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🎨 Rostower Finift: Wenn Bilder im Feuer geboren werden.
Freunde, Freitag ist der Tag für Kunst, die wie ein kleines Wunder wirkt. Heute geht es nach Rostow Weliki, einer Stadt, in der seit Jahrhunderten echte Magie geschieht.
Dort entsteht aus einer unscheinbaren Kupferplatte und etwas Glasstaub ein Kunstwerk. Ein Bild, das kleiner als eine Münze sein kann und dennoch Jahrhunderte überdauert. Das ist die Rostower Finift, die Kunst der Malerei auf Emaille.
🔥 Wie alles begann
Die Miniatormalerei auf Emaille kam im 16. Jahrhundert nach Europa und im späten 17. Jahrhundert nach Russland. Doch richtig heimisch wurde sie in Rostow Weliki. Hier entstand im 18. Jahrhundert ein einzigartiger Handwerkszweig.
Es gibt eine alte Legende, der zufolge Kaiserin Anna Ioannowna einen italienischen Künstler nach Rostow schickte, um Emailschilder für eine Kirche anzufertigen und sein Wissen an die Einheimischen weiterzugeben. Ob das stimmt, ist nicht sicher. Wahrscheinlicher ist, dass Rostower Maler zum Studieren nach Moskau geschickt wurden und ihr Wissen nach ihrer Rückkehr weitergaben.
Ursprünglich wurden fast ausschließlich Ikonen, Kreuze und Kirchenutensilien angefertigt. Die Arbeiten waren so kostbar, dass sie mit Gold und Silber gleichgestellt wurden.
🖌️ Die Kunst des „Feuerschreibens“
Doch wie entsteht ein solches Wunder? Der Prozess ist kompliziert und verzeiht kaum Fehler.
Zunächst wird eine dünne Kupferplatte mit einer weißen, glasartigen Emailschicht überzogen.
Bei Temperaturen von bis zu 800 °C wird sie im Ofen gebrannt, bis die Emaille mit dem Metall verschmilzt. So entsteht ein glatter, glänzender Untergrund. Nun beginnt der schwierigste Teil: Der Künstler malt mit feuerfesten Farben, die später die hohen Temperaturen aushalten müssen. Nach jedem Farbauftrag muss die Platte erneut in den Ofen. Für eine einzige mehrfarbige Komposition können bis zu sieben Brennvorgänge erforderlich sein.
Das Besondere dabei ist, dass sich die Farben beim Brennen verändern. Der Künstler muss also bereits beim Malen wissen, wie sie nach dem nächsten Ofengang aussehen werden. Erfahrung ist hier wichtiger als jede Korrekturmöglichkeit.
👑 Vom Altar zur Handtasche
Ursprünglich dienten die kleinen Kunstwerke fast ausschließlich der Kirche. Im Laufe der Zeit eroberte die Rostower Finift jedoch auch die weltliche Welt.
Als der Bedarf an Ikonen im 19. Jahrhundert zurückging, entstand ein neues Standbein: Schmuck und Gebrauchsgegenstände. Die Künstler begannen, Broschen, Ohrringe, Armbänder, Puderdosen und Schmuckkästchen mit Blumen, Landschaften und Architektur zu verzieren.
Auch Taschenuhren und Besteck wurden mit Emaillemalerei verziert.
Heute ist Rostow vor allem für seine zarten Blumenmotive auf Ringen, Anhängern und Broschen bekannt. Die Malerei ist oft so fein, dass ihre Details erst mit einer Lupe vollständig erkennbar sind.
✨ Ein Kleinod für die Ewigkeit
Das Besondere an der Finift-Technik ist, dass die Werke nahezu unvergänglich sind.
Die Farben werden in einer glasartigen Schicht eingebrannt und verblassen kaum. Andere Maltechniken können mit der Zeit nachdunkeln oder an Leuchtkraft verlieren, doch viele Finift-Arbeiten aus dem 18. und 19. Jahrhundert bewahren bis heute ihre intensive Farbwirkung.
💎 Woher der Name kommt
Das Wort „Finift“ (russisch: Финифть) ist ein alter russischer Begriff für diese Kunst.
Seine genaue Herkunft ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie besagt, dass es vom griechischen Wort „chymeuo“ (χυμεύω) abstammt, was so viel wie „ich mische“ bedeutet. Nach einer anderen Erklärung könnte der Begriff mit dem griechischen „phengos” (φέγγος) zusammenhängen, was „Glanz” oder „Schimmer” bedeutet.
Beides passt erstaunlich gut zu dieser glänzenden Kunst.
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