Täglich ein Nietzsche-Zitat / A Nietzsche quote a day
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Man wird am besten für seine Tugenden bestraft.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 132)
Gebet zu Menschen. — „Vergieb uns unsere Tugenden“ — so soll man zu Menschen beten.
(Menschliches, Allzumenschliches II, „Vermischte Meinungen und Sprüche“, 405)
One is punished best for one's virtues.
[tr.: Helen Zimmern]
Prayer to Mankind. — “Forgive us our virtues”—so should we pray to mankind.
[tr.: Paul V. Cohn]
Was Jemand ist, fängt an, sich zu verrathen, wenn sein Talent nachlässt, — wenn er aufhört, zu zeigen, was er kann. Das Talent ist auch ein Putz; ein Putz ist auch ein Versteck.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 130)
What a person IS begins to betray itself when his talent decreases,--when he ceases to show what he CAN do. Talent is also an adornment; an adornment is also a concealment.
[tr.: Helen Zimmern]
Der Teufel hat die weitesten Perspektiven für Gott, deshalb hält er sich von ihm so fern: — der Teufel nämlich als der älteste Freund der Erkenntniss.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 129)
The devil has the most extensive perspectives for God; on that account he keeps so far away from him:--the devil, in effect, as the oldest friend of knowledge.
[tr.: Helen Zimmern]
Je abstrakter die Wahrheit ist, die du lehren willst, um so mehr musst du noch die Sinne zu ihr verführen.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 128)
The more abstract the truth is that you would teach, the more you have to seduce the senses to it.
[tr.: thenietzschechanneldotcom]
Ein Volk ist der Umschweif der Natur, um zu sechs, sieben grossen Männern zu kommen. — Ja: und um dann um sie herum zu kommen.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 126)
A people is a detour of nature to get to six or seven great men.— Yes: and then to get round them.
[tr.: thenietzschechanneldotcom]
Wer auf dem Scheiterhaufen noch frohlockt, triumphirt nicht über den Schmertz, sondern darüber, keinen Schmerz zu fühlen, wo er ihn erwartete. Ein Gleichniss.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 124)
He who rejoices even at the stake triumphs not over pain but at the fact that he feels no pain where he had expected to feel it. A parable.
[tr.: thenietzschechanneldotcom]
Der Wille, einen Affekt zu überwinden, ist zuletzt doch nur der Wille eines anderen oder mehrer anderer Affekte.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 117)
The will to overcome an emotion, is ultimately only the will of another, or of several other, emotions.
[tr.: Helen Zimmern]
„Du willst ihn für dich einnehmen? So stelle dich vor ihm verlegen —“
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 113)
"You want to prepossess him in your favour? Then you must be embarrassed before him."
[tr.: Helen Zimmern]
Wer sich zum Schauen und nicht zum Glauben vorherbestimmt fühlt, dem sind alle Gläubigen zu lärmend und zudringlich: er erwehrt sich ihrer.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 112)
To him who feels himself preordained to contemplation and not to belief, all believers are too noisy and obtrusive; he guards against them.
[tr.: Helen Zimmern]
Unsre Eitelkeit ist gerade dann am schwersten zu verletzen, wenn eben unser Stolz verletzt wurde.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 111)
Our vanity is most difficult to wound just when our pride has been wounded.
[tr.: Helen Zimmern]
Die Advokaten eines Verbrechers sind selten Artisten genug, um das schöne Schreckliche der That zu Gunsten ihres Thäters zu wenden.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 110)
The advocates of a criminal are seldom artists enough to turn the beautiful terribleness of the deed to the advantage of the doer.
[tr.: Helen Zimmern]
Der Verbrecher ist häufig genug seiner That nicht gewachsen: er verkleinert und verleumdet sie.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 109)
The criminal is often enough not equal to his deed: he extenuates and maligns it.
[tr.: Helen Zimmern]
Es giebt gar keine moralischen Phänomene, sondern nur eine moralische Ausdeutung von Phänomenen.....
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 108)
There is no such thing as moral phenomena, but only a moral interpretation of phenomena.
[tr.: Helen Zimmern]
Wenn der Entschluss einmal gefasst ist, das Ohr auch für den besten Gegengrund zu schliessen: Zeichen des starken Charakters. Also ein gelegentlicher Wille zur Dummheit.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 107)
A sign of strong character, when once the resolution has been taken, to shut the ear even to the best counter-arguments. Occasionally, therefore, a will to stupidity.
[tr.: Helen Zimmern]
Wenn die Göttin Musik in Worten, statt in Tönen, reden wollte, so würde man sich die Ohren zuhalten.
(NF-1882, 3[1], 420)
If the goddess Music wanted to speak in words, instead of in tones, one would shut one's ears.
Vermöge der Musik geniessen sich die Leidenschaften selbst.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 106)
By means of music the very passions enjoy themselves.
[tr.: Helen Zimmern]
Dem freien Geiste, dem „Frommen der Erkenntniss“ — geht die pia fraus noch mehr wider den Geschmack (wider seine „Frömmigkeit“) als die impia fraus. Daher sein tiefer Unverstand gegen die Kirche, wie er zum Typus „freier Geist“ gehört, — als seine Unfreiheit.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 105)
The free spirit, the "pious man of knowledge"—finds pia fraus ["pious fraud"] even more offensive to his taste (to his kind of "piety") than impia fraus. Hence the profound lack of understanding of the church typical of the "free spirit"— his kind of unfreedom.
[tr.: thenietzschechannel]
Die Gefahr im Glücke. — „Nun gereicht mir Alles zum Besten, nunmehr liebe ich jedes Schicksal: — wer hat Lust, mein Schicksal zu sein?“
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 103)
THE DANGER IN HAPPINESS.--"Everything now turns out best for me, I now love every fate:--who would like to be my fate?"
[tr.: Helen Zimmern]
Heute möchte sich ein Erkennender leicht als Thierwerdung Gottes fühlen.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 101)
A discerning one might easily regard himself at present as the animalization of God.
[tr.: Helen Zimmern]
Vor uns selbst stellen wir uns Alle einfältiger als wir sind: wir ruhen uns so von unsern Mitmenschen aus.
(Jenseits von Gut und Böse, „Sprüche und Zwischenspiele“, 100)
We all feign to ourselves that we are simpler than we are, we thus relax ourselves away from our fellows.
[tr.: Helen Zimmern]
