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so gesehen... 💬
Die Sprache der Organe
Revierärger/Identität Teil 1 von 2
„War es Ironie, als Virchow zu der zarten Leber eines sezierten Tieres meinte, es habe wohl nie Ärger in seinem Leben gehabt?“ (J. S. Mohr).
Der Revierärger/Identitätskonflikt (rechte Großhirnseite; je nach Händigkeit) kann auf der organischen Ebene die kleine Kurvatur des Magens, die Leber-Gallen-Gänge oder die Bauchspeicheldrüsenausführungsgänge betreffen. Die Redewendung besagt:
dem ist eine Laus über die Leber gelaufen – bedeutet, man ist unleidlich. Und genau das ist damit gemeint: Die Laus (eine Lappalie! Schiene!) kann der Nachbar sein, der die Grenzen nicht beachtet und unaufhörlich mit seinem Rasenmäher nervt und mit dem Lärm für Ärger sorgt. Auch eine nicht sorgsam in den Reihen aufgestellte Mülltonne kann für solch einen Groll verantwortlich sein, dass einem
die Galle überläuft. Als Sekretvorstufe
läuft einem die Galle hoch, bis man
Galle spuckt und sein Missbehagen äußert. So manch
einer schluckt auch seinen Ärger hinunter.
Der Inhalt ist variabel, das Gefühl ist es nicht.
Wenn man vor Wut kocht, Gift und Galle spuckt oder
die beleidigte Leberwurst spielt, weil es Streit um das Geld gibt, weil die Frau/der Mann nicht das macht, was man will, dann gibt es Ärger, und zwar gehörig. Bitterkeit (Galle) und Aggression prägen diesen Konflikt, der schon im Alten Testament beschrieben wurde:
Denn ihr Wein ist Drachengift und verderbliches Gift der Ottern Galle. In der Säftelehre wurden die Choleriker (cholericus = gelbgallig) so beschrieben: Als aufbrausend mit zu viel Galle (Konstellation: Bio-Aggressiv). Sie haben ein jähzorniges Temperament und so mancher von ihnen
spricht (schreit) frei von der Leber weg. Früher ging man davon aus, dass Choleriker zu viel Galle in sich hätten. Was in dem Sinne gar nicht so verkehrt ist, weil sich in der aktiven Phase die Leber-Gallen-Gänge weiten.
Worte können ein Erinnerungsfeld wecken/öffnen, sodass man wieder mit diesem Konflikt (Revierärger) reagiert und einem die
Galle überläuft oder
Gelb vor Neid und Eifersucht wird: Beispielsweise, wenn ein Fremder den Partner anzüglich betrachtet oder wenn man Dinge dem anderen missgönnt. Wer in solch einem Fall die
Galle mit Honig überziehen möchte, macht keinen Stich, da die Vermischung (Galle und Honig) dem Honig den Geschmack und die Verwertbarkeit nimmt – er wird „vergällt“. So lehrt es uns das Sprichwort:
Galle bleibt Galle, wenn man sie auch mit Honig bestreicht. Der Neidische hat
Honig im Munde und Galle im Herzen. Wenn das Glück vergeht, eine Hoffnung zunichte gemacht wurde, wenn der Schein trügt oder sich die Gebrechlichkeit und Unzuverlässigkeit alles Irdischen als schmerzlich erweist, kommt die Galle-Honig-Formel zum Einsatz.
Gallenbitter oder
mir läuft gleich die Galle hoch, kann man es empfinden, wenn vorneweg Menschen langsam laufen und einfach keinen Platz machen, dass man vorbeieilen kann. Dann ist man
Galle mit jemanden. Holsteinisch: `Ik heff en Gall up em´. So mancher kann dadurch auch
blind vor Wut werden. Wenn die Verärgerung und der Zorn wieder verdampfen und die Leber-Gallen-Gänge in der Wiederherstellungsphase anschwellen, kann es passieren, dass der Gallenfarbstoff (Bilirubin) sich im Blut staut: Dann wird man (tatsächlich) gelb (Gelbsucht; Hepatitis). Aus dieser Beobachtung heraus entstand der geläufige Ausdruck:
Gift und Galle.
Wir wünschen Harmonie und von Herzen alles Gute!
Ursula Stoll und
Dr. Stefan Lanka ©