dunkelheit zunächst schlecht. Die anderen halten den Zurückkehrenden für verwirrt oder gefährlich. Platon beschreibt kein triumphales Aufklären, sondern ein Mit-Leiden mit denen, die noch gefesselt sind. Der Philosoph empfindet Mitleid, weil er weiss, wie die Schatten aussehen, wenn man nichts anderes kennt. Er kehrt nicht zurück, um zu siegen, sondern weil er die anderen nicht einfach in ihrer Lage lassen kann. Die Rückkehr verlangt, dass man die eigene Klarheit nicht verliert und zugleich den anderen nicht überfordert.
Diese Haltung übersetzt sich, wenn jemand, der weiter sieht, nicht mit Überlegenheit auftritt, sondern neben den anderen bleibt. Er spricht von dem, was er gesehen hat, ohne zu erwarten, dass die anderen sofort folgen. Er rechnet damit, dass sie ihn nicht verstehen oder sogar ablehnen. Die Verpflichtung liegt nicht darin, die anderen zu befreien, sondern darin, selbst so zu bleiben, dass das Licht nicht wieder verdunkelt wird. Man verzichtet darauf, den anderen für seine Blindheit zu tadeln, weil man selbst einmal in derselben Lage war.
Das einladende Licht des Logos
Im Johannesevangelium heisst es, das Wort, der Logos, sei Licht gewesen und habe in die Finsternis hineingeschienen, ohne von ihr überwunden zu werden. Jesus spricht davon, die Feinde zu lieben und für die zu beten, die einen verfolgen. Diese Worte beschreiben keine Leistung, die man erbringen müsste, sondern eine Bewegung, die aus dem Licht selbst kommt. Wer etwas von diesem Licht wahrgenommen hat, muss den anderen nicht überzeugen. Er kann neben ihm stehen und den Raum lassen, dass der andere noch nicht sehen kann, was sichtbar geworden ist.
Das Licht blendet nicht, wenn man es nicht aufzwingt. Es lässt den anderen frei, näher zu treten oder Abstand zu halten. In der Gegenwart zeigt sich diese Haltung dort, wo jemand die eigene Überzeugung ruhig ausspricht und zugleich darauf verzichtet, den anderen in die Enge zu treiben. Die Liebe zeigt sich nicht in grossen Gesten, sondern darin, den anderen nicht für das zu verurteilen, was er noch nicht erkennen kann. Sie lässt ihn in seiner eigenen Zeit und zwingt ihn nicht, schneller zu gehen, als er gehen kann.
Die Geduld der Wiederherstellung
Origenes dachte die göttliche Liebe als eine Kraft, die auch die fernsten Seelen nicht aufgibt. Seine Lehre von der Wiederherstellung aller geht davon aus, dass Gottes Güte jede Freiheit respektiert und dennoch nicht aufhört, einzuladen. Die Reinigung geschieht nicht durch Zwang, sondern durch eine Erziehung, die sich über lange Zeiten erstrecken kann. Selbst wo jemand Kräften folgt, die ihn von der Klarheit entfernen, bleibt die Möglichkeit offen, dass der Blick sich wendet. Origenes beschreibt keine schnelle Lösung, sondern eine Geduld, die aus der Gewissheit kommt, dass die Liebe grösser ist als jede vorübergehende Verschlossenheit.
Wer diese Perspektive aufnimmt, betrachtet den anderen nicht als endgültig verschlossen, sondern als jemanden, dessen Blick sich noch wenden kann. Die Verpflichtung derer, die weiter sehen, liegt nicht darin, den Weg für den anderen zu gehen, sondern darin, selbst so zu bleiben, dass das Licht sichtbar bleibt. Man urteilt nicht über den Stand des anderen, weil man selbst weiss, wie langsam und mühsam der eigene Weg war. Die Geduld zeigt sich darin, dass man den anderen nicht aufgibt und darauf verzichtet, ihn zu belehren.
Wie sich diese Haltung im gegenwärtigen Leben konkret zeigt und warum sie anderen zum Vorbild werden kann, folgt im letzten Teil.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 226 |
| 15 | Die stille Rückkehr ins Licht (1/3)
Wie die Lehren von Pythagoras, Sokrates, Platon und dem Logos den Umgang mit jenen weisen, die noch in ihrer eigenen Welt verweilen
Die Höhle der eigenen Welt
Viele Menschen bewegen sich in einer Umgebung, die ihnen geschlossen erscheint. Was sie täglich sehen und für selbstverständlich halten, bildet für sie den gesamten Horizont. Alles, was ausserhalb liegt, wirkt bedrohlich oder nicht vorhanden. Platon hat diese Lage im Höhlengleichnis festgehalten: Menschen sitzen gefesselt und betrachten Schatten an einer Wand, die sie für die Wirklichkeit halten. Wer sich umgewendet und das Licht gesehen hat, kehrt zurück und findet die anderen vor, die an ihren Schatten festhalten. Sie lachen über ihn oder werden feindselig, wenn er von etwas anderem spricht.
In unserer Zeit begegnen wir ähnlichen Bildern. Menschen folgen einer Obrigkeit, einer Ideologie oder einer inneren Überzeugung, die ihnen die Welt erklärt und sie von allem anderen abschneidet. Die Schatten können politisch, religiös oder persönlich gefärbt sein. Manche folgen dabei Kräften, die sie nicht als solche erkennen, und halten das, was sie umgibt, für das einzig Wahre. Entscheidend ist nicht die Farbe der Schatten, sondern dass der Blick noch nicht weiter reicht und das Licht ausserhalb der eigenen Höhle noch nicht wahrgenommen werden kann. Wer selbst weiter gesehen hat, erkennt darin keine Bosheit, sondern eine Begrenzung, die dem anderen noch nicht aufgefallen ist.
Harmonie statt Zwang
Pythagoras sprach von einer Ordnung, die durch alles hindurchgeht und sich in der Seele als innere Harmonie zeigen kann. Tugend sei Harmonie, und Freundschaft eine harmonische Gleichheit. Die Goldenen Verse empfehlen, den Freund nicht wegen einer geringen Verfehlung zu hassen und den milden Ermahnungen dessen Gehör zu schenken, der sich durch Tugend auszeichnet. Wer diese Ordnung erkannt hat, versucht nicht, andere zu zwingen. Er bleibt selbst im Einklang und begegnet dem anderen mit Zurückhaltung.
Die pythagoreische Sicht unterscheidet sich von einer rein technischen Betrachtung. Aristoteles hat vor allem das beobachtet, was sich messen und in Kategorien fassen lässt. Er verfolgte die Kenntnis des Materiellen. Die Linie von Pythagoras führt weiter: Sie sucht eine Erkenntnis, die die Seele in Einklang mit einer grösseren Ordnung bringt. Wer diese Harmonie spürt, muss sie dem anderen nicht erklären. Sie zeigt sich darin, wie man spricht und schweigt, und darin, den anderen nicht für das zu verurteilen, was er noch nicht sehen kann.
Fragen, die gebären
Sokrates verglich seine Art des Gesprächs mit der Kunst der Hebamme. Er behauptete nicht, Wissen zu besitzen, das er weitergeben könne. Er stellte Fragen, bis der andere selbst erkannte, was er zuvor nur geglaubt hatte. Diese Haltung vermeidet die Belehrung, die den anderen in die Abwehr treibt. Wer fragt, setzt voraus, dass im Gegenüber bereits etwas liegt, das ans Licht kommen kann. Im Umgang mit Menschen, die fest in ihrer Sichtweise stehen, öffnet das Fragen einen Raum, in dem Widersprüche ohne Vorwurf sichtbar werden können.
Es ist keine Forderung, sondern eine Einladung, selbst genauer hinzusehen. Die Methode verlangt Geduld und die Bereitschaft, nicht zu wissen, was der andere als Nächstes erkennen wird. Wer so vorgeht, überlässt dem anderen die Arbeit der Erkenntnis und hilft lediglich, dass sie zur Welt kommen kann. Das verlangt Zurückhaltung.
Was diese Haltungen in der Gegenwart bedeuten und wie sie sich im Alltag zeigen, wird im folgenden Teil deutlich.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 284 |
| 16 | Der Hype
Während der Pandemie wurden wir mit Informationen, Einschätzungen und Massnahmen konfrontiert, die sich teilweise widersprachen. Selbst innerhalb der Wissenschaft herrschte nicht immer Einigkeit. Für viele Menschen blieben Fragen zurück, die bis heute nachwirken.Inzwischen sind einige Jahre vergangen.
Diese zeitliche Distanz ermöglicht einen ruhigeren Blick auf die damaligen Ereignisse – jenseits von Angst, Zeitdruck und aufgeheizten Debatten. In seinem Dokumentarfilm «Der Hype» geht Filmemacher Mike Wyniger den entscheidenden Fragen nach:
- Welche Lehren können wir aus der Vergangenheit und insbesondere aus dem Jahr 2020 ziehen?
- Was wissen wir heute, das wir damals noch nicht wussten?
- Und wie können wir verhindern, dass zukünftige Entscheidungen erneut im Blindflug getroffen werden?
Der Film lädt nicht dazu ein, alte Gräben zu vertiefen. Er schafft Raum, genauer hinzuschauen, Zusammenhänge besser zu verstehen und gemeinsam weiterzudenken. Wir laden dich herzlich zu diesem besonderen Filmabend ein.
Datum: Fr. 6. November 2026
Türöffnung: 19:00 Uhr
Filmbeginn: 19:30 Uhr
Ort: Restaurant Turandot, Uster
Eintritt: Eintritt 25 Franken
Bring deine Neugier, deine Fragen und die Bereitschaft mit, auch schwierige Themen respektvoll und offen zu betrachten. Ich freue mich auf einen erkenntnisreichen Abend und die Begegnungen danach.
Myke Wyniger wird anwesend sein.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 501 |
| 17 | Gegen Zensur: Ivo Sasek gründet die Freie Presse Agentur
Kla.TV-Gründer stellt kostenlose Rechercheplattform für unabhängige Aufklärer vor
Die Ankündigung
Am 10. Oktober 2026 hat Ivo Sasek im Rahmen einer Nationenrede auf Kla.TV die Gründung der Freien Presse Agentur (FPA) ausgerufen. Die Rede trug den Titel «Zensur als Massenvernichtungswaffe» und nahm ihren Ausgang bei einer Aussage des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu, der nach einer Ansprache vor der UN-Generalversammlung gegenüber proisraelischen Social-Media-Influencern erklärt hatte, die Kriegsführung verändere sich und die wichtigsten Waffen lägen heute in den sozialen Medien, allen voran TikTok. Sasek knüpfte daran die These an, dass Kriege ohne die Zustimmung der Bevölkerung nicht geführt werden könnten und mediale Einflussnahme daher seit jeher Voraussetzung militärischer Vorhaben sei. Zensur bezeichnete er in diesem Zusammenhang als ultimatives Macht- und Kriegsmittel. Kla.TV versteht sich demgegenüber seit Jahren als Gegenpol, der an der «ersten Vorfront jedes Krieges» aufklärt und dabei nicht als Produzent von Verschwörungstheorien, sondern als Aufdecker von Verschwörungstatsachen agiere.
Der Forschungsaufwand hinter der Gründung
Den unmittelbaren Anlass für die Gründung der FPA bildete ein umfangreiches Rechercheprojekt, an dem sich im Juli und August 2026 556 Personen beteiligten. In rund sechs Wochen entstanden 1975 Rechercheartikel, deren rund 5400 Quellen auf Seriosität geprüft wurden. Nach den Angaben von Sasek wurden dabei über 10 400 Arbeitsstunden geleistet; eine einzelne Vollzeitkraft hätte für denselben Aufwand mehrere Jahre benötigt. Auf dieser Grundlage und mit der Freigabe des Materials rief er die FPA als erste freie Presseagentur aus, die allen unabhängigen Aufklärern unentgeltlich zur Verfügung stehen soll. Unter www.fpa.one lassen sich Stichworte anklicken, woraufhin jeweils ausführliche Artikel mit Detailbeschreibungen und Quellenangaben erscheinen. Die Plattform soll laufend mit neuem Material ergänzt werden.
Ziel und Angebot
Sasek betonte, die FPA solle zu einer unerschöpflichen Fundgrube befreienden Wissens werden und ausdrücklich der Erstellung eigener aktueller Artikel oder Sendungen durch freie Medienakteure dienen. Er verwies dabei auf die bisherige Arbeit des eigenen Umfelds: Mit Kla.TV, der AZK und Stimme & Gegenstimme seien seit Bestehen bereits über 37 500 Sendungen in dutzenden Sprachen entstanden. Auch andere alternative Sender wie AUF1 und NuoViso hätten in den vergangenen Jahren umfangreiches Material veröffentlicht. Die Rede selbst gliederte sich in zwölf Rubriken – darunter Medien, Gesundheit, Politik, Bildung, Wirtschaft, Technik und Wissenschaft – und präsentierte eine Vielzahl von Themen, die Sasek als bewiesene Verschwörungstatsachen bezeichnete und deren Zensur durch offizielle Instanzen er kritisierte. Alle genannten Recherchen samt Quellen sind auf der FPA hinterlegt und sollen dort druck- und verbreitungsfertig nutzbar sein. Ergänzend verwies er auf die Enzyklopädie Vetopedia.
Einordnung
Die Gründung der FPA wurde bislang vor allem über die eigenen Kanäle von Kla.TV bekanntgemacht, darunter die Website, den X-Account und den Telegram-Kanal. Eine breitere Berichterstattung in etablierten Medien ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht ersichtlich. Die Plattform versteht sich explizit als Gegenentwurf zu einer von Sasek so genannten «Zensurmafia», die nach seiner Darstellung Kriege erst ermögliche, indem sie aufgeklärte Fakten vorenthalte. Ob und in welchem Umfang die angebotenen Rechercheergebnisse unabhängig geprüft und genutzt werden, bleibt abzuwarten. Für Interessierte steht das Material unter www.fpa.one bereit.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 731 |
| 18 | Digitalisierung nach Lehrbuch: erst die Pflicht, dann das Leck
Ricardo verliert 890'000 Adressen, der Bund verliert seine Systeme, und alle tun so, als sei das der Preis des Fortschritts
Der Marktplatz mit offener Schublade
Am 7. Oktober bemerkte Ricardo verdächtige Bewegungen auf den eigenen Servern. Am Freitag rückte die Muttergesellschaft SMG Swiss Marketplace Group mit dem Befund heraus: Unbefugte hatten Zugriff auf persönliche Daten von rund 890'000 Nutzerkonten. Abgeflossen sind Namen, Postadressen und Telefonnummern, bei Geschäftskonten zusätzlich die Firmennamen. E-Mail-Adressen und Passwörter seien verschont geblieben, heisst es. Die Lücke sei geschlossen, die Betroffenen würden direkt angeschrieben, der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte sei informiert, Strafanzeige und Meldung ans Bundesamt für Cybersicherheit folgten. Wer die Daten hat und was damit geschieht, bleibt offen. Für Betrüger reicht das Paket allemal. Eine Adresse und eine Telefonnummer sind keine Bagatelle, sobald jemand weiss, dass der Empfänger auf Ricardo kauft und verkauft.
Eine Serie, keine Panne
Wer darin einen Einzelfall sieht, hat die letzten Jahre nicht gelesen. StandPunkt hat die Kette festgehalten, lange bevor Ricardo in die Schlagzeilen geriet. Im Januar 2025 legte ein DDoS-Angriff Webseiten und Telefonie des Bundes für rund 45 Minuten lahm; das Bundesamt für Informatik sprach von stabilisierter Lage, Daten seien nicht abgeflossen. Im November 2023 tauchten nach dem Hack des Zulieferers Concevis Fragmente aus dem Umfeld der Eidgenössischen Steuerverwaltung im Darknet auf, darunter mutmasslich operative Daten von Stellen, für die die Basler Firma gearbeitet hatte. Im Januar 2026 fiel beim Seco die Plattform der Arbeitslosenversicherung aus. Die Umstellung auf Asal 2.0, als Meilenstein angekündigt, verzögerte Taggelder. Das Vorgängerprojekt war schon einmal gescheitert. Erst hiess es, es handle sich um eine kleine Störung, dann um ein grösseres Problem, an dem man mit Hochdruck arbeite. Die Kassen vertrösten, die Versicherten warten.
Dazu kamen der Abfluss von über 200'000 Samsung-Kundendaten über einen Dienstleister und das Leck bei der elektronischen Patientenakte, bei dem Ausweis- und Geburtsdaten von Ärzten mit wenig Aufwand auffindbar waren. Allein in diesen Tagen reiht sich der nächste Fall an den nächsten. Ende September wurde die Softwarefirma der Pensionskasse Publica angegriffen; das Ausmass ist unklar, die Bundesanwaltschaft ermittelt, sensible Personendaten könnten betroffen sein. Eine Waadtländer Sicherheitsfirma verlor nach einem Ransomware-Angriff Pläne von Gefängnissen, Polizeistandorten und Banken, samt Hinweisen auf Kameras und teils Zugangsdaten, die inzwischen im Darknet kursieren. Wer das noch als Pechsträhne verkauft, betreibt Beschönigung. Die Häufung legt nahe, dass ein System an seine Grenzen stösst, das immer mehr Leben auf Server verlegt und die Ausfälle anschliessend als Betriebsunfall abrechnet.
Die Warner waren früher da
StandPunkt hat diese Risiken nicht erst seit Freitag benannt. Beim Seco-Ausfall stand dort bereits, die Digitalisierung werde als Heilsversprechen verkauft und ende regelmässig im Chaos, von der e-ID über die Swiyu-Brieftasche bis zum e-Voting. Datenschützer und Verbraucherschützer warnten in derselben Debatte vor Überidentifizierung, Datendiebstahl und einer Verwaltung, die den gläsernen Bürger anstrebt, ohne die Systeme im Griff zu haben. Die Praxis gibt ihnen recht. Jede neue Pflichtanwendung vergrössert die Fläche, die Angreifer und eigene Fehlkonstruktionen treffen können. Namen, Adressen und Telefonnummern reichen für Betrug, Phishing und Einschüchterung. Der Reflex bleibt derselbe: Lücke zu, Behörden informiert, weitermachen. Wer weiter digitalisiert, ohne die bisherigen Lecks ernst zu nehmen, handelt nicht fortschrittlich. Er handelt fahrlässig und nennt es Modernisierung.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 636 |
| 19 | Die Mächtigen an die Front – und zwar bei jedem ihrer Kriege
Nena Brockhaus stellt Vitali Klitschko zur Rede. Die Forderung gilt nicht nur für Kiew: Wer den Krieg will, soll als Erster gehen
Die Ansage aus der Talkshow
In der Welt-Sendung «Meinungsfreiheit» hat Moderatorin Nena Brockhaus den Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko zurechtgewiesen. Sein Bruder Wladimir hatte in ihrem früheren Polit-Talk noch vor dem russischen Angriff versichert, er sei Reservist der territorialen Verteidigung und werde bei einem Angriff an die Front eingezogen. Brockhaus stellte fest, sie habe ihn dort bislang nicht als Soldaten gesehen. Der Bürgermeister selbst erklärte in Interviews, warum seine Söhne nicht in der Ukraine kämpfen, während andere Männer gegen ihren Willen eingezogen werden. Auf die Rückkehr der Söhne angesprochen, wich er aus und verwies darauf, dass er selbst zurückgekommen sei. Brockhaus brachte es auf den Punkt: Die Menschen, über die geredet werde, stünden an der Front. Die anderen redeten darüber, seien aber selbst nicht dort. Wenn der Westen alles für die Ukraine gäbe, müssten vor Ort auch die Mächtigen an die Front.
Nicht nur Kiew, sondern auch jeder andere Krieg
Diese Forderung gilt nicht für die Ukraine allein. Sie gilt für jeden Krieg. Wer ihn anzettelt, wer ihn verlängert, wer ihn von sicherem Schreibtisch aus als historisch notwendig verkauft, soll als Erster an dessen Front stehen – und mit ihm die eigenen Söhne und Töchter. Nicht als Symbol, sondern als Soldat. Die Familien der Kriegstreiber sollten mit gutem Beispiel vorangehen, anstatt andere in den Tod zu schicken und selbst das schlechte Beispiel zu geben. Müssten die politisch Verantwortlichen als Erste an die Front ihres eigenen Krieges, wäre der erste Weltfrieden längst ausgebrochen. Kein Kabinett hält einen Feldzug durch, dessen Preis die eigenen Kinder zahlen.
Die Strasse statt der Regierungsbank
Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die regierungsnahe Einheit ТЦК та СП, das Territoriale Zentrum für Rekrutierung und soziale Unterstützung, geht durch die ukrainischen Städte und holt Männer von der Strasse. Die Praxis hat einen Namen: «Busification». Männer werden angehalten, in Fahrzeuge verfrachtet und in Rekrutierungszentren gebracht, oft ohne dass die gesetzlich vorgesehene Prüfung stattfindet. Der ukrainische Ombudsmann Dmytro Lubinets sprach von systematischen und massiven Verstössen. Sein Amt zählte bis Ende 2025 über 6'000 Beschwerden, nach nur 18 im ersten Kriegsjahr 2022; 2026 kamen weitere Tausende hinzu. Kontrollbesuche dokumentierten Freiheitsentzug, Schläge und Zwang, auch gegen Männer mit gültiger Freistellung. France 24 und Al Jazeera haben die Gewalt bei diesen Festnahmen beschrieben. In Lwiw eskalierte ein Zugriff zu einem Aufruhr. Umfragen in der Ukraine wiesen die Methode mehrheitlich zurück.
Stimmen gegen die Jagd
Scharfe Verurteilung kommt nicht nur von aussen. Julija Mendel, frühere Sprecherin von Wolodymyr Selenskyj, sprach in der Weltwoche von einer Menschenjagd: Männer würden auf den Strassen gejagt, Behinderte, Ältere, selbst Minderjährige und Blinde an die Front gebracht. Betroffene stünden vor der Wahl, zu kämpfen oder Bestechungsgeld zu zahlen. Sie nannte Folter in den Einberufungsbüros und Männer, die über Berge und Flüsse fliehen und dabei sterben. Klitschko selbst zitierte den Satz der Kritiker, ohne ihn zu entkräften: Wer den Krieg stoppen wolle, solle die Kinder der Entscheidungsträger an die Front schicken. Der Menschenrechtskommissar des Europarats hatte schon 2025 vor Schlägen, harter Haft und der Einziehung von Behinderten gewarnt. Der Unmut richtet sich nicht gegen den Soldaten an der Linie, sondern gegen jene, die den Krieg führen, ohne ihn selbst zu tragen.
Die gesamte EU, und die Schweiz ist davon nicht ausgenommen, stützt und fördert dieses Treiben, die Misshandlungen und Folterungen, mit grosszügigen Finanzspenden; ich fordere die Schweizer Regierung persönlich auf, diese schändliche Unterstützung sofort zu stoppen und zur Neutralität zurückzukehren.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu se | 462 |
| 20 | Lauterbach und die Lungenpest: Das Corona-Drehbuch läuft wieder
Der Tod einer Laborantin in Sibirien ist ungeklärt. Wer Corona miterlebt hat, erkennt das Muster.
Die bekannte Stimme
Karl Lauterbach hat sich gemeldet, kaum dass die Meldungen aus Irkutsk die Runde machten. Für Europa sieht er kein erhöhtes Risiko, verlangt aber von Russland die Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation. Transparenz und schnelles Handeln seien das Wichtigste gegen Epidemien. Wenn man eines aus der Corona-Zeit gelernt habe, dann sei es genau das, sagte er der Rheinischen Post. Wadephul und WHO-Chef Tedros fordern ebenfalls Aufklärung. Die Schlagzeilen laufen bereits unter Lungenpest und Laborunfall. Die Diagnose steht nicht fest, die Propagandarichtung schon.
Was feststeht und was nicht
Fest steht, dass die 28-jährige Darja Schipilowa vom Pestforschungsinstitut in Irkutsk am 2. Oktober 2026 an einer schweren Lungenentzündung gestorben ist. Die russischen Behörden nennen eine Lungenentzündung unbekannter Herkunft, bestreiten Laborunfall und Pestinfektion und erklären, in fast fünftausend Tests bei den Kontaktpersonen sei kein gefährlicher Erreger gefunden worden. Die Beobachtung der rund zweihundert Kontakte sei abgeschlossen, ein zweiter Fall werde dementiert, der Kreml spreche beim Gro der Berichte von Falschinformationen. Nicht fest steht, woraus die Aufregung lebt: ein zerbrochenes Reagenzglas, eine bestätigte Infektion mit Yersinia pestis, eine Übertragung von Mensch zu Mensch. Mimikama nennt die Behauptung einer bestätigten Lungenpest irreführend.
Übung, Buch und die fertige Spritze
Nicht nur China und Russland übten Ende August 2026 an ihrer Grenze ein Szenario mit importierter Pest. Der Westen war früher dran. Am 14. Februar 2019, am Vorabend der Münchner Sicherheitskonferenz, lief das Planspiel «A Spreading Plague»: die Freisetzung einer gentechnisch veränderten Lungenpest. Dabei waren unter anderen die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die WHO, das Weltwirtschaftsforum und das deutsche Bundesgesundheitsministerium. Die Übereinstimmung mit den Corona-Planspielen ist frappant: Dieselben Kreise, dasselbe Muster, die Übung kurz vor dem Ernstfall, die Lösung schon im Schrank. Im Oktober 2019, wenige Wochen vor den ersten Corona-Meldungen, hatte Event 201 mit Gates-Stiftung, Weltwirtschaftsforum und Johns Hopkins genau diesen Ablauf schon einmal durchgespielt. Im Sommer 2026 erschien dann Annie Jacobsens Buch «Biological War», ein fiktiver Ablauf, in dem aus einem sibirischen Hochsicherheitslabor Lungenpest entweicht. Jacobsen, die für frühere Bücher mit Quellen aus dem amerikanischen Verteidigungsapparat gesprochen hat, zog nach dem Todesfall selbst die Parallele. Dazu kommt eine israelische mRNA-Studie vom April 2025: In Mäuseversuchen schützte ein experimenteller Impfstoff in den getesteten Gruppen bis zu hundert Prozent. Für den Menschen ist er nicht zugelassen und nicht verfügbar. Aus dem Tierversuch wird in der Erzählung trotzdem rasch die fertige Spritze. So lief es auch 2020.
Wer nüchtern bleibt
Roman Wölfel vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr hält eine grössere Ausbreitung für unwahrscheinlich. Die Virologin Angela Rasmussen hält eine Pestpandemie für äusserst unwahrscheinlich. Lungenpest ist bakteriell und mit Antibiotika behandelbar, wenn sie früh erkannt wird. Diese Stimmen bleiben leiser als die Alarmzeile.
Wozu die Unruhe dient
Eine bestätigte Seuche gibt es nicht, eine Gefahr für Europa auch nicht. Was es gibt, ist das vertraute Verfahren: ein ungeklärter Todesfall, ein historisch aufgeladener Name, offene Fragen und die alten Gesichter, die Transparenz fordern und die Angst am Köcheln halten. Eine latente Panik braucht keine Epidemie. Sie braucht Unklarheit und das Gefühl, dass gleich wieder jemand bestimmen muss. Menschen in diesem Zustand bleiben lenkbar. Genau das hat Corona gezeigt, und genau das wiederholt sich hier, noch bevor irgendwer sagen kann, woran die Frau in Schelechow gestorben ist.
—
Folge StandPunkt, um hinter die Kulissen zu sehen:
| Telegram | 𝕏 | FB | | 444 |
