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Wer im übrigen etwas gegen «Bücherverbrennung» tun will, kann womöglich vor Ort anfangen.
Öffentliche Bibliotheken haben sicherlich einen höheren Durchschnittsstandard, was die Qualität von gekaufter Literatur angeht. Trotzdem werden jährlich viele Bücher aussortiert. Wo landen die?
In Berlin auf dem Müll.
Bis vor einigen Jahren haben die Berliner Öffentlichen Bibiotheken die ausgesonderten Bücher in Regale gestellt, so daß sich Bürger die mitnehmen konnten. Die Schankwirtschaft Laidak in Neukölln verdankt dem ihre Buchausstattung in den vielen Regalen. Dann ist das Finanzamt gekommen und hat die kostenlose Abgabe moniert (die genauen Gründe hat mit der Betreiber des Laidak erzählt, ich hab's vergessen). Seither werden die Bücher entsorgt ohne daß der Bürger sie – die er ja mit seinem Steuergeld bezahlt hat – noch einmal zu sehen bekommt.
Panikmache, Falschinformation und trotzdem eine interessante Information über KI, die keiner bemerkt hat
Derzeit macht ein Bericht des öffentlichen schweizer Rundfunks (SRF) die Runde. Hermann Ploppa* geht gleich aufs Ganze: «Bücherverbrennung im KI-Zeitalter». In der Tat titelt der Bericht:
KI-Firmen kaufen Antiquariate leer – und vernichten die Bücher
Sven Ahnert (SRF, 22. 6. 26)
Wir sind also schon voll in der Welt von «Fahrenheit 451» (F. Truffaut, GBR 1966) – oder? Wir lesen den Text:
> Ein kanadisches Unternehmen namens Zoom Books kaufte palettenweise vergriffene Ware – Kochbücher, Biografien, Belletristik. Keine Raritäten, sondern das genaue Gegenteil berichtet der Händler: «Gekauft wurden gezielt Non-Fiction-Titel ab 1970 mit ISBN-Nummern – angestaubte Lagerleichen, die seit Jahren niemand wollte. Ein Weiterverkauf ist völlig ausgeschlossen: Die Bücher sind wertlos, und es wurde pro Titel immer exakt nur ein Exemplar gekauft.»
Also nicht Firmen im Plural, sonder *eine*, und nicht *leer* sondern *palettenweise* und auch nur exakt *ein* Exemplar pro Titel und zwar von – «keine Raritäten» – bibliographischer Massenware. Feststellung: Im Text des Artikels steht das Gegenteil von dem, was die Überschrift suggeriert. Schlechter Journalismus in diesem Fall vom schweizer öffentlichen Rundfunk. Und Ploppa, der mit «Bücherverbrennung» noch eins draufsetzt.
Wer jemals eine Bibiothek mit solchen Büchern geerbt hat weiß: Das meiste ist nicht zu gebrauchen (auch wegen dem Säurefraß) und Antiquare nehmen das nicht an. Dergleichen Literatur wandert schon seit Jahrzehnten massenhaft in den Altpapiercontainer. Das hätte der SRF-Journalist recherchieren können. Hat er nicht, noch mal schlechter Journalismus. Aber mit dieser Information wäre es natürlich erst recht keine Nachricht gewesen.
Trotzdem ist die Information des Textes interessant. Denn warum kauft eine KI-Firma massenhaft diese Massenliteratur und scannt sie?
Meine Vermutung – man müßte dem mal jounrnalistisch nachgehen –: Das hängt mit dem auf diesem Kanal schon seit 3 Jahren unter dem Kürzel #MAD verfolgten KI-Thema «Model Autophagiy Disorder» (Modelselbsteinspeisungsstörung) zusammen. KI «verblödet» – bzw. korrekter ausgedrückt: der Phasenraum von nichttrivialen Maschinen kollabiert –, wenn man ständig m KI-Output wieder einspeist, was im Internet automatisch passiert. Die KI-Modelle müssen mit von Menschen gemachtem Material vorbereitet und immer wieder «verjüngt» werden. Das können Hundertausdende von Billiglöhnern* in Afrika machen. Oder man nimmt als Grundmaterial eben alltägliches Schriftgut das sicher von Menschen geschrieben wurde, weil es aus der Vorinternetzeit stammt. Das dürfte der Hintergrund der Buchankauf- und Scanaktion des KI-Unternehmens sein.
Es zeigt sich: Ohne stetige menschliche Arbeitskraft läßt sich die KI nicht am Laufen halten. Das Gerede darüber, KI könne irgendwann dem Menschen über sein, ist genau so ein Schwindel, wie «Pandemie», «Klima» oder «Putin».
———
* Ploppa
* Billiglöhner
Das neurechte Magazin Sezession ist zwar eigentlich nicht mein Fall, aber Thor v. Weinsteins Ausführungen zum Begriff Rechtstaat und seiner Nichtverwirklichung passen zu dem was der linke Bernt Engelmann* Ende der 1980 darüber geschrieben hat und Eckhard Kochte* zum 60. des GG. Weinstein ist ansonsten u. a. Carl-Schmitt-Apologet. Im Gegensatz z. B. zu Giorgio Agamben, der ebenfalls viel von den Befunden Schmitts über die abendländische Politikkonzeption hält, diese jedoch ablehnt.
Thesen zum Rechtsstaat
Thor v. Weinstein (Sezession, 1. 4. 24)
Ein Rechtsstaat war und ist die BRD nur auf dem Reißbrett, nur in bezug auf einen Grundgesetztext, dem schon lange die Anwendungswirklichkeit abhanden gekommen ist. Es herrscht ein – massenmedial von morgens bis abends gesinnungsethisch eingepeitschtes – Papierformat der Freiheit, das mit echter Freiheitlichkeit nichts zu tun hat. In der «postrechtsstaatlichen Gesellschaft», in der wir leben und in der «Legalität nur noch als Gangsterparole verstanden» wird, bestimmen tatsächlich die Machtphantasien davokratischer Milliardärssozialisten, die Geschäftsmethoden nordkalifornischer Internetgiganten oder das in den Großstädten immer dreister werdende Auftreten ausländischer Clanbanden den Lebensalltag eines Durchschnittsdeutschen viel mehr als abgehobene Verfassungsideale und bundesdeutsche Gerichte, die vor diesen (und vielen anderen) Herrschaftsansprüchen rechts(staats)feindlicher Elemente schon längst eingeknickt sind. Sollten die Deutschen noch beabsichtigen, das ihnen drohende Untergangsschicksal abzuwenden, werden sie nicht umhinkommen, die Ruinen eines «unechten, künstlichen Rechtsstaat[s]» abzuräumen und auch auf juristischem Feld noch einmal ganz von vorne anzufangen. Die rechtsethischen Voraussetzungen hierfür sind unverändert gegeben; denn bei keinem Volk der Erde ist «die wichtigste Quelle politischer Vitalität, der Glaube an das Recht und die Empörung über das Unrecht», so ursprünglich erhalten wie bei den Deutschen.Siehe auch Thor v. Weinstein, Rote Roben, rote Linien (Sezession, 4. 5. 26)
[…] Man ist sich also in Berlin wie in Karlsruhe der heraufziehenden Stürme in politicis durchaus bewußt und zieht Unseredemokratie warm an, um sie vor demokratischen Veränderungen durch den Wahlbürger zu wappnen. Bei diesem kann nämlich trotz der Dauerberegnung durch das Sedierungsfernsehen nicht ausgeschlossen werden, daß er bei Verschärfung des ökonomischen Niedergangs seinen politischen Tiefschlaf beendet. Da ist es nur konsequent, wenn über die nächsten Schritte auf dieser schiefen Ebene laut nachgedacht wird: die Aberkennung von Grundrechten von Mißliebigen nach Art. 18 GG, die Ausübung von Bundeszwang gegen blaugefärbte Bundesländer nach Art. 37 GG oder etwa das Verbot bzw. der Ausschluß von der staatlichen Finanzierung der derzeit stimmenstärksten Oppositionspartei nach Art. 21 Abs. 2 und 3 GG. Ob solche Exzesse im Zeichen der wehrhaften Demokratie den «dritten deutschen Ideologiestaat» (Thorsten Hinz) zu retten imstande sein werden, darf füglich bezweifelt werden. Jene (ganz anders verlaufene) «Tragödie der Verfassungsgerichtsbarkeit», von der Karl Dietrich Bracher mit Blick auf das Urteil des Leipziger Staatsgerichtshofes 1932 zum «Preußenschlag» sprach, muß sich nicht wiederholen. Für ein Karlsruher Happy End, für die Vorstellung, die Misere des Berliner Pallawatsch ließe sich mittels eines juristischen Kraftaktes beenden, spricht freilich noch weniger. Denn ein Verfassungsgericht kann nicht ersetzen, was eine pflichtvergessene und verantwortungslose Politik versäumt hat. Ebensowenig kann eine juristische Instanz eine Verfassungsschieflage vor dem endgültigen Abgleiten schützen, die über Jahrzehnte hinweg durch schwerwiegende, zum Teil irreparable politische und verfassungsgerichtliche Fehlentscheidungen entstanden ist.— * Engelmann: WEI 25. 3. 26 * Kochte: WEI 30. 11. 21
#Filmschau #Geisterräume
Notizen zu Backrooms (R: Kane Parsons, USA 2026; Hintergrund siehe oben)
Wer nach Ansicht des Onlinematerials zu dem Schluß gekommen ist, jetzt guck ich mir noch den Film an, tut recht daran. Wer umgekehrt meint, den Film brauch ich nicht, macht auch nichts falsch.
Parsons hat sich als Film für das von ihm online angebotene Material einen Horrorstreifen vorgestellt. Die gelben Räume sind Ausdruck eines privaten je eigenen nicht verarbeiteten Traumas der beiden Hauptfiguren, die Ereignisse folgen den Konventionen des Genres: steigender Horror, die Jugendlichen werden vom Monster gefressen und am Ende entkommt die Heldin eben diesem mit knapper Not. Von der sowieso mit solchen Filmen befassten Produktionsgesellschaft wurde das einwandfrei professionell umgesetzt. Es wird allerdings zuviel geredet (das kommt online nicht vor).
Für Zuschauer, die in jungen Jahren mit ihrer Clique solche Filme geguckt haben, nicht viel Neues. Ich guck sowas mit der von Susan Sonntag in Notes on Camp beschriebenen Haltung – den Unterhaltungswert hat es. Und auf die beiden Damen in meiner Begleitung, die in ihren Cliquen solche Filme nicht geguckt haben, hatte der Horror seine Wirkung.
In der Onlineserie fokussiert Parsons auf die Backrooms als riesiges Interieur mit rätselhaften Eigenschaften, das von einer Firma namens Async erforscht wird. Das wird nur am Ende des Films angedeutet. Wie überhaupt Autor und Produzent davon ausgegangen sind, daß sich die Zuschauer entweder vorher oder nachher das Onlinematerial zu Gemüte führen.
Daß die gelben Geisterräume eine Materialisierung des allgemeinen Seelenlebens in der kapitalistischen und erst recht neunormalen Gesellschaft sein könnten, und nicht einfach Ergebnis privater Psychosen, dieser Gedanke fehlt dem Film und man muß ihn in die Onlineserie reinlesen, wie Riedl das versucht – «Würfel-Wüsten». Ohne diesen gesellschaftlichen Charakter ist der Erfolg von Onlineserie und Film nicht erklärbar. Andererseits «reicht» dem jungen Publikum wohl die individualpsychologische Deutung.
Für das Erstlingswerk eines Teenagers ist sowohl die Onlineserie als auch der Film beeindruckend. Wenn nun jetzt Sequels vom gleichen Typ hergestellt werden, wie es wohl anvisiert ist, braucht man das nicht weiter zu verfolgen. Wenn sich der Filmemacher dagegen mit gesellschaftlichen Psychosen, dem «Unbehagen in der Kultur» (Freud) allgemein, der bewußten Herbeiführung derselben durch mächtige Institutionen – Mind Control, siehe Konspirationistisches Manifest (2022); Re-Education, überhaupt den ganzen Seek-Komplex (Lutz Dammbeck, 2023) – und deren Konsequenzen als Coronawahn etc. beschäftigen würde, dann könnte das durchaus richtig interessant werden.
#SEEKReal
#Termine #Filmschau – Geisterräume
Di. 30. 6. haben sich zu um 18:20 ein paar Leute verabredet, um sich im Kino Delphi Lux, Kantstr. 10, Berlin Charlottenburg, den Film Backrooms von Kane Parsons (USA 2026) anzusehen. Für den Fall, daß einer der Leser hier hier dazustoßen möchte. Hintergrund in einem vorigen Beitrag. (WEI, 27. 6. 26)
#Musik
Berlin, 27. 6. 26, 39 °C. Schnell noch das passende Lied, den Montag ist der Spaß schon wieder vorbei.
Hitze-Tod-Check
Yann Song King (YT, 2024)
#Termine – Relevante Gegenwartskunst:
IAFF ruft auf nach Einreichungen für die Ausstellung BREAKING THE SILENCE – Kunst im Zeitalter der Zensur, 30. 9. – 2. 10. 26. Einreichungsschluß 10. 7. 26.
https://t.me/iaff22/430
Filmtipp: Backrooms (R: Kane Pixels, USA 2026)
Es gibt erstaunlich wenig Kunst, die das unheimliche Erlebnis der Lockdownwelt 2020 verarbeitet. Backrooms scheint der erste zu sein. Gestartet 16. 6. 26 und läuft z. Z. in den Kinos.
Hintergrundbericht: Nicolas Riedl, Innerhalb der Würfel-Wüsten (Manova, 27. 6. 26). Riedls Architekturserie auf Manova ist überhaupt sehr empfehlenswert.
«Es geht um Geld. Und zwar um Ihres»
Hier hören und sehen Sie es selbst. Wie um Assanges Bemerkungen zum Wesen westlicher Wertekriege nachträglich noch einmal aufs Plumpeste zu bestätigen, trat der devoteste aller US-Elitendiener Europas, NATO-Generalschuhputzer Mark «Psycho» Rutte, gestern in die zeitverschobene Nachtruhe der wie immer nichtsahnenden Europäer. Hören und sehen Sie selbst, wie jede jemals aufgestellte These über den ENDLOSEN KRIEG als etabliertes Instrument der endlosen Gesellschaftsausbeutung zur (noch endloseren) Selbstbereicherung bildungsfremder Geldeliten schlagartig wahr geworden ist. Das medienredundante, kriegsbegleitend ins Universum geschüttete Werte- und Moralblabla dient dem einzigen Zweck, eine (von Ihnen im besten Fall auch noch internalisierte & repetierte) Legitimationsgrundlage dafür zu schaffen, dass man Ihr Geld auf Dauer eben NICHT in Ihre Bahn, Ihre Schulen, Ihre Wirts- und Krankenhäuser, Ihre Renten, Ihre Infrastrukturen, Ihre Inflations- & Armutsbekämpfung – kurz: in SIE und IHRE ZUKUNFT steckt, da es, so die Erzählung, angeblich wichtiger und erhabener sei, Ihr Geld stattdessen in Waffen zu stecken, um sie von einem kleinen Irren mit Hang zu Wolfsangeln zur Reichtumsvermehrung einiger US-Rüstungsdickies dann im Namen «unserer Werte» verballern zu lassen. […] Mark «Psycho» Rutte führt es Ihnen begeistert & persönlich vor. Bei der NATO geht es nicht um Gefahren oder Sicherheit, Zerstörung oder Menschenleben, Verteidigung oder Werte. Es geht um Geld. Und zwar um Ihres. P.S.: Wir möchten an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass Mark P. Rutte unserer Kenntnis nach noch immer mit seiner Mutter zusammenwohnt. Und bitte sparen Sie sich weitere Hinweise, dass die alte Dame bereits vor ein paar Jahren verstorben sei. Das war die Mutter von Norman Bates in Hitchcock’s Filmklassiker «Psycho» ja auch.— Martin Sonneborn, MdEP Die Partei (X/Twitter 25. 6. 26)
Zum Fall Hopkins ein Kommentar von den kritischen Richtern und Staatsanwälten. Die deutschen Gesetze machen eine Kritik des «umgekehrten Totalitarismus» (Wolin) schwierig und fördern dadurch, was sie, vermeintlich, verhindern wollen.
Dritter Akt, letzter Aufzug – Bundesverfassungsgericht – das Recht tritt ab
Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat die Verfassungsbeschwerde von C. J. Hopkins gegen das Urteil des Kammergerichts Berlin vom 30. September 20241 – 2 ORs 14/24 – nicht zur Entscheidung angenommen – ein Kommentar.
Falk Meinhardt (KRiSta, 26. 6. 2026)
Fazit: Meines Erachtens hat bereits die Einordnung der §§ 86a, 86 Abs. 4 StGB [Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen] als „Recht“ in der Gegenwart Kratzer bekommen, zudem weist die Verurteilung ein Legitimationsdefizit auf, solange sie nicht erklärt, warum scharfe, kontextgebundene Kritik an unzurechenbarer Macht denselben strafrechtlichen Maßstäben unterliegen soll, wie eine Verwendung des Symbols ohne jeden kritischen Bezug. Dem (positiven) Recht mangelt es an einer überzeugenden Theorie, wie mit Herrschafts- und Machtkritik in einer transnationalen Öffentlichkeit umzugehen ist. Ob das Amtsgericht, welches sich nun erneut mit der Sache befassen muss, diesen Spannungsbogen erkennen und bei seiner Strafzumessung klug einzubauen weiß, bleibt abzuwarten. Die Hoffnung stirbt – transnational – zuletzt.Weiteres zum Fall oben. (WEI, 25. 6. 26)
«Der Feind will Revanche»
Nicht, daß irgendjemand am Ende auf den rauchenden Trümmern steht und sagt, er habe von nichts gewußt. Aktuelle Stimmen:
Es beginnt, uns langsam zu dämmern: «Wir gehen davon aus, dass sie (NATO und EU-Staaten – I.M.) sich tatsächlich auf eine militärische Auseinandersetzung mit Russland um das Jahr 2030 vorbereiten», sagte der russische Vizeaußenminister Alexander Gruschko am Montag. […] Wir müssen zugeben, dass wir Europa unterschätzt haben. Wir haben uns von dem lächerlichen Dummkopf Macron, dem übergewichtigen Briten Johnson und Starmer und ein paar durchgeknallten Frauen aus dem europäischen Apparat in Brüssel täuschen lassen. Wir dachten, wir stünden einem asexuellen Wesen in bunten Leggings gegenüber, das niemals gegen Russland Krieg führen würde, und selbst wenn, was hätten wir schon zu befürchten? Aber es stellt sich heraus, dass es da draußen 452 Millionen Menschen gibt, die sich eine rechte Rache wünschen. Wütend, entschlossen, bereit, uns «noch heute Nacht» zu töten. Der Feind rückt rasch nach rechts. Der Feind bereitet eine Revanche vor.— Igor Morosow, Der Feind will die Revanche: Über die Vorbereitung des Kriegs gegen Russland (RT, 23. 6. 2026)
An diesem Punkt treffen sich wieder die Interessen der einstigen deutschen Faschisten und jener im Westen, die bis heute Russland im Visier haben. Wie einst Deutschland dient nun die Ukraine samt Faschisten als Bollwerk gegen das heutige, nicht mehr kommunistische Russland – bis zum letzten Ukrainer. Wenn auch der „Bolschewismus“ Geschichte ist, ist Russland immer noch der Feind: Weil es bis heute nicht bereit ist, sich einfach dem Westen unterzuordnen. Wie damals wird auch dieser Versuch scheitern, den aber viele Menschen auf beiden Seiten mit dem Leben bezahlen. Die Interessen dahinter sind die gleichen wie vor mehr als 100 Jahren beim Ersten Weltkrieg und vor mehr als 80 Jahren beim Zweiten Weltkrieg.— Tilo Gräser, Vor 85 Jahren: Faschistischer Vernichtungswahn überrollt die Sowjetunion (Globalbridge, 24. 6. 2026)
Warren Buffett hat das Verdienst, es 2006 offen ausgesprochen zu haben. Seither hat sich die Lage zugespitzt. Die Vermögenskonzentration hat ein historisches Ausmaß erreicht. Die politische Einflussnahme der Superreichen ist dokumentiert. Die rhetorische Verschleierungsmaschinerie ist ausgereifter denn je. Und der Widerstand – soziale Bewegungen, kritische Parteien, unabhängige Medien – wird in immer mehr Ländern systematisch demontiert. Der Konflikt, der die Welt derzeit in Atem hält, ist nicht in erster Linie ein Kulturkampf zwischen liberal und konservativ, nicht ein geopolitisches Ringen zwischen West und Ost, nicht ein Zivilisationskonflikt zwischen Demokratie und Autokratie. Er ist – bei aller Komplexität und trotz aller Überlagerungen – in seinem Kern ein Kampf um die Frage, wem der gesellschaftlich produzierte Reichtum gehört. Wer die Regeln setzt. Und wer zahlt. Buffett hat seinen Klassengenossen ungewollt das Programm zusammengefasst. Die Frage ist, wie lange es dauert, bis die andere Seite es versteht.— Jochen Mitschka, Wo und gegen wen findet eigentlich der wahre Krieg statt? (tkp, 25. 6. 2026) Der größte Gegner des Westens könnte am Ende nicht Russland, China oder Iran sein – sondern die eigene politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Krise. — Emanuel Todd nach: Red., Emmanuel Todd: „Europa hat den Krieg gewählt“ – Der französische Historiker sieht den Westen in einer gefährlichen Selbstzerstörung (Uncut, 24. 5. 2026)
Frühe Bioterrorismus‐Szenarien der Johns Hopkins University
David A. Hughes (dt.: Magma, 25. 6. 2026)
Daß die Pandemieinszenierung von 2020 mit eine Folge von Planspielen vorbereitet wurde, ist schon seit P. Schreyer (2020) und Th. Röper (2022), die bis zur Simulation «Dark Winter» (2001) zurückgehen, bekannt. Noch weiter zurück geht D. A. Hughes in seinem neuen Artikel, der weitere solcher Planspiele in den spätten 1990ern behandelt. Bemerkenswert ist, daß all die Szenarien nachweislich epidemiologisch falsch sind. Trotzdem haben sie die Geisteshaltung der entscheidenden Funktionäre im Staatsapparat so vorgeformt, daß sie die unsinnigen Maßnahmen ab 2020 in "gutem Glauben" durchgesetzt haben. Dem Ganzen lag von Anfang an eine militärische Denkweise – «Kampf gegen Bioterrorismus» – zugrunde.
Hughes Fazit:
Genauso wie es wissenschaftlich unmöglich ist, dass zwei Flugzeuge am 11. September 2001 drei Wolkenkratzer zum Einsturz gebracht haben, sind auch die Bioterrorismus‐Szenarien der Johns Hopkins University von wissenschaftlichem Betrug durchdrungen. Praktisch alle ihre zentralen Annahmen, ganz sicher was die Pocken betrifft, sind fehlerhaft. Angesichts der Tatsache, dass »Dark Winter« mit hoher Präzision vorhersagt, was sich später nach den Anschlägen vom »11. September« abspielen würde, ist es nahezu ausgeschlossen, dass die Autoren dieser Szenarien sich einfach »geirrt« haben. Vielmehr trugen sie aktiv dazu bei, eine neue Realität zu schaffen, in der sich die Öffentlichkeit ständig durch die Möglichkeit von Terroranschlägen mit Massenvernichtungswaffen bedroht fühlte und bereit war, entsprechend auf ihre Freiheiten zu verzichten. Wie Billauer (2017, S. 347) es formuliert: »Anstatt tatsächliche Massenvernichtungswaffen zu simulieren, schafft die Übung [Dark Winter] im Grunde genommen künstlich Waffen der Massenhysterie.« Damit wurde ein Präzedenzfall geschaffen, der bis heute Bestand hat: Bei der Einschätzung von Bioterrorismus‐Bedrohungen und der Pandemieplanung werden durchweg mathematische Modelle herangezogen, um »plausible Worst‐Case‐Szenarien« zu erarbeiten, wobei jedoch die biologische Plausibilität, relevante historische Daten und die moderne medizinische Praxis außer Acht gelassen werden. Frühere Pandemieprognosen zu Vogelgrippe, Pocken, Milzbrand, Schweinegrippe und Ebola haben die Inzidenz und Sterblichkeit der Krankheiten grotesk überschätzt, was die Mängel der aktuellen Modelle verdeutlicht und in einigen Fällen zu negativen gesundheitlichen Folgen geführt hat, die schwerwiegender waren als bei jeder realistischen Epidemie (Billauer, 2017, S. 347). Genau das Gleiche galt für »Covid‐19«. Die Bedrohung wurde maßlos übertrieben dargestellt (Hughes, 2024, Kap. 4), während sich die zu ihrer Eindämmung ergriffenen Maßnahmen für viele Menschen als katastrophal erwiesen. Ein Vierteljahrhundert nach den Anthrax‐Anschlägen in den USA, die vom »Deep State« verübt wurden (MacQueen, 2014), hat es immer noch keinen größeren bioterroristischen Anschlag auf ein westliches Land gegeben. Dies widerlegt jahrzehntelange Panikmache, wonach ein solcher Anschlag unvermeidlich sei, da er angeblich so leicht durchgeführt werden könne. Letztendlich sollten wir Bioterrorismus und die Planung zur »Pandemievorsorge« als grundsätzlich illegitim betrachten. Bei ihnen geht es nicht darum, die Öffentlichkeit vor tödlichen Krankheiten zu schützen, sondern vielmehr darum, raffinierte Wege zu finden, um die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, ihre Freiheiten aufzugeben.Zu Schreyer und Röper siehe oben (WEI, 29. 1. 2023)
Als «Neunormales Reich» hat CJ HOPKINS die totalitäre Wende des Weltkapitalismus – wie sie u.a. mit dem europäischen digitalen Überwachungssystem (voriger Beitrag) vertieft wird – bezeichnet und ist dafür von der deutschen Justiz verurteilt worden. Immerhin schreibt er nach längerer Pause wieder neue Texte und arbeitet an einem Bericht seiner Amerikareise im letzten Jahr.
The Rise of the New Normal Reich (Redux)
(Consent Factory, 16. 6. 2026)
This [the situation in Germany] is not a healthy, democratic culture. This is a nascent totalitarian culture. If this were only the state of affairs here in Germany … well, that would be one thing. Unfortunately, it is not. This type of authoritarian behavior is on display throughout the West, in the U.K., the U.S.A., and elsewhere. The targets of the repression differ, but the totalitarian tactics and the messaging are the same. Yes, messaging. The Powers That Be throughout the West are sending us a message. They have been sending us this message for years. They sent it during the Covid era. They sent it during during the Russiagate era. They sent it in Gaza. Most of us can’t hear it, because we think it is coming from “the other side.” It isn’t. Both “sides” are sending us the message. Because both “sides” are sides of the same global system. A system that doesn’t need to pretend to respect our democratic rights anymore.Es folgt das berühmte Zitat von Frank Zappa über die «Backsteinmauer am Ende des Theaters». (1977) Die besondere Perfidie, mit der das Verfassungsgericht schon 2009 (!) dafür gesorgt hat, daß Gerichtsverfahren wie das von Hopkins zur weiteren Strangulation der Meinungsfreiheit führen, hat Hans Petereit beschrieben: Staatliche Tabus in Deutschland – Ein Kommentar zum Fall C.J. Hopkins (tkp, 25. 6. 2026). Für den, der die Geschichte der deutschen Strafjustiz kennt, ist die deutsche Macht- statt Rechtsprechung keine Überraschung (Bernt Engelmann). In Frankreich oder Amerika sieht es allerdings lange schon nur bedingt besser aus: Cornelius Castoriadis, Welche Demokratie? (1990, S. 8)
Sehr ausführliche Darstellung der Einführung eines digitalen Totalüberwachungssystems in Europa. Wie es aussieht ist alles bereit, damit das '27 starten kann. Testländer: Afrika und das Kriegsland Ukraine. Denn die europäische Kriegsvorbereitung findet ja parallel statt (s. Hollister, oben auf diesem Kanal).
Unsichtbare digitale Ketten
Tobias Augenbraun (Free21, 25.6.26)
Die EU-Überwachungs-Infrastruktur enthält bereits alles was es braucht, um Anfang 2027 richtig loszulegen. Die Verordnungen sind beschlossen, die Behörden eingerichtet, bleibt nur noch es dem Bürger als alternativlos zu präsentieren. Gleichzeitig bleibt Europa transatlantisch eingebunden. Die Vereinigten Staaten von Palantir überwachen die Überwacher, aber nicht um sie auf missbräuchlichen Gebrauch europäischer Regierungen hinzuweisen, sondern um einen Hebel gegen EU-Regierungen und Gesellschaften in der Hand zu halten. Unbemerkt von der Öffentlichkeit werden allen Menschen in der EU unsichtbare digitale Fußfesseln verpasst. Lassen Sie sich nicht täuschen, es gehe um Kinderschutz, europäische Datensouveränität oder es liege an bösen Ausländern, dass wir gezwungen sind, eine digitale Identität einzuführen. Dies sind alles Ablenkungsthemen, die uns weis machen, es sei alternativlos, während man unser gesamtes Leben überwacht, um uns zu steuern. Keine Frage, mit der Einführung der EUDI-Wallet legt man uns unsichtbare Ketten an und schmeißt uns ins digitale Gefängnis. Sobald der digitale Euro an den Start geht und in die Wallet integriert wird, schmeißen sie die Schlüssel weg und versenken sie im Fluss. Aber alles wird gut: Sie können sich immer noch mit Walschicksalen und gescheiterten Rettungsversuchen beschäftigen. Ein einziges Medienspektakel. Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.
Doch wie soll eine Gesellschaft fremde Kulturen verstehen, wenn sie die eigene nicht mehr kennt? Wirklicher kultureller Dialog setzt stets ein Bewusstsein der eigenen Identität voraus. Nur wer weiß, woher er kommt, kann auch verstehen, worin er sich von anderen unterscheidet und was ihn mit ihnen verbindet – eine Aussage, die dadurch nicht falscher wird, dass man sie seit tausenden von Jahren in vielerlei Abwandlungen immer wieder zu hören und lesen bekommt. Wer hingegen den Zugang zur eigenen Geschichte verliert, dem fehlt der Maßstab, um kulturelle Unterschiede überhaupt sinnvoll wahrzunehmen, im Guten wie im Schlechten. Und schlimmer noch: Mittlerweile ist es ja nicht nur die Beschäftigung mit der „eigenen“ Zivilisation, die an den meisten europäischen Universitäten immer randständiger wird, sondern auch die anderen Zivilisationen werden, etwa im Gegensatz zur wissenschaftsgeschichtlichen Realität des so verschrieenen 19. Jahrhundert, ebenfalls kaum noch in Lehre und Forschung behandelt. Während vorher jede größere Universität, die etwas auf sich hielt, neben der klassischen Altertumswissenschaft selbstverständlich auch Lehrstühle für Assyriologie, Ägyptologie, Indologie, Sinologie und Islamistik unterhielt, muss man diese Fächer heutzutage, gerade im Zeitalter des „Multikulturalismus“, überall mit der Lupe suchen.
Mit Kommentar darunter von WEC.
Bevor das hier in der allgemeinen Aufregung über Tagesereignisse untergeht. Die wichtigen gesellschaftlichen Ereignisse sind die mit generationenübergreifender Wirkung, die das kulturelle Gedächtnis betreffen.
Die Schließung der Archäologie in Berlin: Symptom einer tieferen Krise
David Engels (Tichy, 21.6.26)
Das Winckelmann-Institut für Archäologie der Humboldt-Universität zu Berlin soll im Zuge der aktuellen Sparmaßnahmen schrittweise abgewickelt werden und Mitte 2030 ganz verschwinden.
Das Berliner Winckelmann-Institut gehört zu den traditionsreichsten Einrichtungen seiner Art überhaupt und ist eng mit den Staatlichen Museen, der Museumsinsel, dem Deutschen Archäologischen Institut und zahlreichen internationalen Forschungsprojekten verbunden.
Traditionell sollte die Universität sowohl eine Ausbildungsstätte für unmittelbar verwertbare Kompetenzen sein als auch Hüterin des kulturellen Gedächtnisses einer Gesellschaft, wobei es seit dem Mittelalter nie nur um „Ausbildung“ ging, sondern um ganz konkrete individuelle menschliche Selbstentfaltung, bei der Lehrkörper und Studenten sich als wesentlich gleichberechtigt begriffen. Bestimmte Fächer wurden daher nicht deshalb gepflegt, weil sie kurzfristige wirtschaftliche Erträge versprachen, sondern weil sie zur geistigen Selbstvergewisserung und gleichzeitig humanistischen Entfaltung von Einzelmensch und Gemeinschaft beitrugen. Die Erforschung der Antike, des Alten Ägypten oder der anderen Hochkulturen diente natürlich auch der Vermehrung hochspezialisierten Wissens und somit der Stillung menschlicher Neugierde; sie ermöglichte es gleichzeitig aber auch dem Europa der Neuzeit, sich seiner eigenen historischen Stellung bewusst zu werden, die langen Entwicklungslinien zu erkennen, aus denen seine Institutionen, Werte und Denkformen hervorgegangen sind, und seine eigenen Entscheidungen immer wieder an den anderen großen Zivilisationen der Geschichte zu messen.
Gerade die Archäologie besitzt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung: Die Materialität der Vergangenheit ermöglicht es, die Einseitigkeit vieler literarischer Zeugnisse aufzubrechen; gleichzeitig machen Tempel, Gräber, Münzen, Keramik oder Wasserleitungen immer wieder sichtbar, dass jede Kultur auf den Leistungen zahlloser Generationen beruht und keineswegs „spontan“ entsteht, sondern das Ergebnis langer Prozesse kultureller Verdichtung ist. Wer archäologisch denkt, entwickelt zwangsläufig ein Gespür für historische Tiefe, für Kontinuität und für die Zerbrechlichkeit kultureller Errungenschaften.Die Symbolik des Berliner Falls ist dabei eine ganz besondere, denn die Schließung erfolgt ausgerechnet an jener Universität, die wie kaum eine andere für das klassische abendländische Bildungsideal steht: Wilhelm von Humboldt, wahrscheinlich wie so viele große Denker außerhalb seiner Heimat bekannter als innerhalb, verstand Bildung als einen Prozess der geistigen Formung des Menschen durch die Begegnung mit Geschichte, Sprache, Kunst und Philosophie. Die Beschäftigung mit der Antike bildete dabei keinen Luxus, sondern aufgrund ihres einzigartigen Bezugs zum Denken des christlichen Mittelalters und der Aufklärung einen Kernbestandteil humanistischer Selbstentfaltung. Wenn heute also ausgerechnet an der Humboldt-Universität die Grundlagenfächer der Altertumswissenschaften zur Disposition stehen, dann zeigt dies, wie weit wir uns bereits von diesem Verständnis entfernt haben. Während andere Zivilisationen wie China oder Indien ihre Vergangenheit weiterhin und sogar zunehmend als Quelle von Identität, Legitimität und Orientierung begreifen, entwickelt Europa zunehmend Schwierigkeiten, das Eigene überhaupt noch zu benennen. Die Kenntnis der antiken Kultur, des Christentums, der mittelalterlichen Tradition oder der neuzeitlichen europäischen Geistesgeschichte schwindet im Rekordtempo; gleichzeitig wird von den Bürgern erwartet, sich in einer immer komplexeren und kulturell vielfältigeren Welt souverän zurechtzufinden und sie aus eigenem Anstoß auch noch zu bejahen.
«Unsere Demokratie» – «Unser Krieg gegen Russland»
(Spiegel-Titel 19.6.26)
Kommentar Martyanov, dazu Stand des Krieges. (Reminicence of the Future, 21.6.26) Die Abwehrquote von Drohen auf Moskau ist 97%. Leben dort normal.
«Nun, natürlich, das Volk will keinen Krieg», sagte [Hermann] Göring achselzuckend. «Warum sollte irgendein armer Landarbeiter im Krieg sein Leben aufs Spiel setzen wollen, wenn das Beste ist, was er dabei herausholen kann, daß er mit heilen Knochen zurückkommt. Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg; weder in Russland noch in England, noch in Amerika und ebensowenig in Deutschland. Das ist klar. Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es immer leicht, das Volk zu Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt.» «Nur mit einem Unterschied», entgegnete ich [Gustave M. Gilbert], «in einer Demokratie hat das Volk durch seine gewählten Volksvertreter ein Wort mitzureden, und in den Vereinigten Staaten kann nur der Kongress einen Krieg erklären.» «Oh, das ist alles gut und schön, aber das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.»– 18. April 1946 - Abend im Gefängnis. Görings Zelle. Aus: G.M. Gilbert – ehemaliger Gerichtspsychologe beim Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher –, Nürnberger Tagebuch, aus dem Amerikanischen übertragen von Margaret Carroux, Fischer, Frankfurt (Main) 1962, S. 270.
Harvard loses first place in Nature Index
(Nature, 10.6.26)
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Über den Aussagewert von Unirankings, noch dazu von Nature, kann man trefflich streiten. Dennoch, nachdem zuletzt von 31 beachteten Technischen Hochschulen die ersten 30 in China lagen (vor Singapur auf Platz 31), sind jetzt 9 der 10 besten allgemeinen Hochschulen chinesisch. Harvard ist von Platz 1 auf 3 gerutscht, hinter der Akademie der Wissenschaften in Peking und die Universität Zhejiang in Hangzhou. Bildung ist der langfristige Effekt, was immer kurzfristig bei der kriegerischen geopolitischen Auseinandersetzung herauskommt (Hornetz 1, 2).
Das Ende der Umweltschutzbewegung
Bei der Bekanntgabe ihres Todes wurden in dem Nachruf die Wirkungslosigkeit und die mangelnde Selbstreflexion der Umweltschutzbewegung als Hauptursachen für ihr Ende genannt, doch der Niedergang einer Ideologie kann mehrere Phasen durchlaufen: Auch wenn sie ihre Ziele als politische Bewegung nicht verwirklichen konnte, prägte die Umweltschutzbewegung als Weltanschauung noch eine Zeit lang die politische Vorstellungswelt. Sie war die Ideologie schlechthin des späten 20. Jahrhunderts und spiegelte als solche all ihre Hauptmerkmale wider – ihre Irrtümer, Hoffnungen und Ängste. Genau wie die Epoche, die sie geprägt hatte, zeichnete sich die Umweltschutzbewegung durch ihre unzähligen Widersprüche aus, durch den Kontrast zwischen ihren erklärten Zielen und ihren bescheidenen Mitteln sowie durch ihre grandiose Erzählung, die das Fehlen einer schlüssigen Theorie überdeckte. Im Grunde warnte sie vor der Hölle und versprach den Himmel, doch was sie tatsächlich vorschrieb, war: mehr vom Gleichen. Die Gefahr einer nuklearen Apokalypse warf einen langen Schatten auf die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Die Beschäftigung der Umweltschutzbewegung mit existenziellen Bedrohungen spiegelt diesen Einfluss wider. Entstanden aus Angst und geblendet vom Nebel des Kalten Krieges, geweckt durch Bedrohungen von globalem Ausmaß, doch dann durch das »Ende der Geschichte« in den Schlaf gewiegt, suchte sie vergeblich nach einem Ausweg aus einer Ära, die auf mindestens eine von potenziell vielen Katastrophen zusteuerte. Diese Ära ging so schnell und eindeutig zu Ende, dass selbst die grundlegendsten Ideale der Umweltschutzbewegung absurd erschienen. Die Illusion von »dem Planeten« löste sich in Luft auf, als geopolitische Bruchlinien wieder auftauchten.[…]
[–] was ihr schließlich den Todesstoß versetzte, war dieselbe Kraft, die jedes Mal, wenn sie erwacht, Verwüstung anrichtet und alles Mögliche auslöscht, einschließlich Hoffnungen und Träume: Es war der Krieg, der die Umweltschutzbewegung zunichte machte. Der Krieg entzog der aktuellen Form der Umweltschutzbewegung ihre Legitimität, indem er das verwirrende Weltbild klärte und jedem, der aufmerksam war, eine neue Perspektive eröffnete. Der Krieg stellte die Prioritäten aller klar. Die Umweltschützer konnten nicht einmal reagieren, als sie angesichts der Realität des Krieges zum Schweigen gezwungen wurden. Ihre Stimme war unter dem Bombenhagel nicht zu hören. Angesichts der Massenvernichtung über Emissionen zu sprechen, ist obszön, obwohl einige es dennoch versuchen. Doch das ist noch nicht alles. Der Krieg entfesselt die im Alltag schlummernden gewalttätigen Kräfte – nicht als unverhüllte Offenbarung der wahren Natur des Menschen, sondern als Ausdruck jener Strukturen, Institutionen und sozialen Organisationen, die diese tödliche Macht aufgebaut haben. Betrachtet man Politik in ihrer drastischsten Ausprägung, erweist es sich als irrelevant, von »Menschheit« oder »Natur« als undifferenzierten und gegensätzlichen Gesamtheiten zu sprechen. In der industriellen Kriegsführung wird die Natur durch organisiertes, aktives Wissen in den Dienst gestellt, während Menschen als »Natur« behandelt werden, wenn ganze Städte innerhalb weniger Tage in Wüsten verwandelt werden. Der Krieg offenbart den wahren Charakter der Verbindungen zwischen Mensch und Natur, ihre Fähigkeit, sich selbst und einander zu verwandeln, aber auch ihre scheinbar unendliche Fähigkeit zur gegenseitigen Zerstörung.— Ahmet ASURE (Magma, 15.6.26)
