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Tägliche Inspiration aus dem Wort der Wahrheit Ein Kanal von Johannes Kolletzki
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GOTTES SPIEGEL (5/6)
Wer sein Leben ganz Christus geweiht hat, will Ihm auch dienen. Je mehr er sich wie Christus bemüht, anderen ein Segen zu sein, desto mehr Licht und Liebe wird Jesus ihm geben, die er wiederum anderen zukommen lassen kann. Achte darauf, nicht andere lehren zu wollen, wenn du nicht selber täglich in Christi Schule lernst. Wir müssen Seine Lektionen wiederholen und Freundlichkeit, Geduld, Nachsicht und Liebe zeigen. Niemand kann weitergeben, was er selbst nicht besitzt. Halte das Feuer von Gottes Licht und Liebe in deinem Herzen am Brennen, damit du anderen helfen kannst, denn wir brauchen mehr Eifer, größere Hingabe und einen beständigeren, ernsthafteren Glauben. Wir müssen viel wachen, beten und in der Schrift forschen, wollen wir die wertvollen Lektionen des Glaubens lernen. Hüte dich davor, deine Gefühle zum Maßstab zu machen, denn Gefühle allein sagen nichts darüber, ob du ein Kind Gottes bist. „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Gehorsam und Glaube verbinden uns mit Jesus Christus. Lerne die schlichte Kunst, Gott beim Wort zu nehmen. Dann hast du festen Boden unter den Füßen.
Youth’s Instructor, 18. August 1886
| 2 | GOTTES SPIEGEL (4/6)
Ich hoffe, dass unsere jungen Leute in diesen Stunden der Bewährungszeit die Wahrheit ins Herz einlassen, damit die Wahrheit sie heiligen kann. Je mehr ihr über Jesu Leben, Lehren und Charakter erfahrt, desto mehr werdet ihr Ihn lieben. Je tiefer ihr Christi Selbstverleugnung und ‑aufopferung für den gefallenen Menschen versteht, desto entschlossener werdet ihr euch und alle eure Ziele auf Jesus Christus ausrichten. Jede Ausrede, um dem auszuweichen, kommt vom Feind. Seid nicht zufrieden, bis euer Herz immer stärker zu Christus hingezogen wird. Wenn ihr in der Schrift lest und über Gottes Aussprüche nachdenkt, weil ihr Ihm gehorchen wollt, wird Er euch Licht schenken. Dann werdet ihr den Wunsch haben, anderen von der Liebe zu erzählen, die euch erfüllt und antreibt. Je mehr ihr über Christus und sein selbstloses, aufopferndes Leben sprecht, desto mehr Licht und Liebe werdet ihr empfangen, die ihr anderen bezeugen könnt. So werdet ihr täglich neue Erfahrungen machen, die ihr nicht für euch behalten könnt. Es wird euch tief traurig machen, wenn andere dieses Wunder der Erlösung nicht beachten.
Youth’s Instructor, 18. August 1886 | 538 |
| 3 | GOTTES SPIEGEL (3/6)
Die einzige Hoffnung für jeden Menschen liegt in Jesus Christus, der uns das Gewand Seiner Gerechtigkeit gebracht hat, um es jedem Sünder anzuziehen, der bereit ist, sein schmutziges Kleid abzulegen. Sehr viele klammern sich an ihre schmutzige Kleidung, obwohl Christus bereitsteht, sie ihnen auszuziehen. Statt des reinen Gewandes der Gerechtigkeit Christi entscheiden sie sich für die Flecken und Makel der Sünde. Das reine, heilige Gewand ist nicht dazu da, erst nach dem Einzug in die Stadt angezogen zu werden. Alle, die dort eintreten, werden das Kleid der Gerechtigkeit Christi tragen und Gottes Namen auf der Stirn geschrieben haben. Dieser Name, den der Apostel in seiner Vision sah, ist ein Symbol dafür, dass der Mensch sich ganz einem treuen, intelligenten Gehorsam gegenüber allen Geboten Gottes verschrieben hat. Da gibt es keine Sünden und Fehler, die man verdecken müsste, damit die Unförmigkeit des Charakters nicht sichtbar wird. Kein Gewand wird nur halb gewaschen sein; alle werden rein und makellos sein.
Youth’s Instructor, 18. August 1886 | 637 |
| 4 | GOTTES SPIEGEL (2/6)
Lass dich nicht auf die Irrwege der Gottlosen führen. Der Versucher wird dir von allen Seiten einreden, es sei nicht nötig, Gottes Gesetz jetzt zu halten. Hinter diesem Gedanken steckt Satan. Gott hat Regeln, und der Mensch muss sie einhalten. Wer sie dennoch missachtet, wird nicht die Charaktervollkommenheit erlangen, die ihm Zutritt zu den Wohnungen im Himmel verschafft. Jeder kann klar verstehen, was für ein Charakter nötig ist, um als Kind in die Familie des himmlischen Königs aufgenommen zu werden, denn Gott hat diese zehn heiligen Regeln auf Steintafeln geschrieben und in der dafür angefertigten Lade, der sogenannten Bundeslade, aufbewahrt. Der Deckel der Lade war aus reinem Gold und hieß Gnadenstuhl, was darauf hinweist, dass, obwohl auf Gesetzesübertretung die Todesstrafe steht, Jesus Christus Gnade gebracht hat, um dem bereuenden, glaubenden Sünder zu vergeben.
Youth’s Instructor, 18. August 1886 | 714 |
| 5 | GOTTES SPIEGEL (1/6)
Gott hat uns in Seinem Wort einen Spiegel gegeben, in dem der Sünder seine Charaktermängel entdecken kann. Der Spiegel ist Gottes königliches Gesetz, die Zehn Gebote. Wir sollen unseren Charakter mit Gottes Gesetz vergleichen, und wenn das Gesetz uns verurteilt, weil wir irgendein Gebot übertreten, ist unser Gewand beschmutzt. Alle Anstrengungen aus eigener Kraft können nicht einen einzigen Flecken oder Spritzer entfernen. Wir müssen zu Jesus gehen, unser Herz vor Ihm demütigen, unsere Sünden bekennen und sie ablegen. Wir dürfen Gottes Gesetz nicht länger übertreten, sondern müssen Reue gegen Gott und Glauben an unseren Herrn Jesus Christus üben. Jesus ist der Einzige, der die schmutzigen Sündenkleider ausziehen und uns das Gewand Seiner Gerechtigkeit anziehen kann.
Etwas hast du dabei auch zu tun: Du musst den Herrn aufrichtig und entschieden suchen und deine Sünden aufgeben, denn Jesus wird dich nicht retten, wenn du weiter das Gesetz brichst. Durch Glauben an Christus musst du die Sünde überwinden. Durch die Kraft, die Jesus dir schenkt, musst du Tag für Tag deine Charakterkleider im Blut des Lammes waschen und weiß machen. Und wie dankbar können wir Gott sein, dass wir das nicht mit unserer eigenen begrenzten Kraft bewältigen müssen! Jesus verbindet unsere menschlichen Bemühungen mit göttlicher Hilfe.
Youth’s Instructor, 18. August 1886 | 778 |
| 6 | Gott möchte Sein Bild in dir wiederherstellen. Glaube daran, dass Er dein Helfer ist. Nimm dir vor, Ihn kennenzulernen. Kommst du mit Sündenbekenntnis und Reue zu Ihm, kommt Er dir mit Gnade und Vergebung entgegen. Wirkst du mit Furcht und Zittern auf deine Erlösung hin, wirkt Er in dir „das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen“ (Philipper 2,13).
Review and Herald, 15. Februar 1912 | 734 |
| 7 | Liebe Väter und Mütter, wie kann ich zum Ausdruck bringen, was für eine große Verantwortung ihr habt! Der Charakter, den ihr vor euren Kindern an den Tag legt, erzieht sie – entweder zu Dienern Gottes oder zu Dienern des eigenen Ichs. Betet darum ernsthaft zum Himmel um die Hilfe des Heiligen Geistes, damit euer Herz geheiligt wird und euer Verhalten Gott ehrt und eure Kinder für Christus gewinnt! Eltern sollten verstehen, wie feierlich und heilig ihre Aufgabe ist, und sich bewusst machen, dass ihr eigenes unbedachtes Reden oder Handeln ihre Kinder auf Abwege führen kann.
Review and Herald, 1. Februar 1912 | 890 |
| 8 | Christus starb, um Sünder zu retten – nicht in ihren Sünden, sondern von ihren Sünden. Die Warnung in der Offenbarung zeigt uns die schrecklichen Folgen der Übertretung. Ein Mund, der nicht lügen kann, hat erklärt, dass Gottes Gesetz heilig, gerecht und gut ist. Unsere Pflicht, diesem Gesetz zu gehorchen, ist der Kern der letzten Gnadenbotschaft an die Welt.
Gottes Gesetz ist keine neue Erfindung. Das Gesetz hat Heiligkeit nicht eingeführt, sondern bekanntgemacht. Es beschreibt die Prinzipien von Barmherzigkeit, Güte und Liebe. Es zeigt dem gefallenen Menschen Gottes Charakter und macht deutlich, was alles von ihm erwartet wird. „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand und mit all deiner Kraft.“ (Markus 12,30) Diese Aufforderung beinhaltet die Prinzipien der ersten vier Gebote. „Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Vers 31) An diesen zwei Grundsätzen hängt das ganze Gesetz und die Propheten, und es sind diese Grundsätze, die der dritte Engel verkündet, der erklärt, dass der Schöpfer schon immer Gehorsam gegenüber Seinem königlichen Gesetz gefordert hat und immer fordern wird.
Manuskript 88, 20. August 1897 | 858 |
| 9 | Mit Seinem irdischen Leben gab der Heiland uns ein Muster des geheiligten Lebens, das zu unserem werden kann, wenn wir unsere Tage dazu verwenden, denen Gutes zu tun, die unsere Hilfe brauchen. Es ist unser Vorrecht, den Traurigen Freude zu bringen, den Betrübten Licht und denen, die am Ende sind, Leben. Die Frage des Herrn gilt uns: „Warum steht ihr hier den ganzen Tag untätig? Arbeitet, solange es Tag ist! Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.“ (Matthäus 20,6; Johannes 9,4) Jedes Wort und jede Tat, womit wir zum Glück anderer beitragen, trägt zu unserem eigenen Glück bei und macht unser Leben wie das Leben von Christus.
Manuskript 49, 8. April 1907 | 868 |
| 10 | Die mächtigen Wahrheiten aus Gottes Wort sind verkündigt worden. Werden sie angenommen, machen sie Männer, Frauen und Kinder zu Tätern von Gottes Wort. Dann wirkt ihr Glaube durch die Liebe und reinigt die Seele … Hat die Wahrheit keinen heiligenden Einfluss auf die, die sie angeblich glauben, zeigt es, dass sie Gottes Willen nicht tun. Sie sind falsche Zeugen für die Wahrheit, Wegweiser in die falsche Richtung …
Selbstliebe schließt Liebe zu Christus aus. Wer für sich selbst lebt, gehört zur Gemeinde Laodizea, die weder kalt noch heiß, sondern lau ist. Das Feuer der ersten Liebe ist zu Selbstsucht und Egoismus degeneriert … Echter Glaube und echte Liebe sind die wahren Reichtümer. Durch sie wird der Charakter „vollendet in Christus“. Gäbe es mehr Glauben, schlichten, vertrauensvollen Glauben an Jesus, dann gäbe es auch Liebe, reine Liebe, das Gold eines christlichen Charakters. Würde jeder bekennende Nachfolger Christi Seine Worte verstehen und bereitwillig in die Tat umsetzen, wäre alles anders.
Manuskript 61, 8. Mai 1898 | 962 |
| 11 | Wie vielen mangelt es an Liebe! O, würden doch Hass, Konkurrenzdenken, Streit und die Wurzel der Bitterkeit, wodurch viele verunreinigt werden, von der Liebe ausradiert werden! Ein Herz, in dem Neidgefühle, Hass, Eifersucht und Unterstellungen Raum haben, kann unmöglich die Liebe Jesu aufnehmen und verbreiten …
Viele täuschen sich selbst – die Grundsätze der Liebe wohnen nicht in ihrem Herzen. Sie mögen die Augen vor ihren Irrtümern und Fehlern verschließen, aber Gott können sie nicht täuschen. Wir brauchen eine Reformation. Der Pflug der Wahrheit muss tiefe Furchen in unser stolzes Herz ziehen und den verkrusteten Boden unserer ungeheiligten Natur aufbrechen, bevor Jesu Geist und Liebe hineingepflanzt werden können. Die Zeit drängt. Jedes Werk wird bald ins Gericht kommen, und entweder werden unsere Sünden aus dem Lebensbuch ausgelöscht oder unsere Namen.
Youth’s Instructor, 13. Januar 1898 | 1 085 |
| 12 | Je mehr wir über das Himmlische nachdenken, desto weniger Anziehungskraft hat das Irdische auf uns. Je beständiger wir mit dem Auge des Glaubens auf Christus sehen, der im Zentrum unserer Hoffnung auf ewiges Leben steht, desto mehr wächst unser Glaube, wird unsere Hoffnung stärker, unsere Liebe inniger und intensiver … Je mehr wir Christus betrachten, von Seinen Verdiensten reden und Seine Macht bezeugen, desto vollständiger wird Sein Bild in unserem Charakter sichtbar.
Brief an Samuel Hare, 7. März 1893 | 987 |
| 13 | Lass dich nicht entmutigen, wenn du Fehler machst. Der Herr mag kleine Fehler zulassen, um dich vor größeren zu bewahren. Geh zu Jesus, bitte Ihn um Vergebung, und dann glaube, dass Er dir vergeben hat. „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.“ (1. Johannes 1,9)
Review and Herald, 7. April 1904 | 1 162 |
| 14 | Schaut auf das Kreuz von Golgatha! Es ist der bleibende Zeuge für die grenzenlose Liebe und unermessliche Barmherzigkeit des Vaters im Himmel.
O, würden doch alle bereuen und die ersten Werke tun! Wenn die Gemeinden das tun, werden sie Gott über alles lieben und ihren Nächsten wie sich selbst … Spaltungen werden dann geheilt, Streit und Gezeter in Israels Grenzen nicht mehr zu hören sein. Durch Gottes frei verschenkte Gnade wird sich jeder bemühen, Christi Gebet wahrzumachen, dass Seine Jünger eins sind, wie Er und der Vater eins sind. Frieden, Liebe, Gnade und Wohlwollen werden herrschen. Jeder wird über die Liebe Christi sprechen, und der treue Zeuge wird nicht mehr sagen müssen: „Ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast.“ (Offenbarung 2,4) Gottes Volk wird in Christus bleiben, Jesu Liebe wird offenbart. Ein Geist wird die Herzen erfüllen, das Bild Christi in allen wiederbeleben und erneuern und alle Herzen in Gleichklang bringen. Alle werden als lebendige Reben am wahren Weinstock mit Christus, dem lebendigen Haupt, vereint sein. Christus wird in jedem Herzen wohnen, wird führen, trösten und heiligen … Die Einheit der Gemeinde Christi wird der Beweis sein, dass Gott Seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat.
Review and Herald, 20. März 1894 | 1 211 |
| 15 | Wenn wir uns durch lebendigen Glauben Gott übergeben, damit Er uns bewahrt, werden wir nicht enttäuscht werden, denn Seine Verheißungen haben keine Grenze außer unserem Glauben. „Alles ist möglich dem, der glaubt.“ (Markus 9,23)
Viele hätscheln und entschuldigen ihre Charakterfehler, tatsächlich aber müssen sie alle behoben werden. Jede Abweichung vom Recht ist Sünde, und Sünde muss abgelegt werden … Viele bekennen ihre Sünden immer wieder, ohne sie durch echte Reue abzulegen. Ohne feste Entschlossenheit und die Gnade Gottes sind die besten Vorsätze und die größte Wachsamkeit sinnlos und machtlos, wenn die Versuchung kommt. Einige geben dann verzweifelt auf und denken, sie müssten für immer Sklaven der Sünde bleiben. Ihnen fehlt lebendiger Glaube an Jesus.
Wir dürfen nicht uns selbst trauen, sonst werden wir versagen. Jesus hat die Mächte der Finsternis entwaffnet, und es ist der Glaube an Seine Stärke, der uns stark macht. Für jeden, der Ihm vertraut und glaubt, wird Er ein Banner gegen Satan aufrichten. Er hat uns versichert, dass Seine Gnade für uns ausreicht und die Versuchung nicht über unsere Kräfte gehen wird. Darin liegt unsere einzige Hoffnung.
Signs of the Times, 6. März 1884 | 1 173 |
| 16 | Niemand braucht das ewige Leben zu verfehlen. Wer immer sich entscheidet, täglich vom himmlischen Lehrer zu lernen, wird seine Berufung und Erwählung festmachen …
„Befleißigt euch umso mehr, eure Berufung und Erwählung festzumachen! Denn wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr niemals straucheln. Denn so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesus Christus.“ (2. Petrus 1,10f) …
Was für ein Zusicherung! Was für eine Hoffnung! Lasst uns der Welt stets zeigen, dass wir ein besseres Land suchen, nämlich ein himmlisches. Für uns wurde der Himmel gemacht, und wir möchten daran teilhaben. Wir dürfen nicht zulassen, dass uns irgendetwas von Gott und dem Himmel trennt. In diesem Leben müssen wir Teilhaber der göttlichen Natur sein …
Vereint sollen wir einander helfen, zur Charaktervollkommenheit zu gelangen. Alles Kritisieren muss dazu aufhören. Schritt für Schritt dürfen wir der Vollkommenheit immer näherkommen, bis uns am Ende reichlich der Eingang ins Himmelreich gewährt wird.
Review and Herald, 26. März 1904 | 1 148 |
| 17 | BRIEF AN MARTHA (6/6)
Du hast eine Neigung zum Trübsinn geerbt, daher solltest du ständig eine positive, hoffnungsvolle Haltung pflegen. Deine Eltern haben dir eine ausgeprägte Gewissenhaftigkeit weitergegeben, und von deiner Mutter hast du außerdem die Tendenz, dich eher zu gering einzuschätzen als zu hoch. Manche Menschen sind so veranlagt, dass nur eine strenge Zurechtweisung sie berührt, aber bei dir reicht schon ein Wort. Wärst du in einer Situation, wo du anderen hilfst, würdest du die mühsamsten und anstrengendsten Arbeiten freudig erledigen und am Ende trotzdem unter dem Gefühl leiden, du hättest nichts geleistet.
Samuel, der schon als Kind Gott diente, brauchte einen ganz anderen Erziehungsstil als jemand mit einem starken Eigenwillen, der sich nichts sagen lässt. Du bist nicht in einer kaputten Familie aufgewachsen, auch wenn menschliche Fehler dazugehörten. Mir sind alle deine Umstände offenbart worden. Ich kenne dich viel besser als du dich selbst. Gott wird dir helfen, über Satan zu triumphieren, wenn du einfach vertraust, dass Jesus die Schlachten für dich schlägt, die deine begrenzte Kraft übersteigen.
Du liebst Jesus, und Er liebt dich. Vertrau Ihm also geduldig, und sprich immer wieder: „Herr, ich bin dein.“ Wirf dich mit ganzem Herzen auf Christus. Nicht Freude ist der Beweis, dass du ein Christ bist. Dein Beweis ist ein „So spricht der Herr“. Meine liebe Schwester: Im Glauben lege ich dich Jesus Christus in die Arme.
An Schwester Martha Bourdeau, 6. Februar 1887 | 1 245 |
| 18 | BRIEF AN MARTHA (5/6)
Niemand verlangt, dass du dir eigene Lasten aufbürdest – du gehörst ja Christus. Du bist in Seiner Hand. Seine ewigen Arme umfangen dich. Du hast kein Leben geführt, das man als „Sündenleben“ bezeichnen würde. Dein Gewissen schreckt vor Bösem zurück, dein Herz möchte grundsätzlich das Richtige tun. Wende dich jetzt einfach von den Dornen und Disteln ab, und schau auf die Blumen.
Blicke fest auf Jesus, die Sonne der Gerechtigkeit! Mach aus deinem gütigen, liebevollen Vater im Himmel nicht einen Tyrannen, sondern halte dir Seine Zärtlichkeit vor Augen, Sein Mitleid, Seine tiefe, weite Liebe, Sein großes Mitgefühl. Seine Liebe ist größer als die einer Mutter für ihr Kind. Eine Mutter mag vergessen, doch ich will dich nicht vergessen, spricht der Herr (Jesaja 49,15). Es ist mein inniges Gebet, dass Sein reicher Segen auf dir ruht.
An Schwester Martha Bourdeau, 6. Februar 1887 | 1 165 |
| 19 | BRIEF AN MARTHA (4/6)
O, wie viele wandern auf einem finsteren Weg und betrachten die anstößigen, unschönen Dinge links und rechts, obwohl nur einen Schritt höher die Blumen wachsen! Sie glauben, sie hätten kein Recht, sich Kind Gottes zu nennen und die Verheißungen des Evangeliums in Anspruch zu nehmen, weil ihnen der Beweis fehlt, dass Gott sie angenommen hat. Sie machen schmerzliche Kämpfe durch und plagen sich wie einst Martin Luther auf der Suche nach der Gerechtigkeit Christi.
Viele meinen, sie könnten nur so zu Jesus kommen wie das besessene Kind, das der Dämon niederriss und hin und her schleuderte, als es zum Heiland gebracht wurde. Doch solche Konflikte und Anfechtungen braucht es bei dir nicht. Richard Baxter [ein puritanischer Pastor im 17. Jahrhundert] machte sich große Sorgen, weil er nicht zu einer so quälenden, beschämenden Selbsterkenntnis fand, wie es seiner Meinung nach sein sollte. Doch schließlich fand er dafür eine gute Erklärung, und Friede zog in sein Herz ein.
An Schwester Martha Bourdeau, 6. Februar 1887 | 1 285 |
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