Das Informationsfreiheitsgesetz steht vor seiner größten Beschneidung seit seiner Einführung
Am 2. Juli 2026 hat der Koalitionsausschuss von SPD und Union weitreichende Änderungen am Informationsfreiheitsgesetz beschlossen. Was bisher jedem Bürger das Recht auf Einsicht in behördliche Unterlagen ermöglicht, soll künftig massiv eingeschränkt werden.
Der wohl gravierendste Punkt ist die Einführung eines sogenannten "berechtigten Interesses". Bisher konnte jeder Bürger ohne Angabe von Gründen Akteneinsicht beantragen. Künftig soll zunächst nachgewiesen werden müssen, warum man überhaupt Auskunft erhalten möchte.
Damit entscheidet ausgerechnet die Behörde selbst, ob ein Antragsteller überhaupt das Recht hat, Fragen zu stellen.
Darüber hinaus sollen Journalisten, Medien und Organisationen vom Auskunftsrecht ausgeschlossen werden. Anfragen könnten künftig zudem Gebühren in fünfstelliger Höhe auslösen. Namen von Behördenmitarbeitern sollen grundsätzlich geschwärzt werden, auch in leitenden Funktionen. Gleichzeitig sollen Behörden Anträge künftig leichter ablehnen können.
Damit würde aus einem allgemeinen Bürgerrecht ein Ausnahmefall.
Mehr als 110 Organisationen haben die Bundesregierung deshalb in einem offenen Brief aufgefordert, diese Pläne zu stoppen. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem FragDenStaat, Reporter ohne Grenzen, Transparency International Deutschland, Amnesty International, der Deutsche Journalisten-Verband, LobbyControl und zahlreiche weitere Organisationen.
Das Informationsfreiheitsgesetz hat in den vergangenen zwanzig Jahren maßgeblich dazu beigetragen, Missstände, fragwürdige Verträge und politische Fehlentscheidungen ans Licht zu bringen. Eben diese Form der Kontrolle scheint heute nicht mehr erwünscht zu sein.
Wer Informationsfreiheit abbaut, baut nicht Bürokratie ab- Er baut demokratische Kontrolle ab.
Hier geht's zum Artikel:
https://www.politischeverfolgung.de/berliner-republik/abschaffung-informationsfreiheitsgesetz-ifg/
Und hier zum Bündnis "Hände weg vom IFG":
https://fragdenstaat.de/artikel/policy/2026/07/xy-organisationen-fordern-rettet-die-informationsfreiheit/
Verpackt wurde der Angriff auf die Informationsfreiheit ausgerechnet im "Programm für Aufschwung und Beschäftigung“. Dort, wo ihn die wenigsten vermuten würden:
https://www.bundesregierung.de/resource/blob/2196306/2445592/bc8e5e160d879f0bdd593121a96a45d2/2026-07-02-koaausschuss-data.pdf?download=1