Rainer Taufertshöfer (öffentlich)
Rainer Taufertshöfer Heilpraktiker · freier Medizinjournalist · Forscher · Entwickler · Fachbuchautor Impressum & Anbieterkennzeichnung: www.forschungsseminare.de/impressum Datenschutz: www.forschungsseminare.de/datenschutz
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“Rainer Taufertshöfer
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| 02 أغسطس | +7 | |||
| 01 أغسطس | +6 |
| 2 | 𝗗𝗔𝗦 𝗞𝗔𝗥𝗧𝗘𝗟𝗟 · 𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟯 𝘃𝗼𝗻 𝟰
Teil 2 endete bei einem Mann, der gedient hat und seine Deutschlandfahne einrollen sollte.
Und damit mir keiner kommt: Ein Verbot gibt es nicht. Wer Verbot sagt, wird in zehn Minuten zerlegt und reißt alles andere mit runter.
Aber ein Land, in dem das Zeigen der eigenen Flagge regelmäßig eine amtliche Reaktion auslöst, hat kein Fahnenproblem. Es hat ein kaputtes Verhältnis zu sich selbst. Und aus diesem Zustand heraus sollen jetzt Achtzehnjährige in Uniform steigen und im Zweifel sterben.
Sagen Sie mir bitte einer, wofür.
𝗗𝗶𝗲 𝗙𝗿𝗮𝗴𝗲, 𝗱𝗶𝗲 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲𝗿 𝘀𝘁𝗲𝗹𝗹𝘁.
Sie wählen. Sie wählen wieder. Sie wählen anders. Und heraus kommt dasselbe in einer anderen Farbe.
Euro-Rettung, Grenzöffnung, Atomausstieg, Aufrüstung. Vier Weichenstellungen, die dieses Land umgebaut haben. Bei keiner einzigen gab es je die Möglichkeit, sie durch Abstimmung zu korrigieren. Ein bundesweites Referendum kennt das Grundgesetz nur für die Neugliederung des Bundesgebiets. Die Wahl entscheidet über Personal. Über die Richtung entscheidet sie nicht.
Und die Parteien, die diese Richtung tragen, sind längst keine Konkurrenten mehr im eigentlichen Sinn. Sie sind mit dem Staat verwachsen, den sie verwalten sollen. Die Politikwissenschaft nennt das seit 1995 die Kartellpartei. Das Wort stammt nicht von Wutbürgern, sondern aus dem Zentrum der Parteienforschung. Wettbewerb nach außen, Absprache nach innen.
Sehen Sie sich an, worauf dieses Kartell zugreift.
Auf den Rundfunk. In den Aufsichtsgremien von ARD und ZDF sitzen Parteivertreter und parteinahe Verbandsleute. Das Bundesverfassungsgericht hat 2014 den ZDF-Staatsvertrag für verfassungswidrig erklärt, weil der staatlich-staatsnahe Einfluss zu groß war, und eine Obergrenze von einem Drittel verordnet. Ein Drittel. Als Zugeständnis. Von Karlsruhe.
Auf die Behördenspitzen. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz ist politischer Beamter, jederzeit versetzbar, dem Innenministerium unterstellt.
Und auf die Richterbank. Verfassungsrichter werden von Bundestag und Bundesrat mit Zweidrittelmehrheit gewählt, jahrzehntelang nach informeller Absprache der großen Parteien, bis 2015 im Bundestag sogar hinter verschlossenen Türen durch einen Zwölferausschuss. Im Sommer 2025 ist dieses Verfahren öffentlich zerbrochen, als eine Nominierung im Plenum scheiterte. Da konnte jeder sehen, was dort verhandelt wird.
𝗗𝗮𝗻𝗻 𝗲𝗻𝘁𝘀𝗰𝗵𝗲𝗶𝗱𝗲𝘁 𝗲𝗶𝗻 𝗚𝗲𝗿𝗶𝗰𝗵𝘁.
Am 2. Mai 2025 stuft das Bundesamt für Verfassungsschutz die stärkste Oppositionspartei öffentlich als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein. Grundlage: ein Gutachten von 1.108 Seiten, ausschließlich aus öffentlich zugänglichen Quellen.
Am 26. Februar 2026 untersagt das Verwaltungsgericht Köln genau diese Einstufung vorläufig und verpflichtet die Behörde, die Pressemitteilung zu löschen. Nicht jede verfassungswidrige Forderung, so das Gericht, begründe schon eine verfassungsfeindliche Grundtendenz. Zwanzig Bände Akte. Anderthalb Terabyte. Aktenzeichen 13 L 1109/25.
Neun Monate lang stand ein Etikett im Raum, das in erster Runde nicht hielt. Neun Monate Aufmacher, Ausschlussdebatten, Kontosperrungen, Berufsverbotsfantasien.
Ich sage nicht, dass jemand das befohlen hat. Ich sage etwas Schlimmeres: Es brauchte niemanden, der es befiehlt.
Und jetzt der Punkt, der Ihnen nicht gefallen wird und der trotzdem der Kern ist. Dass es dieses Urteil gibt, ist kein Verdienst des Verfahrens. Es ist das Verdienst einzelner Menschen mit Berufsethos, die von genau den Parteien auf ihre Stühle gesetzt wurden, gegen die sie entschieden haben.
Ein System, das darauf angewiesen ist, dass Charakter das Verfahren korrigiert, ist nicht gesichert. Es hat bisher Glück gehabt.
Und wer Glück für einen Sicherheitsmechanismus hält, hat noch nie erlebt, dass es ausgeht.
Und das Erschreckendste an dieser Geschichte ist nicht die Behörde. Es sind die Millionen, die zusehen. Darum geht es im letzten Teil.
𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟰 𝗳𝗼𝗹𝗴𝘁. | 988 |
| 3 | 𝗗𝗔𝗦 𝗞𝗔𝗥𝗧𝗘𝗟𝗟 · 𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟮 𝘃𝗼𝗻 𝟰
In Teil 1 ging es um gesprengte Kraftwerke und um eine Behörde, die zwei Jahre lang verschwieg, dass sie Fabriken abschalten kann. Jetzt zu der Frage, wer das ausbaden soll.
𝗝𝗲𝘁𝘇𝘁 𝗸𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻 𝘀𝗶𝗲 𝗮𝗻 𝗱𝗶𝗲 𝗞𝗶𝗻𝗱𝗲𝗿.
Am 5. Dezember 2025 hat der Bundestag das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz beschlossen. 323 zu 272. Seit Anfang 2026 bekommt jeder Achtzehnjährige Post. Für Männer ist die Antwort Pflicht. Die Musterung ist Pflicht, Jahrgang 2008 zuerst, flächendeckend ab dem 1. Juli 2027. Auch wer verweigern will, muss antreten. Und wenn die Zahlen nicht kommen, steht die Bedarfswehrpflicht schon im Gesetz.
Freiwillig nennen sie das. Freiwillig mit Meldepflicht, Untersuchungspflicht und eingebauter Rückfallklausel. Freiwillig wie eine Steuererklärung.
Und dann, am 20. Juli 2026, im Bendlerblock. Zweiundachtzigster Jahrestag des Attentats auf Hitler. Rekruten legen ihr Gelöbnis ab, auf demselben Hof, auf dem 1944 vier deutsche Offiziere erschossen wurden. Es sprechen der Verteidigungsminister und der Schriftsteller Navid Kermani.
Und was sagt der geladene Redner den Achtzehnjährigen?
Er sagt ihnen, dieser Tag stehe nicht für Gehorsam, sondern dafür, dass man Widerstand leisten muss, wenn Diensterfüllung ein Verbrechen ist. Er sagt, die Grundrechte stünden über jedem Befehl. Und dann sagt er, wenn eine künftige Bundesregierung sie in einen offenkundig völkerrechtswidrigen Krieg führen wolle, sei es ihre Pflicht, den Befehl zu verweigern.
Nicht abstrakt. Er sagt, kein Geringerer als der Bundeskanzler habe es sich zur Gewohnheit gemacht, das Völkerrecht kleinzureden. Er sagt, die Reaktionen auf die Mahnung des Bundespräsidenten hätten von Häme über Abwehr bis zum Totschweigen gereicht.
Und er sagt diesen jungen Menschen, es sei historisch unwahrscheinlich, dass ihr Leben vollständig in eine Friedensphase falle.
Das war kein Störer. Das war kein Zwischenruf von der Straße. Das war das offizielle Programm, mit dem Minister im Rücken. Und niemand ist aufgestanden und gegangen.
Man erfasst einen ganzen Jahrgang, sagt ihm, der Krieg kommt wohl zurück, und lässt ihm bei derselben Zeremonie ausrichten, dass er der eigenen Regierung in Kriegsfragen nicht trauen darf.
Wenn das jemand anders sagen würde, hieße es Hetze. Es steht im Protokoll.
𝗘𝗶𝗻 𝗟𝗮𝗻𝗱, 𝗱𝗲𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗙𝗮𝗵𝗻𝗲 𝗺𝗮𝗻 𝗲𝗶𝗻𝗿𝗼𝗹𝗹𝗲𝗻 𝘀𝗼𝗹𝗹.
2013, Wahlsiegnacht: Die Kanzlerin nimmt einem Parteifreund auf offener Bühne die Deutschlandfahne aus der Hand und reicht sie weg. Das Bild ging um die Welt.
2024: Ein 87-jähriger Rentner in Berlin hängt die Bundesflagge an sein Balkongeländer. Er wird beschimpft und bedroht. Ermittelt wird gegen ihn.
Im selben Jahr, während einer Fußball-Europameisterschaft: ernsthafte Debatte, ob Schwarz-Rot-Gold an Polizeifahrzeugen die staatliche Neutralität verletze. Die Regenbogenfahne an denselben Fahrzeugen war vorher kein Thema.
Juni 2025: Die Bundestagspräsidentin untersagt die Regenbogenflagge zum Christopher Street Day mit Verweis auf Neutralität, zum 17. Mai aber nicht. Im Sommer 2025 lässt die Bundestagspolizei sichtbare Regenbogenfahnen im Gebäude entfernen.
Juni 2026: Dieselbe Bundestagspolizei rückt auf einem Parlamentsbalkon an, weil dort Abgeordnete die Deutschlandfahne schwenken. Auf die Frage, warum man bei der einen Fahne einschreitet und bei der anderen nicht, schweigt die Pressestelle des Bundestages bis heute.
Wenige Wochen später wird ein 67-jähriger früherer Bundeswehrsoldat in Berlin aufgefordert, seine Deutschlandfahne einzurollen. Ein Mann, der gedient hat.
𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟯 𝗳𝗼𝗹𝗴𝘁. | 1 127 |
| 4 | 𝗗𝗔𝗦 𝗞𝗔𝗥𝗧𝗘𝗟𝗟 · 𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟭 𝘃𝗼𝗻 𝟰
Nennt mich Verschwörungstheoretiker. Ich komme heute ohne eine einzige Behauptung aus.
Ich bringe Sprengtermine. Abstimmungsergebnisse. Aktenzeichen. Gerichtsbeschlüsse. Und die Rede eines Mannes, den der Staat selbst auf sein Podium gestellt hat.
Zusammensetzen müssen Sie das selbst. Genau davor haben sie Angst.
𝗦𝗶𝗲 𝘀𝗽𝗿𝗲𝗻𝗴𝗲𝗻 𝗱𝗶𝗲 𝗞𝗿𝗮𝗳𝘁𝘄𝗲𝗿𝗸𝗲. 𝗨𝗻𝗱 𝗯𝗮𝘂𝗲𝗻 𝗱𝗲𝗻 𝗦𝗰𝗵𝗮𝗹𝘁𝗲𝗿.
Grafenrheinfeld, 1.345 Megawatt. Kühltürme gesprengt, August 2024. Gundremmingen, das leistungsstärkste Kernkraftwerk, das dieses Land je besaß, über achtzehn Terawattstunden im Jahr. Beide Türme fielen am 25. Oktober 2025, punkt zwölf, fünfzehn Sekunden Abstand, mit Publikum auf dem Feldweg. Moorburg in Hamburg, eines der modernsten Kohlekraftwerke Europas, 2015 ans Netz, 2021 vom Netz. Sechs Jahre.
Man legt nicht still. Man sprengt.
Merken Sie den Unterschied? Ein stillgelegtes Kraftwerk kann man wieder anfahren. Ein gesprengtes nicht. Das ist keine Energiepolitik. Das ist die vorsätzliche Zerstörung der eigenen Rückfahrkarte.
Und während der Staub sich legt, wird nebenan die Verwaltung des Mangels gebaut.
Seit 2024 arbeitet die Bundesnetzagentur an einer Sicherheitsplattform Strom. Betriebe ab acht Gigawattstunden Jahresverbrauch müssen sich registrieren, ihren Verbrauch prognostizieren, ihre Einsparmöglichkeiten offenlegen. Mit drei Tagen bis 24 Stunden Vorlauf kann angeordnet werden, herunterzufahren. Wer nicht gehorcht, dem lässt die Behörde über den Netzbetreiber den Strom abdrehen. Ausgelegt ist das auf Mangellagen von mehreren Tagen bis Wochen. Entschädigung sieht das Energiesicherungsgesetz grundsätzlich nicht vor.
Wochen. Kein Ersatz. Ein Tag Vorwarnung.
Sie haben investiert, Genehmigungen geholt, dreihundert Leute eingestellt. Morgen um diese Zeit ist Schluss. Wie lange, weiß keiner. Bezahlt wird nichts. Schicken Sie Ihre Leute nach Hause.
Nennen Sie das, wie Sie wollen. Ich nenne es Enteignung mit Terminvorlauf.
𝗨𝗻𝗱 𝗱𝗮𝗻𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗦𝗮𝘁𝘇.
Zwei Jahre lang wurde darüber nichts gesagt. Kein Wort auf der Homepage, keine Pressemitteilung, keine Debatte im Bundestag. Ohne die Recherche eines kleinen Mediums wüssten wir bis heute nichts.
Die Begründung, intern, gegenüber Netzbetreibern: man wolle Verunsicherungen vermeiden.
Lesen Sie das noch einmal. Langsam.
Nicht der drohende Mangel ist das Problem. Sie sind es. Ihr Gefühl. Ihre Reaktion. Der Bürger ist die Störgröße, die man aus der Gleichung nimmt.
Und gleichzeitig, ganz offiziell auf Anfrage: Es besteht keine Mangellage.
Natürlich nicht. Deshalb baut man ja auch zwei Jahre lang eine Kommandozentrale für den Fall, den es angeblich nicht gibt. Niemand legt sich einen Feuerlöscher hin, weil er nicht an Feuer glaubt.
Aluminium, Kupfer, Stahl, Glas, Chemie stehen auf dieser Liste ganz oben. Exakt die Branchen, ohne die keine Munition entsteht, kein Panzer, kein Gefechtsstand. Man brüllt Kriegstüchtigkeit in jedes Mikrofon und schraubt der eigenen Grundstoffindustrie einen Vierundzwanzig-Stunden-Abschalter ans Bein.
Das ist kein Meinungsstreit. Das ist Arithmetik. Und sie geht nicht auf.
Wer das für das Ende der Geschichte hält, irrt. Denn dieselbe Woche, in der diese Liste bekannt wurde, hat der Staat noch etwas anderes getan. Er hat begonnen, einen ganzen Jahrgang junger Menschen zu erfassen.
𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟮 𝗳𝗼𝗹𝗴𝘁. | 1 679 |
| 5 | ⚡️⚡️⚡️⚡️⚡️
https://youtu.be/DnXEYpQvILE?si=-eHV8OEZFbILWnUX | 2 293 |
| 6 | 𝗧𝗘𝗜𝗟 𝟮
𝗦𝗶𝗲 𝗵𝗮𝗯𝗲𝗻 𝗲𝘀 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗲𝗶𝗻𝗺𝗮𝗹 𝘃𝗲𝗿𝘀𝘁𝗲𝗰𝗸𝘁
𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟮 𝘃𝗼𝗻 𝟮
Und in Deutschland lehnt der Bundestag am 10. Juli 2025 einen Untersuchungsausschuss ab und setzt eine Enquete-Kommission ein. Der Unterschied ist kein formaler. Ein Ausschuss kann Akten erzwingen und unter Eid vernehmen. Eine Enquete kann einladen, zuhören und bis Juni 2027 einen Bericht schreiben. Lauterbach saß dort im März 2026 selbst als geladener Gast in der Anhörung zur Impfstrategie. Vier Monate später erfahren wir aus amerikanischen Papieren, wie diese Strategie zustande kam.
𝗞𝗲𝗶𝗻 𝗣𝗹𝗮𝗻 𝗻𝗼𝗲𝘁𝗶𝗴
Ich behaupte keine Verschwörung, und ich brauche auch keine. Ich behaupte etwas Unangenehmeres: Niemand musste sich absprechen. Beschaffung, Beratung, Zulassung, Berichterstattung und Karriere zogen ohnehin in dieselbe Richtung. Eine Absprache wäre zusätzlicher Aufwand gewesen. Es lief auch so.
𝗠𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗣𝗼𝘀𝗶𝘁𝗶𝗼𝗻
Ich halte das für Amtsversagen, unabhängig davon, wie jemand zu den Präparaten steht.
Ein Gesundheitsminister hat genau eine Pflicht, die er nicht abgeben darf: die Eigenständigkeit seines Urteils. Er darf sich beraten lassen, von wem er will. Er darf sich nicht überzeugen lassen von jemandem, der am Ergebnis verdient. Wer den Anbieter zum Mitentscheider macht, hat den Unterschied zwischen Einkauf und Indikation gelöscht. Beschädigt ist damit nicht eine Entscheidung. Beschädigt ist das Amt.
Und dann der Teil, bei dem ich die Fassung verliere. Während in dieser Konferenz Chargen sortiert wurden, kostete draußen der Zweifel den Arbeitsplatz. Den Platz in der Klasse, im Verein, am Weihnachtstisch. Pflegekräfte, die zwei Jahre lang Helden hießen, standen anschließend vor dem Betretungsverbot. Menschen wurden nicht überzeugt, sie wurden weichgekocht. Und zwar mit der Autorität genau jener Männer, die untereinander längst über Lagerbestände redeten.
Dafür hat sich niemand entschuldigt. Es gab Buchverträge, Ehrungen, Podcasts. Wer damals recht behielt, wartet bis heute auf die Rückgabe seines Rufs. Das ist die eigentliche Botschaft an alle, die beim nächsten Mal gefragt werden, ob sie mitmachen.
𝗪𝗮𝘀 𝗷𝗲𝘁𝘇𝘁 𝘇𝘂 𝗽𝗮𝘀𝘀𝗶𝗲𝗿𝗲𝗻 𝗵𝗮𝘁
Terminkalender, Teilnehmerlisten, Hausvermerke des Ministeriums zu diesen Gesprächen. Wer war informiert, wer hat mitgezeichnet, wo ist die fachliche Gegenposition dokumentiert. Existiert sie nicht, ist auch das eine Antwort, und dann ist es die schlimmste. Dazu ein Untersuchungsausschuss mit Beweiserhebungsrecht statt dieses Diskussionskreises. Und ungeschwärzte Verträge.
Wer abwinkt, das sei doch lange her: Der Text des WHO-Pandemieabkommens wurde am 20. Mai 2025 angenommen. In Kraft ist er nicht, weil der Anhang zum Zugriff auf Erreger seit über einem Jahr scheitert, zuletzt im Juli 2026, nächste Runde im September. Es wird also gerade neu verhandelt, wer beim nächsten Mal am Tisch sitzt. Die Frage ist nicht, ob 2022 Fehler passiert sind. Die Frage ist, ob dieselbe Sitzordnung wieder zustande kommt. Und die Antwort hängt davon ab, wie laut jetzt gefragt wird.
https://www.berliner-zeitung.de/article/fauci-tagebuch-lauterbach-corona-impfstrategie-10240975
Euer Rainer Taufertshöfer
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| 7 | 𝗧𝗘𝗜𝗟 𝟭
𝗦𝗶𝗲 𝗵𝗮𝗯𝗲𝗻 𝗲𝘀 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗲𝗶𝗻𝗺𝗮𝗹 𝘃𝗲𝗿𝘀𝘁𝗲𝗰𝗸𝘁 𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟭 𝘃𝗼𝗻 𝟮
𝗗𝗲𝗿 𝗥𝗮𝘂𝗺
Juni 2022, Videokonferenz. Karl Lauterbach. Anthony Fauci. Der Corona-Beauftragte des Weissen Hauses. Und Ugur Sahin, Vorstandschef von BioNTech. Auf dem Tisch: was ab Herbst in deutsche Oberarme geht.
Man muss diesen Satz zweimal lesen. Der Hersteller sitzt nicht draußen. Er sitzt drin. Er ist nicht Gegenstand der Prüfung, er ist Teilnehmer der Entscheidung. Und Fauci notiert am selben Tag, wie es ausgegangen ist: „Ugur und ich hatten Karl überzeugt“.
Kein Beratungsvermerk. Ein Vollzugsbericht. Und die Begründung, die in den Notizen auftaucht, ist keine immunologische, sondern eine kaufmännische: Moderna habe massiv geworben und die bestellten Dosen nicht ungenutzt lassen wollen. Lagerbestand als Argument in einer Empfehlung für 83 Millionen Menschen.
Wer das 2022 aussprach, war Schwurbler, Wissenschaftsfeind, Gefährder. Es wurde nicht widerlegt. Es wurde entsorgt. Und heute steht genau dieser Gedanke in den Aufzeichnungen des Mannes, dessen Autorität man gegen die Zweifler in Stellung gebracht hat.
An dieser Stelle bleibe ich streng auch gegen mich selbst: Ein Tagebuch ist eine Selbstauskunft. Fauci schreibt seine Version, in der er der Kluge ist und Karl der Belehrte. Das entwertet die Notiz nicht, es verschiebt nur, was sie beweist. Sie beweist nicht, dass jemand gekauft war. Sie beweist, wie entschieden wurde. Und das genügt.
𝗗𝗮𝘀 𝗠𝘂𝘀𝘁𝗲𝗿
Wer jetzt sagt, das sei ein unglücklicher Einzeltermin gewesen, bekommt die Reihe.
Ursula von der Leyen erklärt die Impfstoffbeschaffung zur Chefsache und verhandelt persönlich mit dem Pfizer-Chef, auch per SMS. Die Kommission erklärt jahrelang, sie besitze keine solchen Nachrichten. Am 14. Mai 2025 erklärt das Gericht der Europäischen Union diese Auskunft für nichtig, Rechtssache T-36/23: Die Begründung stütze sich auf Annahmen und wechselnde Angaben. Wenn Nachrichten gelöscht wurden, müsse auch das erklärt werden. Es ging um einen Vertrag über bis zu 1,8 Milliarden Dosen.
Die Verträge selbst gingen geschwärzt an die Parlamente. Im Juli 2024 erklärte dasselbe Gericht Teile dieser Schwärzungen für rechtswidrig, ausgerechnet die Entschädigungsklauseln und die Namen des Verhandlungsteams, mit denen sich Interessenkonflikte hätten prüfen lassen. Die Kommission legte Rechtsmittel ein.
Und der Kern dieser Klauseln, inzwischen im Europäischen Parlament nachlesbar: Die Impfstoffe werden unter alleiniger Verantwortung der teilnehmenden Mitgliedstaaten verabreicht. Haftet der Hersteller einem Geschädigten gegenüber, erstattet ihm der Staat, was er zahlen musste. Bis November 2021 hatte die Kommission Verträge über bis zu 4,6 Milliarden Dosen im Wert von rund 71 Milliarden Euro unterzeichnet. Wer am Ende zahlt, stand damit vorher fest, und er saß in keinem dieser Räume.
Anthony Fauci, dessen Institut die Forschung mitfinanziert hat, um die es im US-Ausschuss geht, erhält am 20. Januar 2025 eine vorsorgliche Begnadigung. Sie deckt alles seit dem 1. Januar 2014 ab, was mit seiner Amtszeit zusammenhängt. Kein Verfahren, keine Anklage, kein Vorwurf, der je benannt wurde. Man begnadigt vorsorglich nur, wenn man mit etwas rechnet.
👉🏻Teil 2 folgt gleich. Dort geht es um den Ausschuss, den Deutschland nicht wollte, und um meine Position dazu. | 1 330 |
| 8 | 𝗩𝗶𝗲𝗿𝘇𝗶𝗴 𝗠𝗶𝗻𝘂𝘁𝗲𝗻
𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟮 𝘃𝗼𝗻 𝟮
𝗭𝘄𝗲𝗶𝘂𝗻𝗱𝘃𝗶𝗲𝗿𝘇𝗶𝗴 𝗠𝗶𝗻𝘂𝘁𝗲𝗻 𝗻𝗮𝗰𝗵 𝗠𝗶𝘁𝘁𝗲𝗿𝗻𝗮𝗰𝗵𝘁
Und dann schrieb eine Frau einen Satz.
Glückwunsch, kann ich leider nicht bestätigen.
Sonst nichts. Kein Herz, keine Rückfrage, weitergescrollt. In einem Kanal mit zweitausendsechshundert Mitgliedern.
Am nächsten Morgen fragte doch jemand nach. Wie hat sie es angewendet. Warum hat es nicht funktioniert. Worauf soll man das stützen.
Sie antwortete: Leider war ich zu vertrauensselig und habe dafür teuer bezahlt. Man lernt ja aus Fehlern. Und sie empfahl allen, sich wirklich umfassend zu informieren.
Danach entschuldigte sie sich noch. Sie habe mitten in der Nacht wohl auf den falschen Knopf gedrückt. Sorry.
Das war der Punkt, an dem ich aufgehört habe.
Nicht weil sie mir recht gegeben hätte. Sondern weil diese Fragen richtig sind und weil sie in dieser Gruppe noch nie jemand gestellt hat, wenn etwas geholfen hat. Nicht bei den achtundvierzig Milligramm. Nicht bei dem Tumor, der angeblich verschwand.
Vierzig Minuten hat es gedauert, bis eine Frau, die etwas verloren hat, sich erklären musste. Für alles andere hat nie jemand auch nur eine Minute verlangt.
So entsteht eine Erfolgsquote, die es nicht gibt. Was hilft, kommt ungeprüft durch. Was nicht hilft, trägt die Beweislast. Und die meisten, bei denen es schiefgegangen ist, schreiben ohnehin nichts mehr.
𝗪𝗮𝗿𝘂𝗺 𝗱𝗮𝘀 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁𝘀 𝗺𝗶𝘁 𝗗𝘂𝗺𝗺𝗵𝗲𝗶𝘁 𝘇𝘂 𝘁𝘂𝗻 𝗵𝗮𝘁
Die Menschen dort sind nicht dumm. Viele sind wach, belesen, misstrauischer als der Durchschnitt. Genau das macht sie erreichbar.
Seit 2020 haben viele das Vertrauen in Ärzte, Behörden und Industrie verloren. Diesen Bruch nehme ich niemandem übel, ich teile ihn in weiten Teilen. Nur verschwindet die Bereitschaft, jemandem unbedingt zu glauben, dabei nicht. Sie wechselt den Adressaten. Aus dem Arzt wird der Kanal. Aus der Behörde der Admin. Aus dem Beipackzettel die weitergeleitete Liste.
Geprüft wird danach genauso wenig wie vorher. Nur auf der anderen Seite.
Ich weiß nicht, wie es dem Vater geht. Ich werde es auch nicht erfahren.
Wenn es weitergeht wie bisher, wird die Tochter wieder schreiben.
Wenn nicht, wird sie es nicht.
Genau daran misst diese Gruppe, ob es funktioniert.
Euer Rainer Taufertshöfer
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| 9 | 𝗩𝗶𝗲𝗿𝘇𝗶𝗴 𝗠𝗶𝗻𝘂𝘁𝗲𝗻
𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟭 𝘃𝗼𝗻 𝟮
Eine Frau schreibt anonym in Großbuchstaben. Ihr Vater ist vierundachtzig. Krebs in den Gallenwegen, im Kopf der Bauchspeicheldrüse, in der Prostata. Er hat Schläuche liegen, damit die Galle abfließen kann.
PAPA GEHT ES GUT. ICH DANKE EUCH. BLEIBT GESUND.
Darunter steht, was er bekommt. Achtundvierzig Milligramm Ivermectin. Zweihundertzweiundzwanzig Fenbendazol. Zwanzigtausend Einheiten Vitamin D. Gelegentlich Chlordioxid. Der Hausarzt habe sich gewundert, wie gut die Leberwerte seien.
Ich habe das an einem Vormittag gelesen und gemerkt, dass ich nicht weiterscrollen kann.
Denn die Erklärung steht in ihrer eigenen Nachricht. Die Schläuche sind Stents. Man legt sie, damit die Galle wieder abfließt, und genau daran hängen die Leberwerte. Ist der Abfluss dicht, gehen sie hoch. Ist er wieder offen, fallen sie. Das ist kein Wunder, das ist der Zweck des Eingriffs.
Eine Tochter, die ihren Vater durch so etwas begleitet, muss das nicht wissen. Ich schon.
Also habe ich geschrieben, so behutsam ich konnte. Dass ich ihr nichts wegnehmen will. Dass ich ihm von Herzen wünsche, dass es so bleibt. Und dass gute Leberwerte etwas über die Galle sagen und nichts über einen Tumor.
Die erste Antwort kam nach vier Minuten. Ich glaube, Sie sind hier in der falschen Gruppe.
𝗗𝗮𝘀 𝗕𝘂𝗰𝗵
An dieser Stelle habe ich mein Buch ins Gespräch gebracht. Nicht um damit zu wedeln. Sondern weil in dieser Gruppe täglich Chlordioxid empfohlen wird und weil ich dazu achtzehn Jahre gearbeitet und vierhundertvierundvierzig Seiten geschrieben habe.
Ich bin nicht der Abgesandte der Schulmedizin. Ich habe zu einem ihrer eigenen Mittel die ausführlichste Arbeit vorgelegt, die es im deutschsprachigen Raum dazu gibt. Das Buch heißt "Potenzial und Grenzen". Über das erste Wort schreibt sich leicht. Für das zweite habe ich Jahre gebraucht.
Genau das fehlt dort. Nicht die Begeisterung fehlt. Die Grenzen fehlen. Zu Chlordioxid steht in dieser Gruppe kein einziger Satz darüber, wo es nichts ausrichtet, wo es schadet, wo man die Finger davon lässt.
Und in dem Moment, in dem ich das gesagt habe, war ich in der falschen Gruppe.
Am Abend kam auf meine Einwände keine Antwort mehr, sondern eine Abstimmung. Ob der Heilpraktiker hier nur Kunden generieren wolle. Ja oder nein. Einundzwanzig Stimmen.
Über Argumente kann man nicht abstimmen. Sie sind richtig oder falsch.
Was in der Nacht darauf geschah, war der Grund, warum ich aufgehört habe. Teil 2 folgt. | 1 154 |
| 10 | Bor/Borax und Krebs: Was die Forschung weiß, was die Industrie verschweigt–
und warum beides nicht reicht
Seit über zwanzig Jahren liegen präklinische Daten zu Bor und Krebs vor. Keine davon ist je in eine klinische Studie überführt worden — nicht weil die Daten wertlos sind, sondern weil ein Spurenelement sich nicht patentieren lässt. Gleichzeitig überschwemmt die alternative Szene das Thema mit erfundenen Quellen und macht damit genau jene Forschung unglaubwürdig, auf die sie sich berufen will. Was die Daten tatsächlich zeigen — und was sie nicht zeigen — steht hier:
https://www.rainer-taufertshoefer-medizinjournalist.de/bor-krebs-forschung-anwendung | 1 431 |
| 11 | Die Corona-Zeit hat viele misstrauisch gemacht. Aber nicht automatisch urteilsfähig.
Wir haben gelernt, Behörden, Leitmedien, Pharmakonzerne und sogenannte Experten zu hinterfragen. Das war notwendig.
Doch kritisches Denken verliert seinen Wert, wenn es endet, sobald die Botschaft aus dem eigenen Lager kommt.
Genau das beobachte ich inzwischen auf beiden Seiten.
Die einen erklären alternative Verfahren grundsätzlich für wirkungslos.
Die anderen erklären einzelne Substanzen oder Verfahren zum universellen Schlüssel.
Beides folgt derselben Logik: vereinfachen, zuspitzen, Lager bilden.
Und genau dadurch geht das verloren, worauf es eigentlich ankommt.
Denn ich bin überzeugt: In vielen alternativen Ansätzen steckt reales wissenschaftliches und biologisches Potenzial. Vielleicht sogar deutlich mehr, als heute sichtbar ist.
Aber dieses Potenzial wird nicht dadurch erschlossen, dass man jedes Verfahren zur neuen Heilslehre erhebt.
Es wird ebenso wenig entdeckt, wenn man alles pauschal als Unsinn verwirft.
Es wird verschüttet.
Verschüttet unter Ideologien.
Verschüttet unter wirtschaftlichen Interessen.
Verschüttet unter Lagerdenken.
Und verschüttet unter Menschen, die längst aufgehört haben zu fragen.
Genau deshalb argumentiere ich bewusst außerhalb dieser Grabenkämpfe.
Mich interessiert weder das pharmanahe noch das alternativmedizinische Lager.
Mich interessiert, was biologisch plausibel ist, wo Chancen liegen, wo Grenzen liegen und warum manche Beobachtungen funktionieren könnten – oder eben nicht.
Genau diese Denkweise verbindet meine beiden neuen Artikel mit meinem Buch.
Nicht Zustimmung erzeugen.
Sondern Urteilskraft stärken.
Denn die Zukunft der Medizin entscheidet sich vermutlich nicht zwischen Schulmedizin und Alternativmedizin.
Sie entscheidet sich zwischen Dogmen und Erkenntnis.
Ivermectin und Fenbendazol bei Krebs – wenn zwei Lager dieselbe Denkfalle teilen
https://www.rainer-taufertshoefer-medizinjournalist.de/ivermectin-fenbendazol-krebs-denkfalle
Ivermectin – große Zahlen, starke Behauptungen und die Frage, was tatsächlich bewiesen ist
https://www.rainer-taufertshoefer-medizinjournalist.de/ivermectin-krebs-denkfalle
Chlordioxid – Potenzial und Grenzen
https://www.rainer-taufertshoefer-medizinjournalist.de/buch-chlordioxid-potenzial-und-grenzen | 1 184 |
| 12 | 𝗗𝗿𝗲𝗶𝘂𝗻𝗱𝘇𝘄𝗮𝗻𝘇𝗶𝗴 𝗦𝗲𝗴𝗲𝗻 𝘂𝗻𝗱 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗲𝗶𝗻𝘇𝗶𝗴𝗲 𝗤𝘂𝗲𝗹𝗹𝗲
𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟮 𝘃𝗼𝗻 𝟮
Der Inhalt der Liste ist in Teil 1 abgeräumt. Bleibt die eigentliche Frage: Wie kommt so ein Text durch Hunderte Gruppen und Kanäle, ohne dass jemand stolpert?
𝗪𝗶𝗲 𝘀𝗼 𝗲𝘁𝘄𝗮𝘀 𝘄𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝘁
Weiterleiten ist kein Lesen. Der Pfeil kostet eine Sekunde, die Liste kostet vier Minuten Aufmerksamkeit. Deshalb fällt niemandem auf, dass Punkt 21 sich selbst widerspricht und die Zählung kaputt ist. Der Fehler ist nicht versteckt. Er ist nur nie gelesen worden.
Jede Weiterleitung entfernt den Text weiter von seinem Ursprung. Nach fünf Stationen ist nicht mehr feststellbar, wer ihn geschrieben hat, wann, in welcher Sprache, aus welchem Interesse. Was bleibt, ist Verbreitung. Und Verbreitung fühlt sich nach einer Weile an wie Bestätigung. Sie ist keine.
Die Zahl selbst arbeitet mit. Dreiundzwanzig Punkte wirken gründlicher als fünf. Länge ersetzt Prüfung, Vollständigkeit ersetzt Belege. Wer angeblich alles kann, wurde nie an einer einzelnen Sache gemessen.
Widerspruch wäre in diesem Fall technisch möglich. Die Gruppe ist offen, es gibt eine Kommentarfunktion, jeder darf schreiben. Genau deshalb ist das Schweigen interessanter als bei einem Kanal ohne Rückkanal. Wer in einer Runde von Betroffenen einwendet, dass die Liste sich selbst widerlegt, widerspricht nicht einem Text. Er widerspricht der Hoffnung der anderen. Diese Rechnung macht man in Sekunden auf, und fast alle entscheiden sich fürs Schweigen. Ausbleibende Kritik ist deshalb kein Beleg für Zustimmung. Sie ist der Preis für Zugehörigkeit.
Dazu kommt das Etikett. Eine Selbsthilfegruppe verspricht etwas anderes als ein Werbekanal: Augenhöhe, geteilte Erfahrung, niemand verdient daran. Dieses Vertrauen überträgt sich auf alles, was in der Gruppe steht, auch auf ein Dosierungsschema, das niemand geprüft hat. Der Rahmen beglaubigt den Inhalt, obwohl er ihn nur transportiert.
Und der Name der Quelle liefert das Versprechen gleich mit. "Krebs ist heilbar" ist keine Information. Das ist eine Zusage an Menschen, die gerade jede Zusage annehmen würden.
Und am Ende schrieb der Absender, seine Intuition werde immer mehr bestätigt. Damit ist die Funktion offengelegt. Der Text hat niemanden informiert. Er hat jemanden beruhigt.
𝗨𝗻𝗱 𝗷𝗲𝘁𝘇𝘁 𝗱𝗶𝗲 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝗲 𝗦𝗲𝗶𝘁𝗲
Ivermectin ist kein Scherz. Der Wirkstoff wurde 2015 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet, steht auf der WHO-Liste unentbehrlicher Arzneimittel und hat Millionen Menschen vor Erblindung bewahrt. In der präklinischen Forschung gibt es Signale, die eine ernsthafte Frage rechtfertigen.
Das Problem ist nicht das Molekül. Das Problem ist, was diese Liste daraus macht: ein Mittel gegen alles. Und ein Mittel gegen alles ist genau die Denkfigur, die man der Pharmaindustrie vorwirft. Nur grün lackiert.
Wer eine Diagnose hat, braucht keine dreiundzwanzig Segnungen. Er braucht jemanden, der mit ihm in dieselbe Richtung schaut und die unbequemen Fragen mit aushält.
Euer Rainer Taufertshöfer
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| 13 | 𝗗𝗿𝗲𝗶𝘂𝗻𝗱𝘇𝘄𝗮𝗻𝘇𝗶𝗴 𝗦𝗲𝗴𝗲𝗻 𝘂𝗻𝗱 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗲𝗶𝗻𝘇𝗶𝗴𝗲 𝗤𝘂𝗲𝗹𝗹𝗲
𝗧𝗲𝗶𝗹 𝟭 𝘃𝗼𝗻 𝟮
Auf meinem Bildschirm liegt ein Screenshot. Er stammt aus einer Gruppe, die sich als Selbsthilfe versteht. Offen, jeder kann beitreten, jeder kann kommentieren. Der Text selbst wurde dorthin weitergeleitet, aus einem Kanal namens "Krebs ist heilbar". Dreiundzwanzig nummerierte Punkte, überschrieben mit "Die 23 Segen von Ivermectin". Kein Autor. Keine Quellenangabe außer einem Halbsatz am Ende, der auf eine Studie verweist, die es in dieser Form nicht gibt.
Ich schreibe das nicht, weil ich etwas gegen Ivermectin hätte. Ich schreibe es, weil solche Listen Menschen erreichen, die gerade eine Krebsdiagnose bekommen haben und nach einem Ausweg suchen.
𝗪𝗮𝘀 𝗶𝗻 𝗱𝗲𝗿 𝗟𝗶𝘀𝘁𝗲 𝘀𝗲𝗹𝗯𝘀𝘁 𝘀𝘁𝗲𝗵𝘁
Punkt 21 behauptet erst, Ivermectin sei erstaunlich wirksam bei Vorbeugung und Behandlung. Im nächsten Satz steht, die Wirksamkeit sei nicht erwiesen, die von Impfstoffen dagegen schon. Zwei Aussagen, ein Absatz, offener Widerspruch.
Punkt 3 sagt, Ivermectin habe nur nützliche und keine schädlichen Wirkungen. Es gibt keinen einzigen pharmakologisch wirksamen Stoff, für den dieser Satz zutrifft. Wer ihn schreibt, beschreibt kein Arzneimittel mehr, sondern ein Sakrament. Das Wort "Segen" in der Überschrift ist da ehrlicher als der Rest.
Punkt 23 behauptet, Ivermectin gehe an der Leber vorbei, weil es im Darm verstoffwechselt werde. Ivermectin wird hepatisch über CYP3A4 abgebaut. Das steht in jeder Fachinformation.
Und die Nummerierung springt von 18 auf 29. Nicht einer der Menschen, die diesen Text weitergereicht haben, ist bis dorthin gekommen.
𝗗𝗶𝗲 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗦𝘁𝘂𝗱𝗶𝗲 𝗱𝗮𝗵𝗶𝗻𝘁𝗲𝗿
Punkt 22 nennt eine deutliche Senkung von Infektion, Hospitalisierung und Sterblichkeit unter Prophylaxe. Am Ende folgt eine Dosierungsanweisung: 0,2 Milligramm pro Kilogramm, zwei Tage, Wiederholung nach fünfzehn Tagen.
Das ist exakt das Protokoll des Ivermectin-Programms der Stadt Itajaí in Brasilien, ausgewertet von Kerr und Kollegen, publiziert in Cureus. Die gesamte Liste ist um diese eine Beobachtungsstudie herumgebaut.
Diese Studie sagt nichts über Herpes zoster. Nichts über Cholesterinstoffwechsel. Nichts über Nervenregeneration, Divertikulitis oder rheumatoide Arthritis. Zweiundzwanzig der dreiundzwanzig Segnungen stehen dort nirgends.
Cureus hat zu dieser Arbeit ein Erratum veröffentlicht, weil mehrere Autoren Interessenkonflikte nicht offengelegt hatten. Die Erstautorin war bezahlte Beraterin eines Ivermectin-Herstellers. Ein weiterer Autor ebenfalls. Ein dritter ist Präsident einer Organisation, die Ivermectin bewirbt, und bezog von dort Zahlungen. Eine unabhängige Reanalyse führt die Effekte weitgehend auf einen statistischen Verzerrungseffekt zurück.
Hier wird es unbequem, auch für das eigene Lager. Wer bei einem Pharmakonzern sofort die Verflechtung riecht und bei einem Ivermectin-Hersteller nicht, betreibt keine Kritik. Er pflegt eine Zugehörigkeit.
𝗪𝗮𝘀 𝗱𝗮𝗿𝗮𝗻 𝘄𝗶𝗿𝗸𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗿𝗶𝘀𝗸𝗮𝗻𝘁 𝗶𝘀𝘁
Nicht die Aufzählung. Die Dosierungsanweisung.
Ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, Schema frei Haus in eine Gruppe gestellt, ohne Indikation, ohne ein Wort zu Wechselwirkungen über CYP3A4, ohne Hinweis auf genetische Varianten des ABCB1-Transporters, ohne die Konstellationen, in denen schwere neurologische Ereignisse dokumentiert sind. Wer so etwas weiterreicht, gibt eine Anwendungsempfehlung ab, ohne je die Verantwortung dafür zu tragen.
Das Interessanteste an diesem Screenshot ist aber nicht der Inhalt. Es ist der Weg, den er genommen hat. Darum geht es in Teil 2. | 1 166 |
| 14 | https://youtu.be/spYHNXVeM-U?si=yXjH70XkfHKIsmaX | 1 605 |
| 15 | 🆕
Viele beschäftigen sich seit Jahren mit Chlordioxid.
Und genau das ist manchmal das Problem.
Denn wer sich jahrelang in denselben Gruppen, denselben Kanälen, denselben Büchern und denselben Erzählungen bewegt, merkt oft nicht mehr, dass er sich nicht weiterentwickelt.
Er bewegt sich im Kreis.
Immer dieselben Protokolle.
Immer dieselben Namen.
Immer dieselben Versprechen.
Immer dieselben Abwehrreflexe, sobald jemand genauer fragt.
So entsteht keine Erkenntnis.
So entsteht eine Bubble, die sich selbst immunisiert.
Ich erlebe das immer wieder im persönlichen Gespräch: Menschen kommen mit jahrelanger Beschäftigung, mit Bücherregalen voller Szene-Literatur, mit vermeintlicher Sicherheit – und trotzdem fehlen ihnen genau die Fragen, von denen am Ende alles abhängt.
Nicht: Wirkt Chlordioxid?
Nicht: Ist Chlordioxid gefährlich?
Sondern:
Unter welchen Bedingungen entsteht Wirkung – und unter welchen Schaden?
Genau diese Frage wurde über Jahre verdrängt.
Nicht vom Mainstream allein.
Sondern ausgerechnet auch von jenen, die glauben, das Thema längst verstanden zu haben.
Mein Buch „Chlordioxid – Potenzial und Grenzen“ ist deshalb kein weiteres Szenebuch. Es ist kein Protokollbuch, keine Anleitung, kein Werbetext und keine Verteidigungsschrift.
Es ist eine schonungslose Ordnungsarbeit aus fast zwei Jahrzehnten Nähe zum Thema.
Ich komme nicht aus dem Lager der pauschalen Gegner.
Ich komme nicht aus der Mainstream-Distanz.
Ich komme aus der praktischen, forschenden und analytischen Auseinandersetzung mit Chlordioxid selbst.
Und gerade deshalb war dieses Buch notwendig.
Denn die größten Gefahren entstehen nicht nur dort, wo Gegner warnen.
Sie entstehen auch dort, wo Befürworter aufgehört haben zu prüfen.
Dieses Buch zeigt, warum Standardprotokolle biologisch scheitern können. Warum dieselbe Substanz bei unterschiedlichen Menschen völlig unterschiedliche Reaktionen auslösen kann. Warum Erfahrung nicht automatisch Beweis ist. Warum Patente keine Heilsversprechen sind. Warum politische Entscheidungen keine Wirksamkeitsnachweise darstellen. Warum manche Risiken in der Szene kaum ausgesprochen werden. Und warum das eigentliche Potenzial von Chlordioxid gerade durch Vereinfachung verschüttet wurde.
Es enthält ein von mir entwickeltes Funktionsmodell, unveröffentlichte analytische Zusammenhänge und investigative Recherchen zu beiden Lagern: zur Szene ebenso wie zur kritischen Gegenseite.
Dieses Thema wurde nicht nur in Hinterzimmern, Telegram-Gruppen und Alternativmedizin-Kreisen diskutiert. Es reichte bis in Parlamente, Behörden, Medien und Regierungskreise hinein.
Gerade deshalb ist dieses Buch mehr als ein Buch über Chlordioxid.
Es ist ein Buch über Erkenntnis.
Über Verantwortung.
Über Denkfehler.
Über falsche Sicherheit.
Über die Frage, wie Menschen in Gesundheitsfragen zu Überzeugungen gelangen – und wann diese Überzeugungen gefährlich werden.
Aus meiner Sicht ist „Chlordioxid – Potenzial und Grenzen“ eines der wichtigsten Bücher zur Alternativmedizin der letzten zwanzig Jahre.
Nicht, weil es einfache Antworten gibt.
Sondern weil es genau dort Ordnung schafft, wo seit Jahren fast alle nur noch wiederholen.
Wer sich mit Chlordioxid beschäftigt hat – direkt, indirekt, kritisch, zustimmend oder nur am Rande –, sollte dieses Buch lesen.
Nicht irgendwann.
Sondern bevor er glaubt, genug zu wissen.
Chlordioxid – Potenzial und Grenzen
Weitergedacht: Was weder Befürworter noch Kritiker sagen.
Buchbestellung direkt bei BoD oder über den Buchhandel:
https://buchshop.bod.de/chlordioxid-potenzial-und-grenzen-rainer-taufertshoefer-9783819205521 | 1 187 |
| 16 | #Kommentar
Teil 3 von 3
Einzelfall, psychisch auffällig, Ermittlungen dauern an
Die Asymmetrie
Was Menschen zermürbt, ist nicht die Gewalt allein. Es ist die Beobachtung, dass derselbe Apparat, der bei der Sicherung eines Parks langsam ist, bei der Erfassung seiner eigenen Bürger außerordentlich schnell wird. Bei der Chatkontrolle, bei Meldestellen, bei der fortlaufenden Ausdehnung dessen, was als Gefährdung des Diskurses gilt, finden sich Tempo, Personal und Rechtsgrundlage in bemerkenswerter Geschwindigkeit. Bei der Frage, wie ein Mann, der im Mai aus dem Arrest kommt, im Juli einen Transporter mietet, finden sie sich nicht.
Man muss daraus keine Absicht konstruieren. Institutionen handeln schnell, wo Handeln ihnen Zuständigkeit einbringt, und langsam, wo Handeln ein Eingeständnis voraussetzt. Ein Eingeständnis zur Sicherheitsarchitektur wäre teuer und würde Karrieren kosten. Eine Sprachregelung kostet nichts und schützt alle Beteiligten gleichzeitig. Es braucht keine Verschwörung, wo die Interessen ohnehin in dieselbe Richtung zeigen.
Wer sich allein gelassen fühlt, fühlt insofern richtig. Nicht weil ihn jemand verlassen hätte, sondern weil er gelernt hat, dass sein Erschrecken keine Adresse hat. Er darf es äußern. Es wird registriert, einem Lager zugeordnet, dessen Mitglied er nie werden wollte, und damit ist es erledigt. Nicht widerlegt. Erledigt.
Bleibt die Frau. Über sie ist nichts bekannt außer, dass sie an einem Samstagabend im Tiergarten war und den Sonntag nicht mehr erlebt hat. Sie ist in Höhe der Lennéstraße gestorben, an der Stelle, an der sie getroffen wurde, so schwer verletzt, dass niemand mehr rechtzeitig bei ihr sein konnte. Den ganzen Tag über hatten Hunderttausende in dieser Stadt gefeiert, und sie war eine davon, jemand, der morgens aus dem Haus gegangen ist, um einen guten Tag zu haben, und der das an diesem Tag auch hatte, bis kurz nach zweiundzwanzig Uhr.
In einem Zelt am Rand der Absperrung haben Sanitäter in dieser Nacht dreißig Menschen betreut, die keine einzige Verletzung hatten. Sie hatten nur gesehen, was geschehen ist. Das ist der Umkreis eines solchen Abends, den keine Statistik führt: die, die daneben standen und die es ihr Leben lang mit sich herumtragen werden.
Ihren Namen kenne ich nicht. Wenn er veröffentlicht wird, steht er ein paar Tage in Meldungen, gefolgt von einer Altersangabe und einem Beruf, bis ihn die nächste Meldung überschreibt. Ich habe dieses Wochenende damit zugebracht, Absätze zu zerlegen und Meldungsarchitekturen zu vermessen, während in einem Berliner Krankenhaus Angehörige gesessen haben, denen jede einzelne meiner Beobachtungen vollkommen gleichgültig gewesen wäre. Das entwertet die Analyse nicht. Es setzt sie an ihren Platz, und der ist weiter hinten, als es sich beim Schreiben anfühlt.
Ich weiß nicht, was dieser Frau geschuldet ist. Ganz sicher kein Programm und keine Forderung, die ihren Tod als Anlauf benutzt. Vielleicht nur, dass irgendwo jemand an sie denkt, ohne dabei an etwas anderes zu denken.
Euer Rainer Taufertshöfer
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| 17 | #Kommentar
Teil 2 von 3
Einzelfall, psychisch auffällig, Ermittlungen dauern an
Im ersten Teil ging es um die Routine, mit der ein solcher Abend abgearbeitet wird. Hier geht es um die Zahl, die in dieser Woche von allen Seiten gebraucht und von allen Seiten falsch gelesen wird.
Was stabil heißt
Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist für 2025 in Deutschland 29.243 Messerangriffe aus, darunter 994 versuchte oder vollendete Tötungsdelikte mit dem Tatmittel Messer. Knapp tausend Menschen in einem Jahr, denen jemand mit einem Messer nach dem Leben getrachtet hat.
Dieser Wert liegt seit Jahren dort, wo er jetzt liegt. Er steigt nicht dramatisch, er fällt nicht, er hält sich. In der Sprache der Lagebilder heißt das stabil, und wer den Zusammenhang nicht kennt, hört darin eine Entwarnung. Es ist die exakte Gegenaussage. Stabil bedeutet: eingependelt, Normalzustand, wird nicht mehr abgestellt, sondern beobachtet.
Genau hier greifen beide Lager daneben. Die eine Seite braucht die Explosion, behauptet sie gegen die Daten und verliert die Debatte an den erstbesten Faktencheck. Die andere nimmt die Stabilität und verkauft sie als Beruhigung. Beide streiten über die Steigung der Kurve, niemand über ihre Höhe. Dass tausend versuchte Tötungen im Jahr eine hinnehmbare Größe seien, hat nie jemand beschlossen. Es hat sich ergeben, und Ergebnisse dieser Art werden nicht abgestimmt.
Die Verwendbarkeit der Toten
Die Getöteten haben eine Halbwertszeit von etwa einer Woche. So lange tragen sie einen Vornamen und ein Alter, danach sind sie eine Zahl im Nachsatz und ein Argument im Streit anderer Leute. Der eine braucht sie als Beleg für die angegriffene Weltoffenheit, der andere als Beleg für das Versagen, das er seit Jahren vorhergesagt hat. Beide wollen von dem toten Menschen nichts wissen außer, wofür er sich verwenden lässt.
Angehörige finden gelegentlich Gehör. Ein Interview, ein Jahrestag, ein Antrag, dem man ansieht, dass er zur Ablehnung geschrieben wurde. Politische Wirkung entfaltet das nie. Nicht selten. Nie. Wer nach einem solchen Verlust erwartet, dass sein Fall etwas verändert, wird ein zweites Mal beschädigt, diesmal von der Institution, an die er sich gewandt hat.
Am Wochenende standen in Berlin nach Polizeiangaben mehr als 250 Zufahrtschutzelemente rund um den Tiergarten, rund um die Uhr bewacht. Ein Fahrzeug ist trotzdem hineingelangt. Man wird die Zahl der Poller erhöhen. Das ist die Form, die Konsequenz in diesem Land annimmt: eine Maßnahme, die sich fotografieren lässt.
Was diese Langsamkeit bedeutet, zeigt sich allerdings erst im Vergleich. Es gibt Bereiche, in denen derselbe Apparat keine Sekunde zögert.
Weiter in Teil drei. | 1 570 |
| 18 | #Kommentar
Teil 2 von 2
Einzelfalle, psychisch auffällig, Ermittlungen dauern an
Im ersten Teil ging es um die Routine, mit der ein solcher Abend abgearbeitet wird. Hier geht es um das, was übrig bleibt, wenn sie durchgelaufen ist.
Was stabil heißt
Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist für 2025 in Deutschland 29.243 Messerangriffe aus, darunter 994 versuchte oder vollendete Tötungsdelikte mit dem Tatmittel Messer. Knapp tausend Menschen in einem Jahr, denen jemand mit einem Messer nach dem Leben getrachtet hat.
Dieser Wert liegt seit Jahren dort, wo er jetzt liegt. Er steigt nicht dramatisch, er fällt nicht, er hält sich. In der Sprache der Lagebilder heißt das stabil, und wer den Zusammenhang nicht kennt, hört darin eine Entwarnung. Es ist die exakte Gegenaussage. Stabil bedeutet: eingependelt, Normalzustand, wird nicht mehr abgestellt, sondern beobachtet.
Genau hier greifen beide Lager daneben. Die eine Seite braucht die Explosion, behauptet sie gegen die Daten und verliert die Debatte an den erstbesten Faktencheck. Die andere nimmt die Stabilität und verkauft sie als Beruhigung. Beide streiten über die Steigung der Kurve, niemand über ihre Höhe. Dass tausend versuchte Tötungen im Jahr eine hinnehmbare Größe seien, hat nie jemand beschlossen. Es hat sich ergeben, und Ergebnisse dieser Art werden nicht abgestimmt.
Die Verwendbarkeit der Toten
Die Getöteten haben eine Halbwertszeit von etwa einer Woche. So lange tragen sie einen Vornamen und ein Alter, danach sind sie eine Zahl im Nachsatz und ein Argument im Streit anderer Leute. Der eine braucht sie als Beleg für die angegriffene Weltoffenheit, der andere als Beleg für das Versagen, das er seit Jahren vorhergesagt hat. Beide wollen von dem toten Menschen nichts wissen außer, wofür er sich verwenden lässt.
Angehörige finden gelegentlich Gehör. Ein Interview, ein Jahrestag, ein Antrag, dem man ansieht, dass er zur Ablehnung geschrieben wurde. Politische Wirkung entfaltet das nie. Nicht selten. Nie. Wer nach einem solchen Verlust erwartet, dass sein Fall etwas verändert, wird ein zweites Mal beschädigt, diesmal von der Institution, an die er sich gewandt hat.
Am Wochenende standen in Berlin nach Polizeiangaben mehr als 250 Zufahrtschutzelemente rund um den Tiergarten, rund um die Uhr bewacht. Ein Fahrzeug ist trotzdem hineingelangt. Man wird die Zahl der Poller erhöhen. Das ist die Form, die Konsequenz in diesem Land annimmt: eine Maßnahme, die sich fotografieren lässt.
Die Asymmetrie
Was Menschen zermürbt, ist nicht die Gewalt allein. Es ist die Beobachtung, dass derselbe Apparat, der bei der Sicherung eines Parks langsam ist, bei der Erfassung seiner eigenen Bürger außerordentlich schnell wird. Bei der Chatkontrolle, bei Meldestellen, bei der fortlaufenden Ausdehnung dessen, was als Gefährdung des Diskurses gilt, finden sich Tempo, Personal und Rechtsgrundlage in bemerkenswerter Geschwindigkeit. Bei der Frage, wie ein Mann, der im Mai aus dem Arrest kommt, im Juli einen Transporter mietet, finden sie sich nicht.
Man muss daraus keine Absicht konstruieren. Institutionen handeln schnell, wo Handeln ihnen Zuständigkeit einbringt, und langsam, wo Handeln ein Eingeständnis voraussetzt. Ein Eingeständnis zur Sicherheitsarchitektur wäre teuer und würde Karrieren kosten. Eine Sprachregelung kostet nichts und schützt alle Beteiligten gleichzeitig. Es braucht keine Verschwörung, wo die Interessen ohnehin in dieselbe Richtung zeigen.
Wer sich allein gelassen fühlt, fühlt insofern richtig. Nicht weil ihn jemand verlassen hätte, sondern weil er gelernt hat, dass sein Erschrecken keine Adresse hat. Er darf es äußern. Es wird registriert, einem Lager zugeordnet, dessen Mitglied er nie werden wollte, und damit ist es erledigt. Nicht widerlegt. Erledigt.
Bleibt die Frau. Über sie ist nichts bekannt außer, dass sie an einem Samstagabend im Tiergarten war und den Sonntag nicht mehr erlebt hat. Sie ist in Höhe der Lennéstraße gestorben, an der Stelle, an der sie getroffen wurde, so schwer verletzt, dass niemand mehr rechtzeitig bei ihr sein konnte. | 1 |
| 19 | Den ganzen Tag über hatten Hunderttausende in dieser Stadt gefeiert, und sie war eine davon, jemand, der morgens aus dem Haus gegangen ist, um einen guten Tag zu haben, und der das an diesem Tag auch hatte, bis kurz nach zweiundzwanzig Uhr.
In einem Zelt am Rand der Absperrung haben Sanitäter in dieser Nacht dreißig Menschen betreut, die keine einzige Verletzung hatten. Sie hatten nur gesehen, was geschehen ist. Das ist der Umkreis eines solchen Abends, den keine Statistik führt: die, die daneben standen und die es ihr Leben lang mit sich herumtragen werden.
Ihren Namen kenne ich nicht. Wenn er veröffentlicht wird, steht er ein paar Tage in Meldungen, gefolgt von einer Altersangabe und einem Beruf, bis ihn die nächste Meldung überschreibt. Ich habe dieses Wochenende damit zugebracht, Absätze zu zerlegen und Meldungsarchitekturen zu vermessen, während in einem Berliner Krankenhaus Angehörige gesessen haben, denen jede einzelne meiner Beobachtungen vollkommen gleichgültig gewesen wäre. Das entwertet die Analyse nicht. Es setzt sie an ihren Platz, und der ist weiter hinten, als es sich beim Schreiben anfühlt.
Ich weiß nicht, was dieser Frau geschuldet ist. Ganz sicher kein Programm und keine Forderung, die ihren Tod als Anlauf benutzt. Vielleicht nur, dass irgendwo jemand an sie denkt, ohne dabei an etwas anderes zu denken.
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| 20 | #Kommentar
Teil 1 von 2
Einzelfall, psychisch auffällig, Ermittlungen dauern an
Sie werden es längst bemerkt haben. Seit Samstagnacht arbeitet der Apparat. Jeder Kanal, jede Redaktion, jede Kommentarspalte, und die alternativen Medien nicht langsamer als die anderen, sondern schneller, weil sie weniger zu verlieren haben. Eine Frau ist tot, sechzehn Menschen sind verletzt, drei davon lebensgefährlich, und die Fahrerfrage war noch nicht geklärt, da lagen die Deutungen bereits fertig auf dem Tisch. Sie lagen dort schon vorher. Sie warten immer, sie warten nur auf den nächsten Fall, in den sie hineinpassen.
Und man kann den Rest mitschreiben, bevor er stattfindet. Die Nacht, in der niemand etwas weiß und trotzdem alle sprechen. Der Satz von der Attacke auf unsere offene Gesellschaft. Die Frage nach dem Motiv, die eine Frage nach der Herkunft ist, und die Antwort, dass zu Motiven derzeit keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen. Dann, nach zwei bis vier Tagen, die Einordnung. Sie lautet in der Regel: ein Mann. Oder: ein psychisch auffälliger Mann. Damit ist die Sache erklärt, und was erklärt ist, muss nicht mehr verhandelt werden.
Beide Formeln leisten dasselbe. Wer sagt, es seien eben Männer, macht aus der Tat eine anthropologische Konstante, und Konstanten sind kein politischer Gegenstand, man kann sie beklagen, aber nicht ändern. Wer sagt, der Täter sei krank gewesen, verschiebt die Tat aus dem Bereich der Entscheidung in den Bereich der Diagnose, und Diagnosen kennen keine Verantwortung, sie kennen Verläufe. Am Ende ist niemand zuständig. Das ist nicht der Nebeneffekt dieser Erklärungen, das ist ihr Zweck.
Wie selektiv das gehandhabt wird, sieht man an den Fällen, in denen es niemandem einfiele. Wer eine Synagoge angreift, gilt nicht als verwirrt, sondern als Täter mit einer Ideologie. Die Bereitschaft, Krankheit gelten zu lassen, richtet sich erkennbar danach, welche Schlussfolgerung sonst im Raum stünde. Man wählt die Erklärung nicht nach ihrer Wahrscheinlichkeit, sondern nach ihrer Folgenlosigkeit.
Die Choreografie
Was dann kommt, läuft so verlässlich ab, dass man einen Kalender danach stellen könnte. Tag eins die Bestürzung, aus allen Richtungen gleichzeitig. Tag zwei Blumen und ein Fototermin dazu, ein Ministerbesuch, wir lassen uns nicht spalten. Tag drei die Ankündigung einer Prüfung, denn geprüft wird immer. Woche eins die Sondersitzung, Woche zwei die hinteren Seiten, Woche drei ist es weg.
Nach ein bis zwei Monaten folgt die Konsequenz, meist eine Verschärfung, die auf den konkreten Fall nachweislich keine Anwendung gefunden hätte. Ein halbes Jahr später zeigt sich, wen sie tatsächlich trifft: überwiegend Leute, die noch nie jemanden angegriffen haben. Das ist kein Versagen. Das ist eine eingespielte Routine, deren Zweck nicht die Verhinderung der nächsten Tat ist, sondern die Beendigung der Erregung über die letzte. Der Druck steigt, der Druck fällt, alles läuft weiter wie vorher, nur mit einem Gesetz mehr im Rücken des unbescholtenen Bürgers.
In dieser Woche wird trotzdem verhandelt werden, und im Zentrum steht eine Zahl. Beide Lager werden sie brauchen. Beide werden sie falsch lesen, und zwar auf eine Weise, die man vorhersagen kann.
Weiter in Teil zwei. | 1 969 |
