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nd.Muckefuck

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Der bittersüße Newsletter für Berlin. Morgens, Links, Ungefiltert. 🌇 Montag bis Freitag, immer um 5 Uhr neu. ☕️ Auch wir Journalist*innen müssen unsere Bohnen bezahlen. Wir freuen uns über ein paar Münzen für unsere Kaffeekasse: dasnd.de/kaffeekasse

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Was heute noch wichtig ist: 🔥 Heißes Pflaster für 244 Alleebäume Bei der Sanierung der Seestraße in Zeuthen sollen Linden, Roteichen, Spitzahorn und Robinien gefällt werden. Der Naturschutzbund klagte dagegen Andreas Fritsche 😂 Überhöhte Mieten in Berlin: Einzelfälle oder System? Die Vermieterlobby behauptet, nur in Ausnahmen würden illegal hohe Mieten verlangt. Verfügbare Zahlen deuten in eine andere Richtung. David Rojas Kienzle 🚃 Die Reichsbahn – eine realsozialistische Insel in West-Berlin Von der Poliklinik über Parteisekretäre bis zu Materialmangel: Tausende Menschen arbeiteten zu Mauerzeiten für Westmark in einem DDR-Betrieb. Nicolas Šustr 〰️〰️〰️ Und später: 🎉 Buttmannstraßenfest Am Samstag lädt das Stadtteilkomitee Wedding zum Straßenfest in der Buttmannstraße. Ein Fest von Nachbar*innen für Nachbar*innen. Bei dem Fest haben die Organisator*innen ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm mit Live-Musik, die von Rock bis Rap reicht. Hier gibt es das Programm schon mal vorab, um die Vorfreude zu stillen. Mit dabei sind unter anderem: TVIKK Murgos rüya Gordian CAVA KEROSIN95 4. Juli ab 14 Uhr Buttmannstraße Berlin-Wedding 〰️〰️〰️ Video des Tages: 🫶 Life goes on....tschüssi, wir lesen uns im Spetember! | Quelle: Youtube

☕️ Bevor es hier in vollen Schlücken weiter geht: Auch wir Journalist*innen müssen unsere Bohnen verdienen, und freuen uns über ’nen Euro für unsere Kaffeekasse. 💸

An dieser Stelle verabschiedet sich euer liebster linker Berlin-Newsletter in seine jährliche Sommerpause. Während wir Redakteur*innen uns mit dem Wahlkampfgetöse rumschlagen werden, seid ihr im »nd« natürlich weiterhin gut mit Neuigkeiten und Hintergründen aus der Stadtpolitik versorgt. Wir hören uns dann zur großen Stunde wieder – kurz der der Abgeordnetenhauswahl im September. Zweieinhalb Monate vor der Wahl liegt die Linke übrigens laut Infratest-dimap-Umfrage mit 20 Prozent vorn. Dahinter folgen die Grünen mit 19 Prozent und die AfD mit 18 Prozent. Es bleibt also spannend! Passt auf euch auf! Jule Meier, Team Hauptstadtregion

☕️ nd.Muckefuck – Berlin, links, ungefiltert, Freitag, 3. Juli 2026: Ordnungamt mopst Nacktbader die Klamotte: Allerlei Kuriositäten aus dem neuesten Bericht des Abgeordnetenhauses Sicherheitsbehörden rüsten gegen links auf: Nach dem Anschlag auf Berlins Stromnetz bilden V-Schutz und BKA neue Einheit Linkspartei liegt mit 20 Prozent vorn: Aktuelle Umfragewerte prognostizieren ein rotes Berlin 🗞 📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen. Guten Morgen, Berlin! Und guten Morgen an alle Hauptstädter*innen mit Problemen. Der Muckefuck weckt euch heute mit den gaaaaaaanz wichtigen Problemen aus dem Hautstadtsumpf. Keine Sorge: es geht weder um unbezahlbare Mieten, rassistische Polizeikontrollen oder gar um zunehmende Angriffe durch Nazis im Kiez. Stattdessen widmen wir uns der Frage, was ein Berliner tun kann, wenn ihm das Ordnungsamt beim Baden den Schlüpper mopst. Klingt komisch, ist aber so geschehen: Als ein 60-jähriger Mann 2025 *illegalerweise* nackig in einem Berliner Gewässer schwamm, kassierte das Ordnungsamt seine Klamotten als »herrenlose Fundsache« ein. Nur im Handtuch bekleidet musste der Mann die Beamten 600 Meter entfernt aufspüren und zur Rede stellen. Das lief wohl weniger gut – der Streit ging bis vor Gericht. Darum wandte sich der Mann an den Petitionsausschuss. Noch nie gehört? Der Petitionsausschuss besteht aus zwölf Abgeordneten, die Berliner*innen bei Stress mit den Behörden anhören. Am Donnerstag veröffentlichten sie ihren Jahresbericht 2025 mit allerlei kurioser Bürgerbeschwerden. Im Falle des Unterhosen-Streits befand der Ausschuss, dass sich das Bezirksamt bei dem 60-Jährigen entschuldigen muss. In einem anderen Fall dürfte ein Bürger weniger befriedigt sein: Er hatte sich über die schwarzen Mülltonnen als Wahlurne beschwert. Für ihn eine Andeutung, dass seine Stimme »für die Tonne« sei, heißt es in dem Bericht. Leider gab es keine Schlichtung. Grund: Berlin hat kein Geld für schickere Urnen. Wofür Berlin allerdings mehr Geld locker macht, beziehungsweise genauer gesagt der Bund, ist natürlich der Kampf gegen Linksextremismus. Anlass ist der Anschlag auf das Stromnetz im Südwesten der Stadt Anfang des Jahres. Der Anschlag wird einer mutmaßlichen Vulkangruppe zugeordnet, die der Bundesverfassungsschutz (BfV) als »linksextremistisch« einstuft. Ich habe beim Bundeskriminalamt (BKA) nachgehakt, wie es eigentlich um die Ermittlungen steht. Schließlich hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) ja ein Kopfgeld von über einer Millionen Euro für Hinweise ausgesetzt. Der Zeugenaufruf endete am 24. Februar, teilte mir das BKA mit. »Dem Bundeskriminalamt wurde bis zum Ablauf der Frist eine mittlere dreistellige Zahl an Hinweisen zugeleitet, welche entsprechend auch über den Auslobungszeitraum hinaus weiterhin bearbeitet und intensiv überprüft werden«, heißt es von der Behörde. Weitere Auskünfte zu den Tatverdächtigen oder zum Aufklärungsstand könne man aufgrund des laufenden Ermittlungsverfahrens nicht geben. Dafür offenbart eine Antwort auf eine AfD-Anfrage im Bundestag, was sich viele Linke bereits denken konnten: Der Bundesverfassungsschutz und das Bundeskriminalamt rüsten gegen links auf. Welche Details dazu bereits bekannt ist, lest ihr in meinem Artikel.

Was heute noch wichtig ist: 🛠 Stahl aus Hennigs­dorf: Tradition und Zukunft Verein der Stahl- und Walzwerker eröffnet Treffpunkt in der ehemaligen Wache der Betriebsfeuerwehr. Andreas Fritsche 🕯 Das »schönste« Konzentrationslager Vor 90 Jahren kamen die Häftlinge des KZ Esterwegen nach Sachsenhausen. Sie mussten dort ein neues Lager errichten. Die Gedenkstätte erinnert daran. Andreas Fritsche 📝 Inklusive Bildung: Eher Wunsch als Wirklichkeit Studie: Mehrheit der Kinder mit Behinde­rungen besucht not­ge­drungen Förder­schulen. Die Voraus­setzungen für gemein­sames Lernen sind meist nicht gegeben. Finja Wolf 〰️〰️〰️ Und später: 🏙 Ausstellung: Zur Wohnungsfrage. Historische und aktuelle Kämpfe ums Wohnen Der Kapitalismus formt unseren Alltag nach Regeln des Profits. Diese Regeln schlagen sich auch im Zusammenleben in der Stadt nieder, indem öffentliche Plätze und Orte kommerzialisiert werden und Wohnraum als Ware behandelt wird. Vermieter*innen profitieren davon, Wohnungen zu vermieten, wohingegen die Mieter*innen einen erheblichen Anteil ihres Einkommens dafür aufbringen müssen, jeden Monat ihre Miete zu bezahlen. Dieser Gegensatz hat mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert in Berlin zu Kämpfen um ein Stadt jenseits kapitalistischer Verwertungslogiken geführt. Sie dauern bis heute an. In diesen Kämpfen wurde um bezahlbare Mieten genauso gerungen, wie um eine Stadt, die für alle da ist. Die Ausstellung stellt in historischen Tiefenbohrungen diese Kämpfe um ein Berlin jenseits der Kapitallogik dar. ab 02. Juli um 17 Uhr Museum des Kapitalismus Köpenicker Str. 172, 10997 Berlin 〰️〰️〰️ Video des Tages:Nach dem Angriff im Mai 2025 porträtierten wir Lasko Schleunung im Video | Quelle: Tiktok/ndaktuell

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Bald könnte es schwieriger werden, den Widerstand gegen die rechte Gewalt zu organisieren. Denn die CDU will die Versammlungsfreiheit in Berlin empfindlich einschränken. In Form des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner fordern die Konservativen, den Begriff der »öffentlichen Ordnung« an mehreren Stellen im Versammlungsgesetz festzuschreiben. Der puddingartig dehnbare Begriff könnte dann genutzt werden, um Demonstrationen nach willkürlichen Kriterien mit Auflagen zu belegen oder ganz zu verbieten. Anlass für Wegners Ausflug in autoritäre Sphären ist eine tatsächlich unappetitliche Demonstration am Samstag: 600 Menschen hatten sich am Gendarmenmarkt in Mitte versammelt, um vorgeblich das schiitische Aschura-Fest zu begehen. Gezeigt wurde dann jedoch Bilder iranischer Mullahs und des Hisbollah-Anführers Hassan Nasrallah. Der Begriff »öffentliche Ordnung« im Versammlungsgesetz hätte das indes kaum verhindern können. Denn im Vorfeld war der fundamentalistischer Charakter der Demonstration nicht erkennbar. Welche Chancen Wegners Repressionsträume auf reale Umsetzung haben, hat unsere Innenexpertin Jule Meier herausgefunden. Gibt die Hoffnung auf rote statt braune Platten im Berliner Osten nicht auf: Marten Brehmer Team Hauptstadtregion

☕️ nd.Muckefuck – Berlin, links, ungefiltert, Donnerstag, 2. Juli 2026: Attacke gegen Andersdenkenden: Linke-Politiker in Lichtenberg mit Flasche beworfen – Angriff auf die Versammlungsfreiheit: Wegner will Versammlungsfreiheitsgesetz ändern – Anschlag auf Inklusion: Behinderte Kinder besuchen mehrheitlich keine Regelschulen 🗞 📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen. Guten Morgen, wer sich gegen Nazis engagiert, ist in Berlin nicht sicher. Erfahren musste das in der Nacht auf Mittwoch Lasko Schleunung. Der Linke-Nachwuchspolitiker wurde Opfer einer brutalen Attacke – und das nicht zum ersten Mal. Ein unbekannter Mann beleidigte ihn bei einem nächtlichen Spaziergang im Nibelungenpark zunächst als »dumme Zecke«. Anschließend folgte ein handfester Angriff: Eine Glasflasche flog gegen den Hinterkopf des 19-Jährigen. Schleunung flüchtete aus der Parkanlage, eine Anwohnerin alarmierte die Rettungskräfte. Schleunung kam mit einer Verletzung am Kopf für eine stationäre Behandlung in ein Krankenhaus. Der Staatsschutz ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Angegriffene ist in Lichtenberg bekannt wie ein bunter Hund: Trotz seines jungen Alters hat Schleunung in dem Ostbezirk schon einiges bewegt. Innerhalb des Bezirksverbands der Linkspartei war er am Aufbau einer »Arbeitsgruppe Antifaschismus« beteiligt. Für die Sozialisten ist er auch Bürgerdeputierter in der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung. Auch außerhalb der Partei engagiert er sich vielfältig. So ist er in einer Kirchengemeinde aktiv und unterstützt Tierschutzprojekte. Für sein Engagement erhielt er mehrere Preise. Schleunung war bereits in der Vergangenheit Opfer rechter Angriffe. 2021, damals gerade mal 14 Jahre alt, wurde er vor einem Infostand am Bahnhof Lichtenberg von einem ortsbekannten Neonazi attackiert und am Arm verletzt. Im Frühjahr 2025 gingen bei der Geschäftsstelle der Lichtenberger Linken dann an ihn persönlich gerichtete Morddrohungen ein. »Lasko töten«, hieß es unverblümt in den anonymen Brief. Den Worten folgten Taten. Im März 2025 wurde er zunächst bespuckt, im Mai desselben Jahres attackierte ein Unbekannter Schleunung nachts in einem Park mit einem Faustschlag auf den Hinterkopf. Er erlitt eine Gehirnerschütterung und musste mehrere Tage im Krankenhaus verbringen. »Der Kampf muss weitergehen«, sagte Schleunung damals. Die wiederholten Angriffe auf den antifaschistisch aktiven jungen Mann stehen nicht isoliert: 891 extrem rechte und diskriminierende Vorfälle dokumentierte die Lichtenberger Registerstelle für 2025. Dies ist der Höchststand seit Bestehen des Registers. 39 Mal kam es demnach zu gewalttätigen Angriffen. Rechte attackierten ihre Opfer unter anderem in S-Bahnen, in Supermärkten oder auf offener Straße. Das jüngste Opfer war ein zwölfjähriges Mädchen, das in Neu-Hohenschönhausen von einer Frau zunächst rassistisch beleidigt wurde. Als sich das Mädchen in einen Hauseingang flüchtete, folgte die Unbekannte ihr und schüttelte sie so heftig, dass das Kind ärztlich behandelt werden musste. Lichtenberger Zustände.

Interessant ist für den »Muckefuck« in diesem Kontext, was im Wärmeplan alles als »unvermeidbare Abwärme« zählt. Das größte Potenzial sieht der Senat nämlich bei Rechenzentren. Schon jetzt liegen mindestens 15 Pläne für weitere solcher Serverfarmen in Berlin vor, der »KI-Boom« treibt die Entwicklung voran. »Die Neuansiedlung von Rechenzentren bietet die Chance, diese beziehungsweise die in der Kühlung anfallende Abwärme perspektivisch für die Berliner Wärmeversorgung zu nutzen«, heißt es im Wärmeplan. Bizarr, angesichts dessen, dass Rechenzentren wegen ihres hohen Energieverbrauchs und auch wegen den Emissionen bei der Herstellung von Servern etc. als besonders klimaschädlich gelten. Angesichts solcher Perspektiven aus dem Senat wollen BUND, Naturfreunde und Energietisch eigene Pläne schmieden. Es brauche mehr Aktion aus der Stadtgesellschaft, sagt Judith Dellheim. Und man geht mit gutem Beispiel voran: Ende August wird es einen Wärmegipfel geben, auf dem Alternativen zur dystopischen Klima- und Wärmepolitik diskutiert werden. Wer mitmachen will, kann hier mehr lesen. In Potsdam drehen sich Debatten um ein Rechenzentrum, das nicht für die Generierung von mittelmäßigen KI-Videos oder die KI-gestützte Vorbereitung von Bombenschlägen im Nahen Osten genutzt wird. Im 1971 fertiggestellten ehemaligen Datenverarbeitungszentrum des VEB Maschinelles Rechnen surren auch keine Computer mehr. Seit 2015 wird das noch erhaltene Verwaltungsgebäude als Kunst- und Kreativhaus genutzt. Aber ein direkter Nachbar bedroht sein Fortbestand. Die Stiftung Garnisonkirche will nach dem Turm der Kirche auch das Kirchenschiff wieder aufbauen. Dafür soll das DDR-Rechenzentrum weichen. Schon der Wiederaufbau des Kirchturms war heftig umstritten. Sie ist der Ort, an dem 1933 Adolf Hitler dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg mit einer Verbeugung die Hand reichte. Der Handschlag gilt als Symbol der Allianz von Faschismus und preußischem Militarismus. Was die aktuellen Debatten sind, und was die Nutzer*innen des Rechenzentrums von der ganzen Chose halten, hat unser Brandenburg-Experte Andreas Fritsche für euch hier aufgeschrieben. Ab jetzt wir mit AI-Slop geheizt! David Rojas Kienzle Team Hauptstadtregion

Was heute noch wichtig ist: 🪁 Architekten widersprechen Bebauungsplänen für Tempelhofer Feld Gewinner des Ideenwettbewerbs kritisieren den Umgang des Senats mit den Ergebnissen. Paul Taylan 🚓 Die Polizei, dein Feind und Hehler Ein Bürger ersteigert im Internet von der Justiz freigegebene Elektrogeräte und wird beim Weiterverkauf plötzlich der Hehlerei bezichtigt. Andreas Fritsche 👷‍♀️ Tesla und Ceva Logistics: Zusätzliche Jobs und Arbeitslose Die Firmen Tesla und Ceva Logistics schaffen zusammen bis zu 1800 neue Stellen. Doch die Arbeitslosenzahlen in der Hauptstadtregion steigen weiter. Andreas Fritsche 〰️〰️〰️ Und später: 👮🏻‍♂️ Polizeilicher Antiziganismus mit dem Konzept der „Clankriminalität“ Deutsche Polizeibehörden haben in den letzten 120 Jahren über fünf staatliche Systeme hinweg eine zentrale Rolle bei der Ausgrenzungs- und Verfolgungspolitik gegenüber Sinti*zze und Rom*nja gespielt. In der Veranstaltung beleuchten wir auf Basis von Vorfallsberichten aus Monitoringstellen die Auswirkungen des kriminologischen Konzepts der »Clankriminalität« als aktuellster Form antiziganistischer Polizeipraxis. Markus End, wissenschaftlicher Mitarbeitet am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin Valerie Laukat, Dosta/MIA Berlin, Amaro Foro e.V. Alexander Cramer, MIA Bund Moderation: Mohammed Chahrour 〰️〰️〰️ Video des Tages: 🤖 Der Strom- und Wasserbedarf von Rechenzentren wird immer größer. Aber nicht nur deswegen haben sie katastrophale Folgen für den Klima und Umwelt | Quelle: YouTube, ARTEde

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☕️ nd.Muckefuck – Berlin, links, ungefiltert, Mittwoch, 1. Juli 2026: Nach der Hitze kommt die Heizung: Gegen den Klimawandel soll in Zukunft mit Rechenzentren geheizt werde – Preußischer Militarismus gegen Kulturzentrum: Das »Rechenzentrum« in Potsdam soll der Garnisonkirche weichen – Bezahlbarer Wohnraum als strategische Erfindung: Architekten kritisieren neue Baupläne für das Tempelhofer Feld 🗞 📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen. Guten Morgen, Berlins Regierender Bürgermeister, Kai Wegner steht Dienstag Mittag auf dem Balkon des Roten Rathauses und zieht an einer Zigarette. Der CDU-Politiker hat dann theoretisch einen guten Blick auf eine kleine Aktion die auf dem Vorplatz stattfindet. Der Berliner Energietisch, die Berliner Naturfreunde und der BUND Berlin machen ihre Kritik an der Berliner Heizungspolitik deutlich. Die Berliner Gluthitze, unter der am Wochenende so gut wie alle in der Hauptstadt leiden mussten, hat ihre Ursache in der voranschreitenden Klimakrise. Um dieser zu begegnen hat sich das Land Berlin das wenig ambitionierte Ziel gegeben, bis 2045 klimaneutral zu werden. Ein Baustein dafür: Der Berliner Wärmeplan 2026, der vor gut zwei Wochen beschlossen wurde. Rund 40 Prozent der Berliner Emissionen stammen aus der Beheizung von Gebäuden und Warmwasserbereitung. Der Wärmeplan macht ein paar unverbindliche Vorschläge, um den Wärmesektor zu transformieren. Erreicht werden soll das einerseits durch die die energetische Sanierung des Gebäudebestandes, um den Wärmeverbrauch zu senken. Andererseits durch dem Wechsel von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energien und der Nutzung von »unvermeidbarer Abwärme«. Vorgaben an Immobilienbesitzer macht er aber nicht. »2045 ist eigentlich viel zu spät«, sagt Judith Dellheim, vom Berliner Energietisch, die vor dem Roten Rathaus in einem Bärenkostüm steckt. Die Frage, wie Berlin bis zu diesem späten Datum klimaneutral werden solle, kläre der Wärmeplan nicht, sagt sie. Delia Hinz, auch vom Berliner Energietisch, bemängelt, dass der Wärmeplan vor allem eine Feststellung des Status quo sei, und es keine verbindlichen Vorgaben an die Bezirke für eine tatsächliche Umsetzung der Wärmewende gebe. Was die drei vor dem Rathaus versammelten Organisationen außerdem eint, ist die Sorge, dass die Wärmewende, so wie sie geplant ist, zulasten der Mieter*innen gehen wird. Schon jetzt sind steigende Energiekosten ein Problem: 2025 wurden über 12 000 Berliner Haushalten der Strom gesperrt, rund 1250 Haushalten das Gas. »Uns Mietern steht das Wasser ziemlich bis zum Hals. Nicht nur die Mieten steigen, sondern auch die Nebenkosten – und da vor allem die Kosten für das Heizen ins Unbezahlbare«, sagt Peter Schmidt vom Bündnis Mietenwahnsinn. Eine soziale Wärmewende bedeute, dass das gemacht werde, was die Menschen bräuchten und nicht »was die maximalen Profite für die Konzerne bringt«.

Was heute noch wichtig ist: 🚴‍♀️ Mauerweg: Freie Fahrt im ehemaligen Sperrgebiet In Teltow wurde ein weiterer Abschnitt des Berliner Mauerwegs saniert. Die Ausbesserung der gesamten Strecke soll bis 2028 abgeschlossen sein. Andreas Fritsche 💩 Die Zeit der AfD ist in Brandenburg noch nicht gekommen Bei der Landratsstichwahl in Ostprignitz-Ruppin besiegt SPD-Landrat Ralf Reinhardt den AfD-Kandidaten Torsten Arndt. Andreas Fritsche 〰️〰️〰️ Meine Sicht: ⚡️ Meine Sicht: Die Berliner Mauer noch im Kopf Für die deutsche Teilung soll es keine andere Erklärung geben als die SED-Diktatur, aber es gibt dennoch andere Sichtweisen, meint Andreas Fritsche. 〰️〰️〰️ Und später:Info-Veranstaltung: »Gewaltschutz bleibt politisch!« Die Regenbogenfabrik in Kreuzberg lädt heute ein zu einer Info-Veranstaltung über das Gewalthilfegesetz: »Lasst uns über die Ursprünge der autonomen, feministischen Anti-Gewalt-Arbeit sprechen: Wie war es damals und wie sieht es eigentlich heute aus, wo das Gewalthilfegesetz droht, die autonomen Strukturen vollends zurückzudrängen? Denn gerade jetzt ist es wichtig, in einen Austausch miteinander zu kommen, um Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren und Antifeminismus und Faschisierung gemeinsam entgegenzuwirken! Unsere Vernetzung soll dabei eine Brücke sein zwischen Hauptamtlichen und somit Expert*innen der Anti-Gewalt-Arbeit und der linken, feministischen Szene.« Heute, 30. Juni um 19:30 Uhr Regenbogenfabrik Lausitzer Straße 21a, 10999 Berlin Eintritt frei 〰️〰️〰️ Video des Tages: ☀️ Frank Schöbel & Chris Doerk – Heißer Sommer | Quelle: YouTube/Ostmusik

☕️ Bevor es hier in vollen Schlücken weiter geht: Auch wir Journalist*innen müssen unsere Bohnen verdienen, und freuen uns über ’nen Euro für unsere Kaffeekasse. 💸

Für drei Milliarden Euro sollen demnach Hitzequartiere abgekühlt, Bäume gepflanzt und zusätzliche Grünflächen und Parks geschaffen werden. Bis zu zwanzig Grad kühler kann es laut Baumentscheid e.V. unter Bäumen werden. Der schwarz-rote Senat aber, kritisiert Strößenreuther, komme nicht in die Gänge. Ende Mai habe das Projekt eigentlich starten müssen, doch der Senat stelle nicht die nötigen Ressourcen bereit. »Es wurde noch kein Mitarbeiter extra abgestellt«, sagt Strößenreuther. »Das ist, als würde man eine halbe Praktikantenstelle mit dem Bau des BER betreuen.« Stattdessen plane die CDU lieber, Hunderte Bäume auf dem Tempelhofer Damm zu fällen. Mit einer Petition will die Initiative den Regierenden Kai Wegner zum Handeln bewegen. Gegen die Pläne am Tempelhofer Damm ist eine Demonstration für kommenden Sonntag geplant. Der »Muckefuck« aber hat Verständnis. Die Hitze lähmt uns alle, wahrscheinlich auch den Senat. Folgen wir den Worten der Innensenatorin Iris Spranger, die gestern den Einsatz der Wasserwerfer, zur Abwechslung mal im friedlichen Kontext, als »sehr, sehr gute Idee« lobte, ist die Sache klar: Auch vor dem Abgeordnetenhaus könnte die Berliner Polizei für Abkühlung sorgen. Eine Investition in den Klimaschutz sind die Fahrzeuge übrigens allemal. Wie der »Muckefuck« in Kurzrecherche herausfand, kostet die Anschaffung eines dieser Wasserwerfer (vom »Spiegel« liebevoll »Nassmacher« genannt) rund 900.000 Euro. Die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, sind derweil die Angestellt vom Berliner Anne-Frank-Zentrum gewohnt. Seit Jahren organisieren sich die Mitarbeiter*innen, damit ihr Arbeitgeber als eigenständiger Verein, der aber öffentliche Förderung erhält, den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes der Länder (TV-L) anwendet. Trotz allen Erfolgen lagen die Löhne der Festangestellten beim Anne-Frank-Zentrum zuletzt teilweise noch unter den Einkommen TV-L-Beschäftigter. Nun wurden neue Vereinbarungen über bessere Arbeitsbedinungen getroffen. Wie die Gewerkschaft Verdi mitteilt, habe man die »dynamische Bezugnahme« zum TV-L wieder einsetzen können. Außerdem sei es gelungen, sich auf Verbesserungen zu einigen, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht. »Das ist richtig fett«, sagt Verdi-Verhandlungsführerin Jana Seppelt unserem Gewerkschaftsexperten Christian Lelek. Auch wenn noch nicht alle Ziele erreicht seien, sieht sie einen wichtigen Schritt nach vorne. Welche Verbesserungen die Gewerkschaft im Einzelnen erzielen konnte, erfahrt ihr in seinem Text. Dankt dem lieben Herrgott für jeden Tropfen Regen: Patrick Volknant, Team Hauptstadtregion

☕️ nd.Muckefuck – Berlin, links, ungefiltert, Dienstag, 30. Juni 2026: Glühende Stadtglatzen: Initiative Baumentscheid misst Oberflächentemperaturen jenseits der 60 Grad – Lodernder Arbeitskampf: Verdi erringt bessere Arbeitsbedingungen am Anne-Frank-Zentrum – Brandneue Sitzbänke: Weiterer Abschnitt des Berliner Mauerwegs in Teltow saniert 🗞 📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen. Guten Morgen, was waren das für tolle Bilder! Menschen gehen baden an der Krummen Lanke oder lassen sich am Potsdamer Platz vom Wasserwerfer der Berliner Polizei bespritzen. Scheinbar grandiose Gutwetterlaune, von der sich auch der ein oder andere Reporter hat anstecken lassen. Nicht aber der »Muckefuck«, der auch heute noch – mit etwas kühlerem Kopf – das Gefühl nicht loswird: So ganz normal war das alles nicht. Den Eindruck teilen offenbar die Aktivist*innen vom Baumentscheid e.V., die am Hitzerekord-Wochenende auf den Berliner »Stadtglatzen« nachgemessen haben. Wer wissen will, was zur heißen Hölle das heißen soll, muss wie immer weiterlesen. »Das Wochenende hat gezeigt: Bäume und Hitzeschutz bekommen eine ganz neue Bedeutung«, sagt Heinrich Strößenreuther vom Baumentscheid dem »Muckefuck«. Die Berichterstattung über das Wochenende in manchen Medien sei das eine. »Wenn man aber in die Pflegeeinrichtungen guckt, sieht man die Folgen solcher Rekordtemperaturen für die Menschen.« Bei Ausnahmen werde es nicht bleiben, führt Strößenreuther aus. Schon bis 2050 könne eine Erderwärmung von drei Grad erreicht sein. »Solche Temperaturen werden das neue Normal. Und wir müssen uns jetzt systematisch darauf vorbereiten.« Gendarmenmarkt, Alexanderplatz, Humboldt Forum: Auf stark versiegelten Flächen staute sich am Wochenende die Hitze an. Orte wie diese, »neu gestaltete oder sanierte Plätze und Straßenräume ohne ausreichende Baumbeschirmung«, bezeichnet der Baumentscheid in einer neuen Mitteilung als »Stadtglatzen«. Hier wollen die Aktivist*innen am Samstag zwischen 13 und 15 Uhr mit einer Wärmebildkamera die jeweiligen Oberflächentemperaturen nachgemessen haben. Die Ergebnisse bringen den »Muckefuck« schon beim Lesen zum Kochen. 48,8 Grad am Gendarmenmarkt, 53,9 Grad am Alex und 50,6 Grad am Humboldt Forum zählen dabei noch zu den gemäßigten Werten. In den Top drei finden sich der Platz zwischen Kanzleramt und Bundestag (59 Grad), die Heidestraße bei der Europa-City (59,9 Grad) sowie der gemütliche Washingtonplatz am Hauptbahnhof (62,6 Grad). »Hätten wir erst um 16 oder 17 Uhr gemessen, wären die Werte wahrscheinlich noch höher gewesen«, sagt Strößenreuther. Damit es Berliner*innen künftig erspart bleibt, auf einer 55 Grad heißen Friedrichstraße shoppen zu gehen, fordert er – wenig überraschend – die Umsetzung des Berliner Klimaanpassungsgesetzes, das 2025 aus dem Volksbegehren der Baumentscheid-Initiative hervorging.

Was heute noch wichtig ist: 🚊 Bahn frei für neue S-Bahn-Züge Unterlegener Bieter Alstom verzichtet auf weitere rechtliche Schritte. Die Verträge können unterzeichnet werden. Nicolas Šustr 🐘 Berliner Tierpark: Afrikanische Elefanten sind zurück Nach sechs Jahren Abwesenheit leben wieder Dickhäuter im Tierpark Berlin. Mit dem Regierenden Bürgermeister besucht sie ein anderes hohes Tier. Andreas Fritsche 🚲 Werder (Havel): Grundstein für Fahrradparkhaus gelegt Am Bahnhof von Werder (Havel) werden 357 überdachte Stellplätze für Drahtesel gebaut. Es besteht großer Bedarf. Andreas Fritsche 〰️〰️〰️ Und später: 📚 Antiquarische Buchwoche vom 29. Juni bis zum 5. Juli Der Verein Helle Panke lädt zur Antiquarischen Buchwoche ein: »Seit über 30 Jahren bieten wir antiquarische Bücher aus Spenden und Nachlässen an. Unser Bücherkeller ist voll. Wir brauchen Platz! Vom 29. Juni bis zum 5. Juli ist täglich von 10 bis 17 Uhr Zeit für Buchschnäppchen. Dann gibt es Sonderangebote und Mengenrabatte, vor allem für: DDR-Literatur, Krimis, Weltliteratur, Bildbände, Kunstbücher, Philosophie, Geschichte, Marxismus und Leninismus, Klassensätze, Buchreihen, Wörterbücher und vieles mehr. Wir freuen uns über Ihren Besuch!« Heute, 29. Juni bis Sonntag, 5. Juli, täglich 10 bis 17 Uhr Helle Panke e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin 〰️〰️〰️ Video des Tages: 🍦 Acht Eimer Hühnerherzen – Eis auf Ex | Quelle: YouTube/RookieRecordsGermany und Acht Eimer Hühnerherzen

☕️ Bevor es hier in vollen Schlücken weiter geht: Auch wir Journalist*innen müssen unsere Bohnen verdienen, und freuen uns über ’nen Euro für unsere Kaffeekasse. 💸

Während das Bedürfnis, etwas gegen den Sozialabbau zu machen, Maja und Irina in der brütenden Hitze zur Kundgebung in den Invalidenpark getrieben hat, treibt die brütende Hitze andere wiederum in offene Kirchengebäude – nicht, um für besseres Wetter zu beten, sondern weil Kirchen selbst in der Regel ziemlich kühl sind. Das Land Berlin wünscht sich daher noch viel mehr offene Kirchentüren im Sommer herbei. In der Praxis allerdings klappt das nicht so gut, wie unsere Autorin Marina Mai herausgefunden hat. Nur 13 evangelische und ähnlich wenige katholische Kirchen können wochentags tatsächlich eine Zuflucht vor der Sommerhitze bieten, vielen anderen fehlen wohl die Ressourcen für die Aufsicht. Die Kirchen, die doch offen sind, vermelden wiederum kein erhöhtes Aufkommen an besonders heißen Tagen. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr hier. Was in der Praxis auch nicht so gut klappt: Berliner Bäume vom Eichenprozessionsspinner freizuhalten. Zumindest fordern die Bezirke, denen diese Aufgabe zukommt, mehr Unterstützung vom Berliner Senat, um auf die Ausbreitung des Schmetterlings zu reagieren. Denn die in Nestern in den Eichen lebenden Raupen können starke allergische Reaktionen bei Menschen hervorrufen, weshalb sie in mühsamer Arbeit von den Bäumen entfernt werden müssen. Dass die Eichenprozessionsspinner sich überhaupt so wohl vielen in Berlin und Umgebung, dass liegt auch an der Klimakrise- »Eichenprozessionsspinner mögen trockene und warme Frühjahre«, sagt Derk Ehlert, Wildtierexperte des Senats, zu meiner Kollegin Jule Meier. Sie hat sich mit der diesjährigen Raupensituation gründlich auseinandergesetzt. Ihren Artikel findet ihr hier. Habt einen guten Start in die Woche! Lola Zeller, Team Hauptstadtregion

☕️ nd.Muckefuck – Berlin, links, ungefiltert, Montag, 29. Juni 2026: Sozialabbau brennt mehr als Sonne: Bei fast 40 Grad kommt große Kundgebung zur Verteidigung des Sozialstaats zustande – Kirchen, öffnet eure Pforten: Nur wenige kirchliche Gebäude bieten wochentags Zuflucht vor der Hitze – Schmetterling hält Bezirke in Schach: Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners ist eine mühsame Aufgabe 🗞 📩 Den gesamten Newsletter in Farbe in der Webversion lesen. Guten Morgen, an so heißen Tagen, wie wir sie dieses Wochenende in der Hauptstadt hatten, lautet die Empfehlung des Berliner Landesamts für Gesundheit an die Bürger*innen: Sich in kühlen Räumen aufhalten und Aktivitäten in den heißen Stunden des Tages meiden. Trotzdem haben sich am Samstagmittag bei fast 40 Grad rund 1000 Menschen im Invalidenpark versammelt. Denn der Abbau des Sozialstaats brennt den Berliner*innen mehr unter den Nägeln, als die Sonne auf dem Kopf. »Es reicht«, rufen die Demonstrierenden lautstark auf einer Kundgebung, zu der unter anderen der Gewerkschaftsbund DGB Berlin-Brandenburg und der Berliner Mieterverein aufgerufen haben. Ein breites Bündnis wehrt sich gegen den Angriff der Bundesregierung auf Rente, Krankenversicherung, den Acht-Stunden-Arbeitstag und Co. Wer Platz findet, drängt sich im Schatten der großen Pappel oder der kleinen aufgebauten Pavillons zusammen. Mitten in der prallen Sonne auf dem Platz vor der Bühne, geschützt mit Sonnenhut und -brille, steht aber Claudia und ruft lautstark die Parolen mit: »Rente – Finger weg! Krankenversicherung – Finger weg!« »Ich bin hier, weil mir die Zukunft sehr hoffnungslos erscheint«, sagt Claudia zum »Muckefuck«. Die 31-Jährige aus Wedding treibt die Angst vor den politischen Entwicklungen um, etwa dass ihre Mutter ihre Krankenversicherung verlieren könnte oder ihr Partner eingezogen wird. Auch vor einer Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit graut es der Programmiererin, der schon die 40-Stunden-Woche zu schaffen macht. »Im IT-Bereich merkt man das ja total: Die Effektivität steigt, aber die Arbeitszeit geht nicht runter. Dinge, die vorher Stunden gebraucht haben, dauern jetzt nur eine Minute, und trotzdem sollen wir immer mehr arbeiten?« Wütend über die Sozialkürzungen sind auch die Sozialarbeiter*innen Maja und Irina. Schon jetzt erleben sie, wie Kürzungen in der Jugendhilfe und der Wohnungslosenhilfe in Berlin – dort sind beide jeweils tätig – schlimme Konsequenzen für die Betroffenen haben. »Es findet gar keine Bedarfsprüfung mehr statt«, berichtet Maja aus der Jugendhilfe. So würden junge Menschen, die etwa ein bestimmtes Alter wie 20 oder 21 Jahre erreicht haben, zum Teil keine Unterstützung mehr erhalten, obwohl sie diese noch bräuchten, und müssten aus den Jugendhilfe-Einrichtungen ausziehen. »Dann landen die Menschen bei uns in der Wohnungslosenhilfe«, sagt Irina. Auch hier fehlten die Mittel, die Unterkünfte seien voll und die Zustände vor allem in den Notunterkünften schlimm. »Wir erleben beide täglich den krassen Kahlschlag.« Viele Sozialarbeiter*innen hielten diese Zustände nicht aus und verließen den Job, sagt Maja. »Alle wollen kündigen, aber man muss sich doch organisieren und zusammen etwas dagegen machen.« Noch ein paar weitere Infos gibts hier.