Banken, Versicherungen & Finanzen in Süddeutschland während der NS-Zeit
Bayerische Vereinsbank (München)
Die Bayerische Vereinsbank – eine der wichtigsten Vorgängerinstitutionen der heutigen HypoVereinsbank (UniCredit) – spielte während des Dritten Reiches eine aktive Rolle bei der „Arisierung“ jüdischer Unternehmen.
Sie verwaltete und übernahm Vermögen enteigneter jüdischer Geschäftsleute, gewährte Kredite für Zwangsverkäufe und finanzierte Projekte, die unmittelbar der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft dienten.
In Bayern war sie ein zentrales Finanzinstitut für Industrieunternehmen, die Wehrmachtsaufträge erhielten.
Nach 1945 wurde diese Verstrickung lange verschwiegen; erst im Zuge der 1990er-Jahre begann eine allmähliche historische Aufarbeitung durch Unternehmenshistoriker.
Württembergische Vereinsbank / Landesbank Baden-Württemberg (Stuttgart)
Die Vorgängerin der heutigen LBBW war im Dritten Reich in vielfältiger Weise in die NS-Wirtschaft eingebunden.
Sie finanzierte Rüstungsbetriebe im Raum Stuttgart, Heilbronn und Ulm, darunter Maschinenbauer und Metallfabriken, die Zwangsarbeiter einsetzten.
Auch bei Enteignungen jüdischer Immobilien und Handwerksbetriebe trat sie als Käuferin, Kreditgeberin oder Vermittlerin auf.
Nach 1945 setzte die Bank ihre Tätigkeit fast nahtlos fort – viele leitende Angestellte blieben im Amt.
Eine offene historische Aufarbeitung erfolgte erst Jahrzehnte später, meist im Rahmen regionaler Studien zur Wirtschaftsgeschichte Württembergs.
Sparkassen und Volksbanken (regional)
Zahlreiche lokale Sparkassen und Volksbanken in Süddeutschland beteiligten sich aktiv an der ökonomischen Enteignung jüdischer Bürgerinnen und Bürger.
Sie verwalteten eingefrorene Konten deportierter Familien, gaben Guthaben an die Finanzämter des NS-Staates weiter und unterstützten „Arisierungen“ durch Kredite für Käufer, die jüdische Geschäfte übernahmen.
In Städten wie Ulm, Reutlingen, Heilbronn und Ravensburg sind konkrete Fälle dokumentiert, in denen Sparkassen die Vermögensübertragung an „Arier“ begleiteten.
Viele dieser Banken stellten ihre Dienste nach dem Krieg als „rein verwaltungstechnisch“ dar – ohne die moralische Dimension anzuerkennen.
Allianz Versicherung (München)
Die Allianz, deren Zentrale sich in München befand, profitierte in Süddeutschland direkt von den „Arisierungen“.
Versicherungspolicen jüdischer Haus- und Grundbesitzer wurden nach der Enteignung eingezogen oder an neue Eigentümer übertragen.
Gleichzeitig war die Allianz ein wichtiger Partner des NS-Staates bei der Absicherung von Wehrmachtsbauten, Flugplätzen und Industrieanlagen, etwa der BMW- und Messerschmitt-Werke.
Erst Anfang der 2000er Jahre wurde die Rolle des Unternehmens durch eine umfassende Studie unter Leitung des Historikers Gerald Feldman öffentlich gemacht.
Versicherungsanstalten und öffentliche Finanzämter
Auch staatliche Versicherungen, etwa die Württembergische Landesbrandversicherung oder die Bayerische Versorgungskammer, profitierten indirekt von der Enteignungspolitik.
Sie übernahmen beschlagnahmte Immobilien, zahlten Prämien an NS-Behörden aus und beteiligten sich an Bauversicherungen für Zwangsarbeiterlager und Wehrmachtsliegenschaften.
Diese Form der bürokratischen Beteiligung war typisch für viele öffentliche Institutionen, die sich als „neutral“ betrachteten, tatsächlich aber funktional Teil des Unrechtssystems waren.
Fazit
Das süddeutsche Finanzwesen war während der NS-Zeit tief in die wirtschaftliche Struktur der Diktatur eingebettet.
Banken und Versicherungen profitierten von:
• der „Arisierung“ jüdischer Vermögen,
• der Kreditvergabe an Rüstungsbetriebe,
• und der Verwaltung der Finanzen deportierter Menschen.
Anders als Industrieunternehmen, die sichtbare Kriegsproduktion betrieben, agierten Banken und Versicherungen im Hintergrund – aber sie ermöglichten und stabilisierten das System finanziell.
Erst viele Jahrzehnte nach dem Krieg begann eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dieser Mitverantwortung, und selbst heute bleibt sie in vielen Regionalbanken nur unvollständig dokumentiert.