Inneres Kind heilen ❤️
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Du hast Deinen Partner wegen einer Kleinigkeit blöd angemacht. Tut Dir auch schon leid.
Aber statt Dich einfach zu entschuldigen, geht’s in Deinem Kopf weiter:
„Warum bin ich immer so?“
„Mit mir ist es echt nicht auszuhalten.“
„Irgendwann hat er genug von mir.“
Aus einem blöden Satz wird plötzlich ein Urteil über Dich als Mensch.
Wenn Deine Freundin Dir das erzählen würde, würdest Du wahrscheinlich sagen: „Ja, war nicht toll. Aber deshalb bist Du doch kein schlechter Mensch.“
Warum fällt uns das bei uns selbst so schwer?
Die Eigenschaft, um die es hier geht, heißt Selbstmitgefühl. Freundlich mit Dir umgehen, gerade wenn Du einen Fehler gemacht hast.
Du kannst sagen: „Das war unfair von mir“, ohne gleich bei „Mit mir stimmt etwas nicht“ zu landen.
Vielleicht kennst Du dieses Gefühl schon von früher. Wenn jemand bei Deinen Fehlern schnell sauer wurde oder nicht mehr mit Dir geredet hat, fragst Du Dich Heute bei einem Streit:
„Hast Du mich trotzdem noch lieb?“
In der Inneren-Kind-Transformation schauen wir auch auf solche alten Gefühle.
Was hat Dir damals gefehlt? Was hättest Du gebraucht, wenn etwas schiefgelaufen ist?
Vielleicht einfach jemanden, der sagt: „Das war nicht okay. Und ich habe Dich trotzdem lieb.“
Kommt Dir das bekannt vor?
Wenn Du das nächste Mal merkst, dass Du wieder so hart mit Dir sprichst, probier diese drei Sätze:
„Gerade habe ich Angst, nicht mehr geliebt zu werden.“
„Ich habe einen Fehler gemacht. Deshalb bin ich kein schlechter Mensch.“
„Ich kann mich entschuldigen, ohne mich fertigzumachen.“
Das fühlt sich am Anfang vielleicht ungewohnt an. Du musst es auch nicht sofort schaffen. Es reicht für den Anfang, überhaupt zu bemerken, wie Du gerade mit Dir redest.
NEUE PODCAST-FOLGE
Nach Australien auswandern hilft auch nicht!
Starke Gefühle kommen hoch und Du willst am liebsten weg?
Genau da liegt Deine größte Chance.
In dieser Folge: warum Du Dich überall mitnimmst, welche zwei Möglichkeiten Du mit Deinen Gefühlen hast und wie Du aus dem Gefühl in den Beobachter kommst.
Jetzt reinhören 🎧
https://open.spotify.com/episode/0wJPKLmcowTMOcDASI3YYz?si=7f8b4f69a9e54a0f
Allein sein als Single, das kennt jeder.
Aber allein sein neben jemandem? Auf derselben Couch, im selben Bett? Das tut mehr weh.
Weil der Mensch, der es ändern könnte, direkt neben Dir sitzt und es nicht merkt.
Diese 5 Gewohnheiten führen genau dahin:
1. Die kleinen Berührungen im Alltag verschwinden.
Kein Kuss zwischendurch, keine Hand auf dem Rücken im Vorbeigehen. Nähe gibt es nur noch auf Nachfrage.
Dabei fehlt gerade dieses kleine Zeichen: Ich bin gern nah bei Dir.
2. Ihr erzählt Euch kaum noch, was in Euch los ist.
Was beschäftigt, was freut, was Sorgen macht: Das behält jeder für sich.
Auf Nachfragen kommt ein „Alles gut“ oder „Nichts Besonderes“.
3. Wenn es schwierig wird, geht einer.
Tür zu, Funkstille. Manchmal tagelang. Der andere wartet oder läuft hinterher.
Was ankommt: „Ich bin es Dir nicht wert, dass Du das mit mir klärst.“
4. Ihr lebt nur noch nebeneinander her.
Wer kauft ein? Was steht morgen an?
Als Team im Organisieren seid Ihr top. Nur als Paar seid Ihr irgendwie verschwunden.
5. Der letzte Blick geht aufs Handy.
Ihr schaut tief ins Display statt in die Augen des anderen. Noch ein Video, noch eine Nachricht.
Das Letzte, was vor dem Einschlafen Eure Aufmerksamkeit bekommt, leuchtet.
Weniger Streit heißt nicht automatisch mehr Nähe.
Manchmal wird es ruhig, weil kaum noch jemand anspricht, was fehlt.
Und fast nie steckt da Kälte dahinter. Meistens machen es beide, jeder auf seine Art.
Einer macht zu, weil früh klar war: Gefühle zeigen bringt nichts. Der andere hört auf zu fragen, um die Zurückweisung nicht noch einmal zu spüren.
Das ist Euer Inneres Kind, das sich schützt. Damals hat Euch das geholfen. Heute steht es zwischen Euch.
Vielleicht ist bei Euch schon mal der Satz gefallen: „Wir sind nur noch wie eine WG.“
Der Satz heißt: Ich vermisse Dich.
Und die gute Nachricht: Es reicht, wenn einer anfängt. Das kannst Du sein.
Du fühlst Dich allein in Deiner Beziehung? Oder Du hast Dich gerade in den Gewohnheiten wiedererkannt?
Ich bin 6 Jahre alt. Ein Blick von meinem Vater reicht und ich weiß sofort...
heute sage ich besser nichts.
Ich denke: Wenn ich alles richtig mache, schimpft Papa nicht. Ich werde still und versuche, ganz brav zu sein. Wenn ich niemandem zur Last falle, sind meine Eltern vielleicht wieder glücklich.
Es ist für mich völlig normal, dass ich mich darum kümmere, wie es meinen Eltern geht.
Jahre später sage ich auch in meiner Beziehung: „Alles gut.“
Ist natürlich nichts gut. Mich stört etwas. Aber ich will keinen Streit, also behalte ich es für mich. Ich verzichte sogar auf Dinge, die mir viel bedeuten. Lieber gebe ich nach, als eine Auseinandersetzung zu riskieren.
Lange verstehe ich nicht, wie viel das mit dem kleinen Jungen von damals zu tun hat. Ich bin erwachsen und versuche noch immer, die Stimmung der anderen zu retten.
Vielleicht kennst Du das: Dein Partner ist komisch drauf und Du überlegst sofort, was Du falsch gemacht hast. Du gehst im Kopf das letzte Gespräch durch. War da etwas? Hättest Du etwas anders sagen sollen?
Dabei weißt Du noch gar nicht, was überhaupt los ist.
Trotzdem bist Du schon damit beschäftigt, alles wieder in Ordnung zu bringen. Dass Dich selbst etwas verletzt hat, sprichst Du lieber nicht an. Du willst es ja nicht noch schlimmer machen.
Ich kenne dieses Nachgeben. Und ich musste erst verstehen:
Es ist kein echter Frieden, wenn Du Dich dabei selbst verlierst.
Ich war sechs. Ich hätte jemanden gebraucht, der sich darum kümmert, wie es mir geht. Es war nie meine Aufgabe, meine Eltern glücklich zu machen.
In meiner Beziehung darf ich sagen, was mir wichtig ist. Auch wenn wir uns dann erst mal nicht einig sind. Meine Wünsche zählen auch, wenn sie unbequem sind.
Du bist damit nicht alleine
Studien zeigen, Kinder aus emotional instabilen Familien glauben, für das Glück ihrer Eltern verantwortlich zu sein.
Kennst Du das auch aus Deiner Kindheit?
Ich war Kommunikationstrainer und hätte meine Partnerin trotzdem fast verloren.
Meine Frau brauchte Unterstützung. Ich war damit beschäftigt, ihr zu erklären, was ich alles für uns tat.
Sie wollte Hilfe, ich wollte, dass meine Anstrengung gesehen wird. Und schon waren wir wieder mittendrin.
Natürlich kannte ich die Gesprächstechniken. Ich konnte mich zusammenreißen, nach ihren Bedürfnissen fragen und den Abend noch irgendwie retten.
Zwei, drei Wochen später standen wir wieder am selben Punkt.
Irgendwann war ich davon einfach müde. Ich wollte meiner Partnerin zuhören können, ohne mich dabei jedes Mal so anstrengen zu müssen.
Bei mir wurde in diesen Momenten ein altes Gefühl wach: Ich werde nicht gesehen. Sobald das da war, wollte ich mich verteidigen, auch wenn meine Frau etwas Berechtigtes ansprach.
Die Innere-Kind-Transformation war für mich der Schlüssel, diesen alten Schmerz aufzuarbeiten. Ich habe gelernt, die Gefühle dahinter zuzulassen und zu verarbeiten, statt sofort dagegen anzureden.
Mit der Zeit trafen mich dieselben Aussagen nicht mehr. Wir konnten wieder ganz normal miteinander sprechen, ohne dass gleich ein Streit daraus wurde, und kamen uns wieder näher.
Deshalb halte ich wenig von dem Rat, man müsse einfach mehr miteinander reden.
Wenn Ihr seit Jahren dieselben Gespräche führt, fehlt Euch offensichtlich mehr als die nächste Gelegenheit zum Reden.
Gewaltfreie Kommunikation ist ein gutes Werkzeug. Aber ohne die Arbeit an Deinen alten Verletzungen hat Dein Inneres Kind das letzte Wort, sobald es emotional wird.
Kennst Du das, dass Du schon während eines Gesprächs denkst: Genau hier waren wir doch letztes Mal auch?
Warum Du nicht „geheilt“ sein musst, um eine Beziehung zu führen.
„Ich muss erst noch an mir arbeiten.“
Vielleicht kennst Du diesen Gedanken. Du wünschst Dir Nähe, aber gleichzeitig glaubst Du, erst Deine Ängste, alten Verletzungen und Unsicherheiten lösen zu müssen, bevor Du Dich wirklich auf jemanden einlassen darfst.
Es ist nichts falsch daran, an Dir arbeiten zu wollen.
Aber zu denken, dass Du erst eine gute Beziehung führen kannst, wenn Du damit „fertig“ bist...
... dann würden wir wahrscheinlich alle ziemlich lange allein bleiben.
Wir alle haben unsere Themen, Schatten und Unsicherheiten. Manche davon zeigen sich erst, wenn uns jemand wirklich nahekommt.
Du darfst unsicher sein. Du darfst merken, dass Dich etwas stärker trifft, als Du erwartet hast.
Und Du darfst lernen, damit anders umzugehen...
...während Du in einer Beziehung bist.
Entscheidend ist, was Du dann tust.
Machst Du Dein Gegenüber dafür verantwortlich, dass es in Dir nie mehr wehtun darf? Oder bist Du bereit, Dich auch um Deine eigenen Gefühle zu kümmern?
Jeder trägt Verantwortung für die eigene Heilung. Gleichzeitig darf eine Beziehung ein sicherer Raum sein, in dem Ihr wachst und mehr Ihr selbst werdet.
Und dafür musst Du nicht warten, bis Dein Gegenüber auch bereit ist, hinzuschauen.
Wenn Du Deine eigenen Muster erkennst und anfängst, anders zu reagieren, kann sich zwischen Euch etwas verändern. Auch wenn Dein Gegenüber noch dieselben Dinge tut wie bisher.
Einer reicht, um anzufangen. Du reichst.
Eine Beziehung ist kein Endziel, das Du nach Deiner Heilung erreichst. Sie ist ein Prozess, in dem Entwicklung weitergehen darf.
Du musst nicht fertig sein.
Du darfst anfangen, Deinen Teil zu übernehmen.
Was glaubst Du noch lösen zu müssen, bevor Du Dich auf eine Beziehung einlassen darfst?
„Wir müssen reden.“
Wer freut sich bei dem Satz schon auf einen schönen Abend? 🙄
Du willst keinen Krisengipfel am Küchentisch, Du willst Deinem Partner wieder nah sein.
Aber dann läuft es wieder so:
„Wie war Dein Tag?“
„Gut.“
„Schön.“
Und was Euch wirklich beschäftigt hat, weiß der andere danach immer noch nicht.
5 Fragen, mit denen Ihr Euch wieder näherkommt:
Wann fühlst Du Dich mir besonders nah?
Was wünschst Du Dir von mir, traust Dich aber selten zu sagen?
In welchen Momenten fühlst Du Dich von mir übersehen?
Was machen wir heute kaum noch, obwohl es uns früher gutgetan hat?
Was möchtest Du mir schon länger sagen, wenn Du Dich dafür nicht rechtfertigen müsstest?
Eine Frage reicht für heute.
Ihr müsst nicht Eure ganze Beziehung klären. Lasst die Antwort erst einmal stehen, auch wenn der Satz „Ja, aber …“ schon auf der Zunge liegt.
Welche dieser Fragen würdest Du Deinem Partner am liebsten stellen?
Herzlichen Glückwunsch! 🎉 Eure Beziehung ist jetzt offiziell ein Projekt.
Mit allem, was dazugehört:
📅 Wöchentliches Jour fixe: Donnerstag, 20 Uhr, „Paargespräch“.
Einziger Tagesordnungspunkt seit Monaten: Warum reden wir eigentlich nur noch donnerstags um 20 Uhr?
🗣 Pflichtfortbildung: Die Sprachen der Liebe
Ihr kennt sie alle. Im Streit sprecht Ihr trotzdem beide fließend: „Du hast angefangen!“
🚨 Offizieller Eskalationsprozess: Ich-Botschaften.
„Ich fühle, dass Du ein Idiot bist“ zählt übrigens nicht. Hab ich probiert.
🍕 Und das jährliche Team-Event: Date-Night.
Gleiche Pizzeria. Gleiche Handys. Gleiche Stille. Aber hey: Es steht im Kalender.
Klingt lustig. Bis Du Dich darin wiedererkennst.
Und jetzt der Teil, den ich als Paartherapeut selbst lange nicht sehen wollte:
Ich habe solche Projekte jahrelang geleitet. Als Kommunikationstrainer. Als Paartherapeut. Meine eigene Beziehung inklusive.
Sie wurde davon nicht besser. Nur anstrengender.
Bis ich dachte: Liebe darf sich doch nicht anfühlen wie ein zweiter Job.
Ich begann zu verstehen, wer donnerstags um 20 Uhr manchmal wirklich am Tisch sitzt.
Hinter den zwei Erwachsenen mit Tagesordnung sitzen auch zwei verletzte innere Kinder.
Eines wird laut, damit es endlich gehört wird.
Das andere wird still und hofft, dass endlich jemand merkt, dass es ihm nicht gut geht.
Beide wünschen sich Nähe. Und mit dem, was sie tun, entfernen sie sich immer weiter voneinander.
Da wurde mir klar:
„Ich will nicht mein Leben lang professioneller streiten. Ich will verstehen und verändern, warum wir immer wieder im selben Streit landen.“
Vielleicht kennst Du das:
• Nähe hat einen Termin.
• Streit hat Regeln, aber keinen Frieden.
• Du bist im Gespräch höflich und innerlich auf 180.
• Nach jedem „guten Gespräch“ ist eine Woche Ruhe. Dann kommt Folge 215.
Gesprächsregeln können helfen. Aber sie allein machen aus Verletzung noch keine Verbundenheit.
Eine Beziehung ist kein Projekt. Sie sollte ein Zuhause sein.
Du kannst bei Deinen eigenen Mustern anfangen. Dafür musst Du nicht warten, bis der andere mitmacht. Und Du musst trotzdem nicht die ganze Beziehung allein tragen.
👉 Hier kannst Du den ersten Schritt machen
https://beziehung-heilen.com/
Beziehungsprobleme haben vier Stufen. Und auf Stufe 2 kann man ziemlich lange stehen bleiben.
Ehrliche Selbstdiagnose, 60 Sekunden: Wo erkennst Du Dich wieder?
Stufe 1: „Mein Partner ist das Problem.“
Dein Feed ist voller Narzissmus-Videos. Und jedes einzelne beweist: Du hast recht.
Hier haben viele von uns schon gestanden. Der Blick auf den anderen kann uns erst einmal schützen.
Stufe 2: „Wir müssen besser kommunizieren.“
Ich-Botschaften, Gesprächsregeln, drei Ratgeber auf dem Nachttisch.
Der Streit bleibt derselbe. Er trägt jetzt nur bessere Kleidung.
Und irgendwann erreichst Du …
Stufe 3: „Ich verstehe jetzt, woher meine Muster kommen.“
Du kannst Deine Kindheit erklären wie eine Fachfrau. Bindungstyp? Kennst Du. Trigger? Kannst Du benennen.
Und im nächsten Streit bist Du trotzdem in drei Sekunden auf 180.
Eine Frau schrieb mir: „Ich weiß so viel, reflektiere so viel. Und in der Situation falle ich sofort ins alte Muster.“
Kleines Geständnis: Ich habe auf Stufe 2 und 3 die längste Zeit meines Lebens verbracht. Für Stufe 2 bin ich als Kommunikationstrainer sogar bezahlt worden.
Bis mir aufging, warum die Treppe da noch nicht zu Ende ist.
Stufe 4: Fühlen statt nur verstehen.
Hier darf etwas passieren, das beim Erklären und Diskutieren oft zu kurz kommt: Du nimmst wahr, was Du tatsächlich fühlst.
Die Angst hinter Deinem Vorwurf.
Die Verletzung hinter Deiner Wut.
Die Traurigkeit, für die bisher kein Platz war.
Das alte Gefühl wird nicht sofort wegerklärt oder wegdiskutiert. Es darf da sein.
Das löst nicht automatisch jeden Konflikt. Aber es kann verändern, wie Du im nächsten Moment reagierst – und wie Ihr einander begegnet.
„Gefühle steuern Dein Leben, bis Du sie fühlst.“
Vielleicht kennst Du diesen Punkt:
Du hast so viel gelesen, und im Streit ist trotzdem alles wie vorher.
Du kannst Dein Muster erklären, aber nicht stoppen.
Du bist es leid, mit dem Finger auf ihn zu zeigen.
Und etwas in Dir sagt seit Jahren: Es liegt tiefer.
Dabei war keine dieser Stufen ein Fehler.
Stufe 1 hat Dich vielleicht geschützt, als es nötig war.
Stufe 2 hat Euch reden gelehrt.
Stufe 3 hat Dir die Landkarte gegeben.
Und jetzt geht es darum, den Weg auch zu gehen. In Deinem Tempo. Dein eigener Anteil macht Dich dabei nicht für das Verhalten Deines Partners verantwortlich.
Schick das der Freundin, die auf Stufe 3 alles versteht und trotzdem leidet.
Sie ist vielleicht näher am nächsten Schritt, als sie denkt. 🙏
Auch sehr beliebt:
„Wenn er der Richtige wäre, würdet ihr euch nicht so oft streiten.“
„Entweder es passt oder es passt eben nicht.“
„Andere Paare haben doch auch Probleme.“
Wir Deutschen sind Weltmeister im Jammern. Aber offen zuzugeben, dass wir uns Unterstützung holen und an uns arbeiten? Um Gottes willen. Was sollen denn die Leute denken?
Wie tief diese Scham sitzt, erlebe ich in meiner Arbeit immer wieder.
Ein Klient sagte einmal zu mir:
„Markus, schreib bitte nicht auf die Rechnung, dass es um Beziehungsprobleme ging.“
Natürlich behandle ich jede Sitzung vertraulich. Aber dieser Satz hat mich trotzdem beschäftigt.
Warum schämen wir uns eigentlich dafür, dass wir versuchen, glücklich zu sein?
Für fast alles im Leben holen wir uns Unterstützung. Wir lassen unser Auto reparieren, bilden uns beruflich weiter und gehen zum Arzt, wenn unser Körper schmerzt.
Aber wenn wir in unserer Beziehung immer wieder an derselben Stelle scheitern, sollen wir es gefälligst allein hinbekommen. Sonst stimmt angeblich etwas mit uns oder unserer Beziehung nicht.
Das ist Unsinn.
Niemand bringt uns bei, wie wir in einem Konflikt verbunden bleiben. Wie wir ehrlich sagen, was wir brauchen. Wie wir mit Zurückweisung umgehen. Oder wie wir erkennen, dass gerade nicht der erwachsene Mensch in uns reagiert, sondern ein alter, verletzter Anteil.
Eine glückliche Beziehung ist keine Glückssache.
Eine gute Beziehung braucht Gespräche auf Augenhöhe. Sie entsteht, wenn Menschen bereit sind, ehrlich hinzuschauen und Verantwortung für ihre eigenen Verletzungen zu übernehmen.
Wenn Du damit beginnst, verändert sich etwas:
Du reagierst nicht mehr sofort aus Deinem alten Schmerz.
Du erkennst, wann Dein Inneres Kind das Ruder übernimmt.
Du sagst, was Du brauchst, statt es herunterzuschlucken und darauf zu hoffen, dass Dein Partner es irgendwann von selbst versteht.
Und das Wichtigste:
Du wartest nicht mehr darauf, dass Dein Partner sich zuerst verändert. Du beginnst bei Dir. Genau dort, wo Du wirklich etwas bewirken kannst.
Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir als Gesellschaft umdenken.
Wer an sich arbeitet, ist nicht psychisch krank. Nicht schwach. Nicht kaputt.
Im Gegenteil.
Es braucht sehr viel mehr Stärke, ehrlich hinzuschauen, als ein Leben lang so zu tun, als wäre alles in Ordnung.
Und je selbstverständlicher wir darüber sprechen, desto weniger Menschen müssen sich dafür schämen oder ihre Sitzungen heimlich auf einer Rechnung verstecken.
Welchen dieser typischen Beziehungssprüche kannst Du wirklich nicht mehr hören?
Ich sitze als kleines Kind im Laufstall, meine Hände an den Plastikringen. Ich schreie und schreie. Niemand kommt.
Ich weiß in dem Moment nicht, dass später jemand kommt. Für mich gibt es nur dieses eine Gefühl: Niemand kommt mehr. Das war's jetzt.
Viele Jahre später stehe ich in meinem Schlafzimmer. Meine Frau sitzt mit unserer Tochter auf dem Bett, ein ganz normaler, zärtlicher Moment. Und in mir zieht sich etwas zusammen. Ein Kloß im Hals. Ich stehe direkt daneben und fühle mich wie ein Fremder im eigenen Zuhause.
In den 70ern rieten Ärzte, Babys nachts schreien zu lassen, damit sie durchschlafen. Kinder sollten so angeblich lernen, sich selbst zu beruhigen. In Wirklichkeit bedeutete das für die Kleinen aber pure Überforderung, Angst und emotionale Not.
Ich weiß, meine Gedanken ergeben keinen Sinn. Meine Familie ist direkt vor mir. Trotzdem bleibt das Gefühl.
Also gehe ich später nach innen, und plötzlich ist es da: Dunkelheit, ein Laufstall, kleine Hände an Plastikringen. Ich bin wieder das Kind von damals. Allein. Niemand kommt.
Dein Partner verletzt Dich nicht. Er holt hervor, was schon lange in Dir ist.
Woran Du erkennst, dass gerade nicht die Gegenwart Dich trifft, sondern eine alte Wunde:
die Reaktion ist größer als der Anlass,
Du fühlst Dich klein und übersehen wie früher als Kind,
Dein Verstand sagt „das ist doch unlogisch" und das Gefühl bleibt trotzdem,
die Person vor Dir hat objektiv nichts falsch gemacht,
und danach schämst Du Dich für Deine eigene Reaktion.
Das Kind von damals wollte nur eins: dass endlich jemand kommt. Heute darfst Du selbst kommen.
Hinzuschauen fühlt sich klein an. Ist es aber nicht. Die meisten schauen lieber weg.
In welcher Situation fühlst Du Dich ausgeschlossen, obwohl objektiv alles gut ist?
