Schönen guten Morgen, liebe Freunde! ☕️🙂
🔐 Pawlowo am Oka: Stadt der Schlösser, Messer und Zitronen
Freunde, der Mittwoch ist ein Tag, an dem man Lust auf etwas Ungewöhnliches hat. Heute fahren wir in eine Stadt, die man das „russische Solingen“ nennt.
Lernen Sie kennen —
Pawlowo am Oka.
🗡️ Eine Stadt, in der Eisen in den Händen der Meister sang
Pawlowo wird erstmals in einer Urkunde Iwans des Schrecklichen aus dem Jahr 1566 erwähnt. Doch der eigentliche Ruhm kam später.
Bereits 1621 gab es hier 11 Schmieden, 1677 waren es 40, und gegen Ende des 17. Jahrhunderts zählte man bereits etwa 50. Die örtlichen Meister waren in ganz Russland berühmt: Sie fertigten Messer, Scheren, Vorhängeschlösser, Blankwaffen und Schusswaffen.
Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Pawlowo zum Zentrum des größten handwerklichen Metallverarbeitungsgebiets des Landes, zu dem mehr als 200 Dörfer und Ortschaften gehörten. Hier schmiedete man alles — von Tafelmessern bis zu Waagenbalken.
🔐 Schlösser von der Größe einer Erbse
Das eigentliche Wahrzeichen Pawlowos sind Schlösser. Sie wurden für jeden Geschmack hergestellt: von riesigen Scheunenschlössern bis zu winzigen, die in eine Handfläche passten.
Zum ersten Mal erwähnte der reisende Ausländer Kilburger im Jahr 1674 die miniaturhaften Pawlowo-Schlösser.
Und im Jahr 1730 schrieb der schwedische Offizier und Reisende Philipp Strahlenberg, dass fast die ganze Stadt aus Schmieden bestehe, die Schlösschen von der Größe einer Erbse und noch kleiner herstellten — und zwar alle mit Schlüsseln und sehr sauberer Arbeit.
1810 führte Professor Sjäblowski noch einen erstaunlicheren Fakt an: Einige Schlösschen waren so klein, dass 320 Stück nicht mehr als ein Solotnik wogen.
Ein Solotnik sind etwa 4,3 Gramm. Das bedeutet, dass ein solches Schlösschen ungefähr 0,013 Gramm wog.
Die Meister fertigten auch figürliche Schlösser — in Form von Vögeln, Tieren, Meerjungfrauen und Reitern.
🍋 Zitronen auf der Fensterbank: das Pawlowo-Phänomen
Und nun — der unerwartetste Teil. In der Stadt der Schmiede und Schlosser haben sich aus irgendeinem Grund… Zimmerzitronen durchgesetzt.
1860 brachte der Kaufmann I. S. Karatschistow aus der Türkei mehrere Zitronenstecklinge mit und übergab sie seinem Verwandten E. D. Jelagin. Dieser begann mit der Vermehrung — und nach und nach tauchten Zitronen in fast jedem Haus auf.
Die Einwohner von Pawlowo wählten die besten Pflanzen aus, vermehrten sie durch Stecklinge und erhielten im Laufe der Zeit eine besondere lokale Sorte, die gut an Lichtmangel, Temperaturschwankungen und trockene Luft angepasst war.
1935 richtete man in Pawlowo eine spezielle Stützstelle zur Erforschung der Pawlowo-Zitrone ein. Damals zählte man bei den Einwohnern 2840 Zitronenbäume, davon etwa 1500 tragende.
Bis 1941 gab es in der örtlichen Zitronenanlage bereits etwa 2000 ausgewachsene Pflanzen und Zehntausende von Stecklingen.
Heute gilt die Pawlowo-Zitrone als eines der Symbole der Stadt. Und 2005 wurde ihr sogar auf dem Basarplatz ein Denkmal gesetzt.
🚌 PAZ-Busse: ein neues Kapitel
Im 20. Jahrhundert bekam Pawlowos Schmiedeerbe eine neue Fortsetzung.
1952 nahm hier das Pawlowsker Buswerk — PAZ — seine Arbeit auf.
Am 5. August 1952 rollten die ersten fünf PAZ-651-Busse durch das Werktor. Seitdem ist die Marke PAZ eine der bekanntesten im Land.
So wurde die Stadt der Schlösser und Messer auch zu einer Stadt der Busse, die jahrzehntelang in den verschiedensten Teilen Russlands im Einsatz waren.
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