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Zusammenfassung des Kapitels 9:
Die Arbeitsbedingungen bei WMF (Württembergische Metallwarenfabrik) in Geislingen/Steige während des Zweiten Weltkriegs waren für die dort eingesetzten jüdischen Zwangsarbeiterinnen extrem hart, entwürdigend und lebensgefährlich.
Ort und Rahmen
• Das Zwangsarbeitslager Geislingen war ein Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof in Elsass.
• Etwa 120 polnische Jüdinnen kamen im November 1944 aus Bergen-Belsen dorthin; zuvor waren schon etwa 700 ungarische Jüdinnen im Lager.
• Sie wurden gezwungen, in der WMF-Fabrik (damals ein Rüstungsbetrieb) zu arbeiten.
Art der Arbeit
• Die Frauen mussten in Tag- und Nachtschichten arbeiten, ohne Rücksicht auf Alter oder körperliche Verfassung.
• Ihre Aufgaben in der WMF-Fabrik umfassten:
- Metallverarbeitung für Rüstungsgüter (z. B. Teile für Flugzeuge oder Waffen),
- Schleifen, Stanzen, Polieren von Metallteilen,
- Transportarbeiten und Reinigungsdienste.
• Nur die Schwächsten oder Kränksten wurden im Lager selbst eingesetzt (z. B. in Küche, Reinigung, Kohlenlager).
Arbeitszeiten
• 12-Stunden-Schichten waren üblich.
• Viele Frauen arbeiteten wochenlang in der Nachtschicht, ohne je zu wechseln.
• Es gab keine freien Tage, außer wenn Bombenalarm herrschte.
Verpflegung
• Die Ernährung war völlig unzureichend:
- Morgens: eine Tasse dünner Kaffee-Ersatz,
- Mittags: wässrige Suppe, meist aus Rüben oder Kohl,
- Abends: ein Stück Brot mit Marmelade (oft verschimmelt oder ungleich verteilt).
• Ständiger Hunger war Alltag; viele Frauen riskierten Schläge, um Kartoffelschalen oder Abfälle aus der Küche zu stehlen.
Kleidung und Schutz
• Sie erhielten Häftlingskleidung mit blauen und weißen Streifen, aus rauem, teergetränktem Stoff, der die Haut reizte.
• Keine Unterwäsche, Holzschuhe, oft offen hinten, bei Schnee und Eis rutschten sie und froren.
• Es gab keine Heizung in den Baracken, keine Möglichkeit, Kleidung zu waschen oder zu wechseln.
Behandlung und Strafen
• Die Aufseherinnen (SS-Frauen und sogenannte „Kapos“) waren brutal, häufig sadistisch.
• Prügel, Schläge mit Stöcken oder Fäusten, Ohrfeigen und Tritte waren alltäglich.
• Für Kleinigkeiten, wie das Stehlen einer Kartoffel, langsames Arbeiten oder doppelte Essensausgabe, wurden Frauen:
- öffentlich geschlagen (25 Hiebe),
- stundenlang im Schnee stehen gelassen,
- vom Essen ausgeschlossen oder
- in der Fabrik zusätzlich bestraft.
• Einige Frauen verloren Zähne, erlitten Knochenbrüche oder wurden zu Tode geprügelt.
Umgang in der WMF-Fabrik
• SS-Wachen begleiteten die Kolonnen von der Baracke in die Fabrik.
• WMF-Angestellte (zivile Deutsche) sahen die Zwangsarbeiterinnen, durften aber meist nicht mit ihnen sprechen.
• Es gab einige seltene Akte von Mitgefühl (z. B. ein Wärter, der heimlich Essen zusteckte), doch das war verboten und riskant.
• Viele zivile Mitarbeiter profitierten stillschweigend von der Arbeit der Frauen, die Produktion lief weiter.
Gesundheit und Erschöpfung
• Ständige Kälte, Hunger, Überarbeitung und fehlende medizinische Versorgung führten zu Krankheiten:
- Lungenentzündungen,
- Abmagerung,
- Entzündungen durch Verletzungen.
• Wer zu schwach war, wurde ausgemustert oder in andere Lager verlegt.
Zeitzeugenberichte
Einige Zitate aus den Aussagen:
„Wir arbeiteten Tag und Nacht. Wenn man umkippte, wurde man geschlagen, bis man wieder stand.“
„Ich verlor einen Schuh im Schnee und musste wochenlang mit einem Fuß barfuß laufen.“
„In der Fabrik war es kalt und laut, aber wenigstens war man für einige Stunden aus dem Blick der SS-Frauen.“
Zusammenfassung
Die Arbeitsbedingungen bei WMF waren:
• Zwangsarbeit unter SS-Aufsicht,
• völlig unmenschlich,
• geprägt von Hunger, Kälte, Gewalt und Angst,
• ein Teil des nationalsozialistischen KZ-Systems, eingebunden in die deutsche Kriegswirtschaft.