D e E i k b o m
Ick weit einen Eikbom, de steiht an de See,
de Nurdstorm de drust in sin Knäst;
stolz reckt hei de mächtige Kron in de Höh,
so ist dat all dusend Johr wäst.
Kein Minschenhand
de hett em plant't;
hei reckt sick von Pommern bet Nedderland.
Ick weit einen Eikbom vull Knorrn un vull Knast,
up den'n föllt kein Bil nich un Axt.
Sin Bork is so rug un sin Holt is so fast,
as wie hei mal bannt un behext.
Nicks hett't em dan,
hei ward noch stahn,
wenn weder mal dusend von Johren vergahn.
Un de König un sine Fru Königin
un sin Dochter, de gahn an den Strand:
,,Wat deit dat för'n mächtigen Eikbom sin,
de sin Telgen reckt aewer dat Land?
Wer hett em plägt,
wer hätt em hägt,
dat hei sine Bläder so lustig rögt?"
Un as nu de König so Antwurt begehrt,
trett vör em en junge Gesell:
,,Herr König, si hefft such jo süß nich drüm schert,
jug' Fru nich un juge Mamsell!
Kein vörnähm Lüd,
dei hadden Tit,
tau seihn, ob den Bom ok sin Recht geschüht.
Un doch gräunt so lustig de Eikbom upstunns.
Wi Arbeitslüd hebben em wohrd;
de Eikbom, Herr König, de Eikbom is uns'
uns plattdütsche Sprak ist un Ort.
Kein vörnähm Kunst
hett s' uns verhunzt,
fri wüssen s' tau höchten ahn Königsgunst."
Rasch gifft em den König sin Dochter de Hand:
,,Gott säg'n di, Gesell, för din Räd!
Wenn de Stormwind einst brust dörch dat dütsche Land,
denn weit ick ne säckere Städ!
Wer eigen Ort
fri wünn un wohrt,
bi den is in Not ein taum besten verwohrt!
🪦 -Fritz Reuter (Heinrich Ludwig Christian Friedrich Reuter ), geboren am 07.11.1810 in Stavenhagen - verstorben am
12.07.1874 in Eisenach-
(Aus ,,Hanne Nüte un de lütte Pudel")
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D e r E i c h b a u m
Ich weiß einen Eichbaum, der steht an der See,
der Nordsturm braust in sein Geäst;
stolz reckt er die mächtige Krone in die Höhe,
so wie das schon tausend Jahre war.
Keine Menschenhand
hat ihn gepflanzt;
er reckt sich von Pommern bis Niederland.
Ich weiß einen Eichbaum voller Knorrn und (Ast)stümphen,
den fällt kein Beil und nicht die Axt.
Seine Rinde ist so rauh und sein Holz ist so fest,
als wäre er gebannt und behext. (.. als stünde er unter einem mächtigen Zauber)
Nichts kann ihm etwas anhaben,
er wird noch stehen,
wenn noch einmal tausend Jahre vergehen.
Und der König und seine Frau Königin
und seine Tochter, die gingen an den Strand:
,,Was soll das für ein mächtiger Eichbaum sein,
der seine Äste über das Land reckt?
Wer hat ihn gepflanzt,
wer hat ihn gehegt,
daß er seine Blätter so lustig regt?"
Und als nun der König so Antwort begehrt,
tritt vor ihn ein junger Geselle:
,,Herr König, ihr habt euch ja sonst nicht darum geschert,
jung' Frau nicht und junge Mamsell!
Keine vornehmen Leute,
die Zeit gehabt hätten,
zu sehn, ob dem Baum auch sein Recht geschieht. (... es ihm gutgeht)
Und doch grünt so lustig der Eichbaum jetzt.
Wir Arbeitsleute haben ihn bewahrt;
der Eichbaum, Herr König, der Eichbaum ist unser
unsere plattdeutsche Sprache ist unsere Art.
Keine vornehmen Kunst
hat sie uns verhunzt,
frei wuchs sie empor, ohne Königsgunst."
Rasch gibt ihm des Königs Tochter die Hand:
,,Gott segne dich, Geselle, für deinen Rat!
Wenn der Sturmwind einst braust durch das deutsche Land,
dann weiß ich eine sichere Stätte!
Wer die eigene Art
frei gewann und bewahrt,
bei dem ist man in der Not am besten bewahrt (aufgehoben)!
@DeutscheDD